Helene Fischer Freisteller

Eine alte Idee, fit für die Zukunft

Von: Jan Mönch
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„Lichtbeton ist im Kommen“: Lucem-Geschäftsführer Andreas Roye.
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Glasfasern im Inneren und LEDs an der Rückseite machen es möglich: eine massive, 35 Kilo schwere Platte aus grün leuchtendem Lichtbeton aus dem Hause Lucem. Foto: Heike Eisenmenger

Aachen/Stolberg. Lichtdurchlässiger Beton: Der Gedanke klingt nach Science Fiction, dabei hat die Idee bald 80 Jahre auf dem Buckel. „Seit 1935“, weiß Andreas Roye, „geistert der Begriff durch die Architekturwelt.“ Immer wieder habe es Prototypen gegeben, manche waren mehr, manche weniger gelungen.

„Was bisher immer gefehlt hat, war die Möglichkeit zur Serienfertigung“, sagt der Ingenieur. Bisher war sogenannter Lichtbeton eher ein – sündhaft teurer – Manufakturartikel, indes fehlte es an einem Verfahren, mit dessen Hilfe sich das Produkt zu einem erschwinglichen Preis auf den Markt bringen lässt.

Andreas Roye und sein Kompagnon Marijan Barlé sind sicher, dass ihnen genau dieses Kunststück gelungen ist. Ihr gemeinsames Unternehmen Lucem, das zwölf Mitarbeiter beschäftigt, hat nun die Südfassade des Instituts für Textiltechnik (ITA) auf dem Campus Melaten mit sogenanntem Lichtbeton ausgestattet. Bunt wie ein Mosaik soll die Fassade des Neubaus ab dem 6. Dezember bei Dunkelheit erstrahlen. Nichtsdestotrotz ist sie hart wie – klar, wie Beton.

Hauchdünne Glasfasern

Hinter der Geschäftsidee verbirgt sich kein Hexenwerk, sondern hauchdünne Glasfasern, die sich durch die Betonmasse ziehen. Aus der Nähe sind die Fasern mit bloßem Auge gut zu erkennen: als kleine helle Punkte, die die Betonplatte überziehen. Roye streicht über die Rückseite, auf der Vorderseite ist klar und deutlich die Silhouette seiner Hand zu erkennen. Dazu braucht es nicht mehr als eine Lichtquelle im Hintergrund.

Die Betonfertigteile werden am Sitz von Lucem in der Stolberger Prattlsackstraße gegossen. Das Verfahren läuft so: Zunächst wird eine Schicht Beton gegossen, anschließend werden Glasfasern aufgelegt – das Spiel wiederholt sich so lange, bis der Block die gewünschte Größe erreicht hat. Das Zerlegen des fertigen Blocks in Platten übernimmt ein süddeutsches Sägewerk. Dieser Standardisierung ist es zu verdanken, dass Lucem seinen Lichtbeton nun zu realistischen Preisen anbieten kann.

Ganz so simpel, wie es zunächst klingt, ist das patentierte Verfahren dann aber doch nicht: Bis auf zwei Gramm genau werden die Bestandteile des Betons für einen bis zu vier Tonnen schweren Block abgemischt. Hinsichtlich Gewicht und Qualität, versichert Roye, unterscheide sich das Produkt kaum von einem herkömmlichen Betonblock – der Anteil der Glasfasern liegt bei weniger als drei Prozent.

Davon, dass die Idee Potenzial hat, sind Roye und Barlé überzeugt. Mitbewerber indes gebe es international kaum eine Handvoll. Lichtbeton aus Stolberg ziert so bereits ein Versicherungsgebäude in Dortmund und eine Bank in Tiflis – jeweils von Innen. Demnächst folgt ein Gebetsraum in Katar, für den Lucem mit dem niederländischen Architekten Rem Kolhaas zusammengearbeitet hat.

Der Neubau des ITA auf dem Campus Melaten ist nun das erste Außenprojekt für das 2007 unter dem Namen Robatex gegründete Unternehmen. Laut Roye ist die Verkleidung nur noch rund 50 Prozent teurer als eine Fassade aus Betonplatten gewesen, Raum für technische Spielerei bietet sie dafür jede Menge. Während das Gebäude sich tagsüber mit einer relativ schlichten Natursteinwand zurückhaltend in gedeckten Farben präsentiert, lassen hinter die einzelnen Platten montierte LED-Streifen diese ab Einbruch der Dämmerung in rot oder grün, gelb oder violett aufleuchten – gleichzeitig oder abwechselnd, konstant oder auch zum Takt von Musik. Auch Schriftzüge können die beiden Ingenieure mittels einer Computerprogramms über die Fassade wandern lassen. Bei einer „Auflösung“ von acht mal 22 Betonplatten fallen diese allerdings doch recht grobkörnig aus.

Die Vorgaben, die die Unternehmer sich setzen, sind zurzeit noch recht eng. Geliefert werden Platten in den Farben weiß, grau und schwarz. Wird Beton in bunter Eigenfarbe oder in geschwungenen Formen angefragt, wird momentan noch abgelehnt. „Die ersten Jahr für Lucem waren zäh“, sagt Roye. Nach der langen Vorlaufzeit für die ersten Aufträge soll das Angebot nun zügig bekannter gemacht werden. 2000 Quadratmeter an Platten werden schon jetzt im Jahr produziert, vorhanden ist Kapazität für weitere 8000. Ausgefallenere Wünsche müssen da erst mal hinten anstehen. Mittel- bis langfristig aber will man in Stolberg weitere Möglichkeiten ausschöpfen. Andreas Roye ist sicher: „Lichtbeton ist im Kommen.“

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