Alsdorf - GIF schlingert und greift zu drastischen Maßnahmen

GIF schlingert und greift zu drastischen Maßnahmen

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Die GIF ist mit Ingenieurdienstleistungen - wie zum Beispiel dem Betrieb von Prüfständen, wie in unserem Archivbild - groß geworden, kämpft aber derzeit mit den Folgen eines Auftragseinbruches. Foto: eska

Alsdorf. Große Unruhe herrscht unter den rund 400 Mitarbeitern der Gesellschaft für Industrieforschung (GIF). Vor zwei Wochen waren die Mitarbeiter des weitgehend in der Antriebstechnik tätigen Unternehmens in einer Versammlung zu weitreichenden Zugeständnissen aufgefordert worden.

Die Mitarbeiter sollten auf die Hälfte ihres Gehalts für August und September verzichten. Sonst müsse der Betrieb zugemacht werden; eine entsprechende Erklärung sei bis 17 Uhr des gleichen Tages abzugeben, hieß es.

Ein Arbeitnehmer, der namentlich nicht genannt werden will: „Das war quasi Erpressung.” Damit jedoch nicht genug der Hiobsbotschaften: Am Freitag vergangener Woche ist 25 Mitarbeitern der GIF die Kündigung überreicht worden. Sie hätten noch ihre Schreibtische ausräumen dürfen, seien dann aber aufgefordert worden, sofort das Firmengelände zu verlassen. Der Insider: „Bei den Leuten ist die Panik ausgebrochen.” Eine Reihe von Beschäftigten hätten sich an die IG Metall gewendet, die voraussichtlich Kündigungsschutzklagen einleiten wird, weil Kriterien wie Sozialauswahl nicht eingehalten worden seien.

GIF-Geschäftsführer Jan Schlipf bestätigte am Dienstag gegenüber unserer Zeitung, dass - erstmals in der Firmengeschichte - 25 betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen und die Mitarbeiter sofort freigestellt worden seien. Dies sei Ausfluss einer „Auslastungsüberprüfung und Teil einer Restrukturierung und Neuausrichtung”. Man sei immer stolz auf die soziale Unternehmenskultur gewesen, habe aber nicht anders handeln können, weil im August eine Liquiditätskrise herrschte und akute Insolvenzgefahr bestanden habe. Deshalb habe man die Mitarbeiter auch gebeten, auf die Hälfte des Gehalts zu verzichten und diese Summe dem Unternehmen als Kredit zur Verfügung zu stellen.

Das Geld werde Ende Oktober zurückgezahlt. Bereits 2009 habe man starke Umsatzeinbrüche gehabt und zunächst mit Kurzarbeit reagiert, 2010 habe sich die Auftragslage aber wieder erholt. Man blicke nun zuversichtlich in die Zukunft.

Die GIF wurde 1986 aus dem Mitarbeiterstamm des Instituts für Kraftfahrwesen der RWTH Aachen gegründet. Schwerpunkt sind Entwicklungsdienstleistungen für die Automobilindustrie mit dem Schwerpunkt Prüfstand. 1997 wurde ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Alsdorf mit Messstrecke, Rollenprüfständen und Antriebsprüfständen gebaut, im Jahr 2001 wurde der Hauptsitz von Aachen nach Alsdorf verlegt. In Aachen gibt es nach wie vor eine Niederlassung, daneben Tochterfirmen in Wolfsburg, China, Japan und den USA. Noch im Februar 2009 wurde im Hoengener Industriepark ein neues Prüfstandsgebäude eingeweiht, damit verbunden 20 zusätzliche Arbeitsplätze. Das ehrgeizige Restrukturierungsprogramm für den international engagierten Ingenieur-Dienstleister werde von einem renommierten Beratungsunternehmen begleitet, teilte Schlipf weiter mit. Die Maßnahmen umfassten Organisations- und Prozessoptimierungen, die Neustrukturierung der Finanzierung sowie „gezielte Kapazitätsanpassungen” in einzelnen Bereichen.
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