Alsdorf - Ehemalige Renesas-Liegenschaften nun privater Gewerbepark

Ehemalige Renesas-Liegenschaften nun privater Gewerbepark

Von: Stefan Schaum
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Entkernt und abgespeckt: Auf der Wiese neben dem ehemaligen Renesas-Hauptgebäude stand einst die Wafer-Anlage. Ihr Erhalt für eine Folgenutzung wäre zu kostspielig gewesen. Foto: Fringsgruppe

Alsdorf. Eigentlich müsste das gesamte Gelände längst wieder eine Wiese sein. So war es geplant. Nach dem Aus für den Alsdorfer Standort des Halbleiterproduzenten Renesas - vormals Mitsubishi - wollte das japanische Unternehmen seine gewaltigen Gebäude an der Konrad-Zuse-Straße dem Erdboden gleich machen.

Das war Ende 2004. Doch die meisten Hallen stehen noch. Entkernt, aufgemöbelt, umstrukturiert. Aus hochspezialisierten Fertigungstrakten von einst ist ein vielfältiger Gewerbepark geworden. Rund 460 Arbeitsplätze gibt es nun wieder an einem Standort, dessen von zahlreichen Protesten begleitete Schließung ein herber Verlust für die Stadt gewesen ist.

Es war allerdings ein schönes Stück Arbeit. „Das waren ja überhaupt keine normalen Gebäude”, erinnert sich Diplom-Ingenieur Andreas Speck. Als Geschäftsführer der Gesellschaft für Ingenieurtechnik und Dienstleistungsmanagement (GID), einer Tochter der Aldenhovener Fringsgruppe, gehört er zu denen, die den Weg für die neue Nutzung bereitet haben.

Als Mitarbeiter des Elektrotechnikbetriebes Frings hatte er das Halbleiterwerk kennengelernt und dessen Entwicklung begleitet. „Da steckten Millionenwerte an Spezialmaschinen drin. Für Ingenieure waren das hochinteressante Geräte.”

Allerdings mit einem Haken: Nach dem Weggang des japanischen Betreibers waren sie praktisch unvermarktbar. Es waren Altlasten, die zu dem Gebäudepaket gehörten, das die Fringsgruppe vor gut drei Jahren erworben hat. „Wir haben zu Beginn noch versucht, Käufer für die Maschinen zu finden, aber da war gar nichts zu machen.” Am Ende sprang immerhin ein ansehnlicher Schrottwert heraus; „da steckte viel Edelmetall drin”.

Nicht nur die Maschinen waren ausschließlich auf Halbleiterproduktion geeicht. Auch die Gebäude dienten allein dieser einen Funktion. „Eine der Hallen war im Grunde eine einzige, riesige Maschine. Da waren keine Böden drin, es gab keine Heizung, keine Beleuchtung. Es hätte allein 500.000 Euro pro Monat gekostet, sie instand zu halten.”

Reinräume müssen raus

Diese sogenannte Wafer-Halle steht nicht mehr. Zu kostspielig wäre es gewesen, sie für eine Folgenutzung herzurichten. In den anderen Gebäudeteilen mussten zunächst die Reinräume raus, denn auch die waren aufgrund ihrer Dimensionen unvermietbar. „Wir haben neun Monate allein für die Entkernung gebraucht”, sagt Andreas Speck. Schließlich ging es um eine Fläche von gut 17.000 Quadratmetern.

Doch der Mut zum Neubeginn und die Mühe haben sich gelohnt, Mieter fanden sich rasch. Aktuell ist eine Restfläche von 500 Quadratmetern unvermietet, auch dafür steht bereits ein Interessent bei Fuß. „Bei der derzeitigen Wirtschaftslage ist solch eine Auslastung eigentlich unmöglich zu erreichen”, sagt Speck. Mag sein, dass der erfolgreiche Start am Konzept liegt, Mietern Synergieeffekte nutzbar zu machen. „Es sind überwiegend Firmen aus dem Ingenieur- und elektrotechnischen Entwicklungsbereich, die auch gemeinsame Projekte realisieren können.”

Leitungen geben viel her

Neben Töchtern der Fringsgruppe sind etwa die Lasertechnik-Firma „4Jet” und Teile der Gesellschaft für Industrieforschung (GIF) in dem privaten Gewerbepark Aachener Land sesshaft geworden. Auch ein Applikationszentrum der Aachener FEV-Motorentechnik GmbH ist dort entstanden. Die Mieter profitieren von den Leitungen, die Mitsubishi einst legen ließ. „Die Anschlussleistungen sind hier enorm hoch. Die damalige Produktion hat gewaltige Strom-, Gas- und Wassermengen verschlungen.” Die sind bei Bedarf heute noch abrufbar.

„Wir legen großen Wert auf eine soziale Vernetzung”, sagt Speck. So ist die große Kantine ein Treffpunkt auch für Mitarbeiter umliegender Firmen, und der Fußballplatz auf dem Gelände ist es nicht minder. „Da finden immer wieder Turniere der Mieter statt.”

Ganz abgeschlossen ist die Umgestaltung der Flächen nicht. Derzeit wird das Foyer erneuert, werden Bodenbeläge ausgetauscht und Wände frisch gestrichen. Dann wird fast nichts mehr an den ursprünglichen Charakter der Gebäude erinnern. Ganz neue Hallen könnten in Zukunft ebenfalls entstehen, schließlich umfasst das Grundstück gut 14 Hektar. Doch zu rasch soll das nicht geschehen. Speck: „Wir sind aufgeschlossen und wollen das Gebiet weiterentwickeln. Aber Schritt für Schritt.”
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