Herzogenrath: Aixtron streicht 110 Jobs

Von: Berthold Strauch
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Aixtron-Sitz im Herzogenrather Stadtteil Kohlscheid: Das börsennotierte Unternehmen stellt sogenannte Depositionsanlagen für die Halbleiterindustrie her. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Für Martin Götzeler war es keine schöne Premiere. Der neue Vorstandsvorsitzende der im Tec-Dax notierten Aktiengesellschaft Aixtron musste am Donnerstag schlechte Geschäftszahlen für das erste Jahresquartal verkünden. Der Negativtrend für den Herzogenrather Halbleiter-Anlagenbauer hält somit an.

Umsatzerlöse und Auftragseingänge seien „vor dem Hintergrund der weiterhin unsicheren Nachfrage auf einem niedrigen Niveau“, bekannte Götzeler, der seinen Posten erst am 1. März übernommen hatte.

Die Konsequenz: Das Unternehmen soll 20 Prozent seiner Stellen abbauen, wie Götzeler am Donnerstag in einer Telefonkonferenz für Investoren ergänzte. Zum Zeitpunkt der Verkündigung der harten Einschnitte, am 25. Januar, zählte Aixtron noch 550 eigene Mitarbeiter. Demnach würden am Standort Herzogenrath rund 110 Stellen verschwinden.

Der Umsatz betrug in den ersten drei Monaten 40,2 Millionen Euro, 48 Prozent weniger als im letzten Quartal 2012. Bei den Vorratsbeständen seien 43 Millionen Euro an „Wertberichtigungen“ vorgenommen worden, fügte er an. Zusätzlich habe Aixtron 6,1 Millionen Euro an „Restrukturierungsaufwendungen“ bereitstellen müssen, um den eingeleiteten Personalabbau finanziell zu flankieren. „Diese Maßnahmen sind Teil der kurzfristig angelaufenen Programme zur Kostenoptimierung und Effizienzsteigerung“, so Götzeler weiter. Das Bruttoergebnis sei „deutlich abgesunken“, auf minus 47,7 Millionen Euro, wobei es im vierten Quartal 2012 noch mit 17,7 Millionen Euro im positiven Bereich gelegen habe.

Franz-Peter Beckers, Chef der IG Metall in Aachen, macht sich angesichts der anhaltend negativen Fakten große Sorgen um die Zukunft des einstigen Hightech-Vorzeigekonzerns. Die „dicke Abschreibung“ sei „zu erwarten gewesen“, erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung: „Das Zeug war nicht mehr zu verkaufen.“ Von der erhofften „neuen Strategie“ bei Aixtron unter Führung von Götzeler sei „nichts zu erkennen“.

Nach Beckers‘ Kenntnis geht der Personalabbau bereits kräftig voran. Laut dem Gewerkschafter habe Aixtron etwa 120 bis 140 Mitarbeitern einen Aufhebungsvertrag angeboten. Welche Dimensionen die Stellenstreichungen inzwischen erreicht haben, dazu wollte Aixtron-Sprecher Guido Pickert auf Nachfrage nichts sagen.

Nach Informationen von Insidern sollen pro Jahr Betriebszugehörigkeit 1,8 Monatsgehälter Abfindung in Rede stehen, was bei langgedienten Aixtron-Leuten leicht sechsstellige Beträge ausmachen könnte. Pickert wollte auch diese Zahlen nicht kommentieren, weil es sich um „vertrauliche Angaben“ handele.

Beckers nannte das freiwillige Abfindungsangebot „ein zweischneidiges Schwert“. Offen sei, ob es Mitarbeiter in Anspruch nähmen, „die Aixtron tatsächlich loswerden will“, oder ob es „kontraproduktiv“ sei, weil meist „die Schnellsten und Besten“ mit guten neuen Jobperspektiven gingen. Für ihn sei „keine Strategie erkennbar: Aixtron reagiert hilflos“, sagte der IG-Metaller. Zu beachten sei, „dass man nicht Strukturen zerstört, indem man Leute rausschmeißt, die in zwei Jahren wieder gebraucht werden“.

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