Aachen - Fachkräftemangel pragmatisch anpacken

Fachkräftemangel pragmatisch anpacken

Von: Berthold Strauch
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Wie findet man qualifiziertes
Wie findet man qualifiziertes Personal? Von ihren Erfahrungen berichteten gestern Experten und Unternehmer aus der Region: (von links) Stefan Wagner, Gabriele Hilger, Leiterin der Aachener Agentur für Arbeit, Silvia Moss, Birgit Jung, Marcel Jordans, Gisela Wollgarten und Frank Bauer. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Das zunehmende Fehlen von Fachkräften prägte am Mittwochabend den Arbeitgebertag der Aachener Agentur für Arbeit. Garniert mit einem „Business-Talk” unter der Moderation von Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, suchten Experten und regionale Unternehmer nach Auswegen aus der „Mangelwirtschaft”.

Dabei wiesen insbesondere die Praktiker auf Lösungsansätze, die vielversprechend sind - weil sie Erfolge aufweisen können.

So zum Beispiel Silvia Moss von der gleichnamigen Aachener Großbäckerei: Auch hier „drückt der Schuh gewaltig”, ausreichend Fachverkäuferinnen und insbesondere Bäcker zu finden. Was die Läden angeht, hat die Unternehmerin - übrigens gemeinsam mit der Agentur - interessante neue Modelle kreiert und mit Leben gefüllt. Dazu zählt insbesondere eine Ausbildung als Teilzeitangebot, damit Mütter ihre Verpflichtungen gegenüber Kindern besser bewältigen können. Dabei hilft denn auch der Betrieb: indem er einen Platz in einer Kindertagesstätte besorgt.

Und auch der Neubau des Firmensitzes sorgte für einen unverhofften Job-Schub: Vier Bäcker, die bereits das 60. Lebensjahr überschritten hatten, meldeten sich mit Initiativbewerbungen. Die neuen technischen Möglichkeiten in der Bäckerei ließen es zu, dass sie nicht mehr so schwer körperlich arbeiten müssen. Nun dienen sie auch „als Vorbilder für die jungen Kollegen”, weil die Arbeit viel Freude mache, bekräftigte Silvia Moss.

Gar als „Headhunter” in eigener Sache versteht sich Stefan Wagner, Chef eines Eschweiler Instandsetzungsunternehmens, das Windräder zu seinen Schwerpunkten zählt. Er geht in Schulen, kümmert sich intensiv um Praktikanten - die umfassend in die anfallenden Arbeiten eingebunden werden. Die Leute zu bekommen, die er haben wolle, liege auch „am Arbeitgeber selber”, sagt er.

Die Vorzüge der eigenen Pflegeschule beschrieb Gisela Wollgarten vom Aachener Marienhospital. Ein Erfolgsrezept dabei sei, Ältere und Jüngere zu mixen. Und angesichts der schweren körperlichen Arbeit gehören Präventionsprogramme wie Stressbewältigung und rückenschonendes Verhalten, dazu Teilzeitarbeit, zum Angebotsspektrum. Noch gebe es mehr als dreimal so viele Bewerbungen als Ausbildungsplätze.

Zuvor hatte Frank Bauer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Arbeitsagentur in Düsseldorf zur demographischen Entwicklung und dem Fachkräftebedarf in der Region Aachen Position bezogen - ein Versuch, „zur Versachlichung von hysterischen Debatten” beizutragen. Einen aktuellen Arbeitskräftemangel gebe es angesichts einer seit Jahrzehnten „verfestigten Arbeitslosigkeit” nicht. Wohl gebe es „Rekrutierungsprobleme”, um bestimmten Qualifikationen gerecht zu werden; da dauere das Auswahlverfahren auch schon mal länger. Da müssten eben Kompromisse gemacht werden. Für die Zukunft indes drohe ein „dramatischer Rückgang an erwerbsfähiger Bevölkerung” - selbst bei stärkerem Ausschöpfen etwa von Migration und Frauenbeschäftigung.

Eine pragmatische Bewertung des Fachkräftemangels aus Bauers Sicht: Solange die Löhne nicht spürbar anstiegen, gebe es den eigentlich nicht.
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