Fachkräftemangel: Potenzial lange noch nicht ausgeschöpft

Von: Berthold Strauch
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Damit keine Stühle leer bleib
Damit keine Stühle leer bleiben: Die Region bündelt die Kräfte gegen Fachkräftemangel. Foto: Stock/McPhoto

Aachen. Das Thema ist längst zum Dauerbrenner geworden: der Fachkräftemangel. Doch die Verantwortlichen in der Region Aachen wollen nicht jammern über das, was über sie hereinbrechen könnte, sondern schließen sich eng zusammen, um gemeinsam und konstruktiv dafür zu sorgen, dass die Folgen der gesunkenen Geburtenraten die Wirtschaft keinesfalls so schmerzlich wie befürchtet treffen werden.

Mit Unterstützung des Landes wurde am Freitag eine Fachkräfte-Initiative offiziell ausgerufen. Die Region könnte damit zum Vorbild für andere werden.

Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit), machte mit vielen der an diesem Projekt Beteiligten deutlich, in welchen Berufen demnächst hervorragende Chancen bestehen dürften: „Was haben Maschinenbau, Informationstechnik, Altenpflege und Dachdecker gemeinsam? Das sind Jobs mit guten Zukunftsaussichten.”

Bis zum Jahre 2025 fehlten demnach allein in NRW mindestens 600 000, wenn nicht gar bis zu einer Million Fachkräfte. Schirowski verwies auf eine „schrumpfende Gesellschaft”, die zudem im Schnitt immer älter werde. Dieser Prozess habe längst angefangen. Zudem würden noch zu viele ihre Schullaufbahn, Ausbildung oder ihr Studium abbrechen, so dass zu wenig qualifizierte Kräfte nachrückten. Zugleich steige der Bedarf.

Da nütze es nichts, „den Kopf in den Sand zu stecken”, sondern es müsse konsequent an Lösungen gearbeitet werden. Denn auch in der Region gebe es noch ein „unausgeschöpftes Potenzial” von Menschen, die für den Arbeitsmarkt zu gewinnen seien, zum Beispiel bei den Frauen. Nach Angaben von Gabriele Hilger, der Chefin der Aachener Arbeitsagentur, lägen deren Beschäftigungsquoten hier lediglich bei 39,7 Prozent, während der Wert im Bund 47,4 Prozent betrage. Solche Chancen müsse man unbedingt nutzen, bekräftigte Hilger.

Dass dies gelingt, dafür wollen die Akteure aus Kammern, Verbänden, Wirtschaftsförderern, Jobcentern, Hochschulen und Gewerkschaften gemeinsam mit den Unternehmen sorgen. Um das Problem effizient anzupacken, wurde ein detaillierter Arbeitsrahmen mit etlichen Handlungsfeldern erarbeitet, wie Elke Breidenbach, die Leiterin der Regionalagentur Aachen, darlegte. Für Fördermaßnahmen zugunsten von „Fachkräfte-Sicherungsstrategien” stehen auch üppige finanzielle Mittel aus EU-Töpfen zur Verfügung.

So gelte es etwa, „keinen Jugendlichen zu verlieren, alle in Ausbildung zu bringen”. Im Blick habe man auch Hilfen für kleine und mittelständische Betriebe, die bei der Gewinnung von Fachkräften häufig mehr Probleme als größere Firmen hätten. Migranten und Arbeitslose seien weitere Zielgruppen, denen vermehrt der Weg in den Arbeitsmarkt geebnet werden soll.

Überdies müssten sich gerade in der Hochschulregion die hier ansässigen Unternehmen bekannter machen, damit sie bessere Chancen bei den Absolventen hätten und diese nicht anderswo abwandern. Denn, so brachte es Dieter Begaß von der Aachener Wirtschaftsförderung auf den Punkt, „auch andere Regionen stellen ihren ,Staubsauger auf, um Fachkräfte abzuwerben”.

Fritz Rötting, Geschäftsführer der Aachener Industrie- und Handelskammer, verwies auf das Monitoring auf Landesebene, um genaueren Aufschluss über die Art der fehlenden Fachkräfte zu bekommen. Nicole Tomys, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Aachen, machte auf Anstrengungen ihrer Einrichtung zugunsten der Beschäftigten aufmerksam. So kümmert sich neuerdings ein Betriebsberater um Personalentwicklung in Betrieben.

Zudem soll über das mit der Fachhochschule Aachen vorbereitete Kooperationsprojekt „Reset” Studienabbrechern eine Perspektive und damit Karrierewege im Handwerk aufgezeigt werden. Für Orientierung sorge zudem die Initiative „Startklar”, die Schülern konkrete Wege in den Beruf weise. Neuerdings soll über den gerade aufgelegten „Lehrstellenradar” eine Smartphone-App entsprechende Aufgebote punktgenau aufzeigen.

„Alle technisch-gewerblichen Berufe sind Mangelberufe”, verwies Rötting auf derzeit rund 4000 fehlende Bewerber. Laut der jüngsten Konjunkturprognose hätten 35 Prozent der Unternehmen bereits Schwierigkeiten, genügend Mitarbeiter zu finden. Und damit, machte Rötting auf einen weiteren Aspekt aufmerksam, „liegen auch betriebliche Umsätze brach”, nicht zu reden etwa auch von ausfallenden Steuereinnahmen.
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