Erneuerbare Energien ehrgeizig ausbauen

Von: Berthold Strauch
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Energie der Zukunft: der Offshore-Windpark „Alpha Ventus” vor Borkum. Ein paar Kilometer entfernt soll der Windpark Borkum West II der Stadtwerke-Kooperation Trianel mit Sitz in Aachen errichtet werden. Das Projekt nimmt Formen an: Weitere wichtige Verträge konnten abgeschlossen werden, so dass es im September zum Baubeschluss kommen könnte, erklärte Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung. Foto: Alpha Ventus

Aachen. Eine hochkarätige Expertenrunde kam im „SuperC” der RWTH Aachen zum „Forschungsdialog Rheinland” zusammen. Er bündelt die Universitäten Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Köln, das Forschungszentrum Jülich sowie die Industrie- und Handelskammern des Rheinlands. Angesichts dieses geballten Sachverstands verwundert es nicht, dass bei der Erörterung von Energiefragen der Zukunft spannende Thesen und Konzepte präsentiert und formuliert wurden, die hilfreiche Wege zur Bewältigung dieses wichtigen Themas deutlich machten.

Dass ein Umbau der Energiesysteme existenziell sei und damit zwingend notwendig, so der Grundtenor der von gut 100 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik besuchten Veranstaltung, machte der Kölner Ökonom Professor Marc-Oliver Bettzüge im Auftaktvortrag deutlich.

Der „Buchhalter der Gesellschaft”, wie er seine wissenschaftliche Aufgabe an der Universität der Domstadt umschrieb, skizzierte die bislang erreichten Resultate beim Ausbau erneuerbarer Energien, von denen „die gute alte Wasserkraft” immer noch den Schwerpunkt bilde.

Trotz aller Anstrengungen sei der Anteil regenerativer Energien an der Stromproduktion wegen des gewachsenen Verbrauchs gleich geblieben. Bis zum Jahr 2020, so gab er das vorgegebene Ziel weiter, solle der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch europaweit auf etwa 20 Prozent verdoppelt werden, beim Strom gleichfalls von etwa 15 auf 30 Prozent. Bettzüge nannte dies „ein ambitioniertes, ehrgeiziges Ziel”.

Der Professor unterstrich, dass die Nutzung der Windenergie nicht immer an den besten Standorten wie etwa Schottland, Irland und Polen erfolge, wo sich die Gestehungskosten inklusive der CO2-Klimaschutz-Zertifikate bereits den Marktkonditionen annäherten, sondern in Abhängigkeit der öffentlichen Förderkulisse in Deutschland, Spanien oder Dänemark.

Ähnlich sei es bei der Photovoltaik, wo „Deutschland nachweislich nicht der beste Standort” sei, aber wie etwa in Frankreich „Preise garantiert” würden. Dies schließe - im Gegensatz zu anderen Energieformen - einen Wettbewerb zwischen den verschiedenen Standorten aus, was Bettzüge „äußerst unbefriedigend” nannte. Dies laufe auch dem erklärten Ziel der EU einer europäischen Harmonisierung zuwider.

Professor Rik W. De Doncker vom Eon Energy Research Center in Aachen, an dem 80 Wissenschaftler verteilt auf fünf Institute von vier Fakultäten an Lösungen für die künftigen Energiefragen arbeiten, nannte in der Diskussion einen pragmatischen Ansatz, um den notwendigen milliardenschweren Ausbau regenerativer Energien zu verdeutlichen: Was hierfür in zehn Jahren zu investieren sei, „ist weniger, als in der Finanzkrise vernichtet worden ist”.

Dies müsse man „sich leisten können”. Für die „volatile”, die schwankende Verfügbarkeit erneuerbarer Energien brachte De Doncker interessante Lösungen ins Gespräch. Er nannte beispielhaft die Speicherung von Wärme etwa in Nordafrika, die nachts Energie erzeugen könne, die Herstellung von Wasserstoff (Elektrolyse), der problemlos bis zu 30 Prozent in vorhandene Gasnetze eingespeist oder Kohle in „sauberes”, von Schwermetallen befreites Methangas umwandeln könne.

Über Preis verhandeln

„Dann”, so der renommierte Wissenschaftler, „brauchen wir nur noch zehn bis 20 Prozent der jetzigen Gasmengen in Russland zu beziehen und sind in der Lage, über den Preis zu verhandeln”, fügte De Doncker an. Als „Schlüsseltechnologien” nannte er außerdem eine künftige Priorität für Gleichspannungsnetze und „Hochtemperatur-Supraleiter” zur effektiven Stromverteilung.

„Rahmenbedingungen zur Modernisierung von Energieversorgungsstrukturen” beschrieb Jürgen-Friedrich Hake vom Forschungszentrum Jülich.
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