Ex-Minister Clement trifft auf Priggen

Von: Jan Mönch
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Streit über Energiepolitik: Ex-Minister Wolfgang Clement, Chefredakteur Bernd Mathieu, EWV-Geschäftsführer Manfred Schröder und Reiner Priggen, Die Grünen (von links). Foto: Eisenmenger

Stolberg. In Ermangelung eines Führerscheins nutzt Dr. Wolfgang Clement regelmäßig die Deutsche Bahn. Im Speisewagen sprach ihn jüngst eine Kellnerin an: „Wir sprechen schon im ganzen Abteil über sie, Herr Seehofer.”

„Die Prominenz hat ihre Grenzen”, so die Erkenntnis des Bundesministers für Wirtschaft und Soziales a. D. aus der Verwechselung mit dem Ministerpräsidenten aus Bayern.

Unwahrscheinlich, dass dieser Einfluss hatte auf seinen Kurs beim 5. Unternehmerforum des Stolberger Energieversorgers EWV - denn sich mit (aus linker Sicht) nonkonformen Ansichten Gehör zu verschaffen, versteht der abtrünnige Sozialdemokrat nicht erst seit neulich.

Und vertrat diese auch in einer vom Chefredakteur dieser Zeitung, Bernd Mathieu, moderierten Podiumsdiskussion mit Reiner Priggen.

Der energiepolitische Landessprecher der Grünen hatte es nicht leicht gegen seinen rhetorisch beschlagenen Widerpart, verteidigte dennoch beharrlich die Standpunkte seiner Partei zum Thema Energiepolitik.

Vor allem den Gedanken der Langfristigkeit unterstrich der Diplom-Ingenieur immer aufs Neue: „Dass der Umstieg auf erneuerbare Energien seine Zeit braucht, ist uns auch klar. Diese Zeit müssen wir in die Forschung investieren.”

Dies gelte sowohl für die noch ungelöste Speicherfrage von Solarstrom, als auch für elektrisch betriebene Pkw. Zukunftsweisend, allerdings sträflich vernachlässigt, sei auch das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung.

Clement schlug stets rasch den Bogen zur Rolle Deutschlands in der Weltwirtschaft. Als „schizophren” bezeichnete er die Vorstellungen von „Künast und Co.”.

„Wenn wir einerseits die Kohle verteuern, andererseits aber aus der Atomenergie aussteigen, dann wundert das die Franzosen, löst aber ganz bestimmt kein Unbehagen bei ihnen aus.”

Die Kritik Priggens an der Vormachtstellung weniger Energiegiganten auf dem deutschen Markt konterte er dagegen mit Blick Richtung Osten: „Wir können froh sein, diese großen Anbieter zu haben. Ich möchte gar nicht wissen, was mit einem kleinen Stadtwerk passiert, wenn wir uns Gazprom ins Land holen.”

Überhaupt machte Clement keinen Hehl daraus, den Großteil der Pläne Priggens und der Grünen für wirtschaftlich unausgegoren („In welcher ökonomischen Welt leben sie eigentlich?”) und praktisch undurchführbar zu halten: „Wir wissen nicht einmal, wie wir die nötigen Leitungen durch den Harz und gegen den Willen der Bevölkerung legen sollen.”
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