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Elektro-Kart feiert Weltpremiere: Männertraum „made in Aachen“

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
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Fahrspaß: Aus einer Studentenidee ist das MAXeKart, eine Art Kettcar mit Elektromotor, entstanden. Gestern war Weltpremiere. Foto: Steindl

Aachen. Ein Männertraum feiert Weltpremiere. Doch es war weit mehr als ein Spielzeug, was da auf dem Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium (AWK) am Donnerstag präsentiert wurde.

Das sogenannte MAXeKart ist eine spektakuläre Mischung aus Elektroauto und Pedelec, sozusagen ein Elektroauto mit Pedalen oder eben ein Pedelec mit vier Rädern, und jede Menge Automobil-Know-how. So etwas hat es bislang noch nicht gegeben. Entstanden ist es am Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen, gebaut und ab sofort auch vertrieben wird es durch die eigenes gegründete MAXeKart GmbH.

Es sieht aus wie ein Kettcar für Erwachsene. Und im Prinzip ist es das auch – nur, dass es wie ein Pedelec von einem Elektromotor angetrieben wird. Wer beim MAXeKart in die Pedale tritt, der spürt die Unterstützung eines 250-Watt-Motors von Brose. 50 Newtonmeter Drehmoment hat der. Im nächsten Jahr wird es eine Ausbaustufe mit 500 Watt und 90 Newtonmeter geben. Zum Vergleich: Das VW-Elektroauto E-Up wird von einem Motor mit 105 Newtonmetern angetrieben. Überhaupt hat das Elektro-Kart viel Technik, die ein gutes Auto machen. Es gibt Scheibenbremsen wie bei einem Porsche und ein hochmodernes 8-Gang-Automatikgetriebe.

Keine Zulassung für die Straße

Bis zu 60 Stundenkilometer sollen möglich sein – freilich nicht auf der Straße, für die es keine Zulassung erfährt. Das Interesse auf dem AWK war dennoch riesig und die ersten Geschäfte wurden gemacht. Ein großer deutscher Konzern wird seine Schlosser bald mit den Karts über das Werksgelände schicken. Das Stück kostet übrigens 4000 Euro. Von der Renn- bis zur Reha-Version sind vier Modelle auf den Weg gebracht.

Letztlich geht es um weit mehr als den Verkauf. „Wir wollen Jung und Alt elektromobilisieren“, sagt Wolfgang Boos von der MAXeKart GmbH. Über die Neugier soll die Begeisterung fürs Kart und damit das Thema Elektromobilität geweckt werden. Das ist die eine Geschichte. Die andere betrifft die Fertigung. Gebaut wird das Kart in einer Demonstrationsfabrik auf dem Campus der RWTH Aachen. Der Weg ist hier das Ziel. Die Produktion des Karts wird auf Verbesserungen erforscht – von Hochschule wie auch Partnern aus der Industrie, die am Campus mit im Boot sind. Auch wenn das Kart mit 120 Komponenten weit weniger Bauteile zählt als ein Auto mit mehr als 1000 ist es, so Boos, „ein geniales Anschauungsobjekt“.

Es geht um die Zukunft der Produktionstechnik, und genau die steht unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ im Fokus des AWK. Es geht vereinfacht gesagt um die maximale Vernetzung von Maschinen und Produkten – auf allen Ebenen. Aber für die mehr als 1200 Experten aus aller Welt geht es bei Europas größter Fachkonferenz ihrer Art natürlich um weit mehr. Das Problem: Es ist für den Laien nur schwer verständlich, wie Apps den Maschinenbau optimieren sollen. Selbst Maschinenbauer haben da ihre Zweifel. „Wir brauchen kleine Bereiche, in denen wir Industrie 4.0 erlebbar machen können“, sagt WZL-Direktor Christian Brecher.

Die Impulse dazu will die RWTH Aachen mit WZL und Fraunhofer IPT liefern. „Ich hoffe auf Hunderte Initiativen und Spin-offs. Wir können hier in Aachen ein kleines Produktionsinnovations-Silicon-Valley werden“, sagt WZL-Direktor Günther Schuh dazu. Welche Innovationen von der RWTH und speziell aus dem Dunstkreis von WZL und IPT hervorgehen können, das beweist letztlich auch das MAXeKart. Die Idee für einen ersten Prototypen hatten nämlich Studierende.

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