Düren - Dürener Firma setzt auf Inklusion

Dürener Firma setzt auf Inklusion

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
7183741.jpg
Inklusion ist Alltag am Arbeitsplatz von Adil Topal und Claudia Golombek. Seit einem halben Jahr arbeitet die 58-Jährige, die als Kind bei einem Unfall ihr Gehör verlor, bei Delta T in Düren. Foto: Stephan Johnen

Düren. Ob es jugendlicher Leichtsinn war? Michael Volker Thomas, der sich im Alter von 45 Jahren dazu entschlossen hat, seine eigene Firma zu gründen, muss lachen. „Ich habe die Chance genutzt, das zu machen, was ich gut kann“, sagt der Dürener Unternehmer.

Viele Jahre war er im mittleren Management eines Zulieferers der Automobilindustrie tätig. Heute ist Thomas sein eigener Chef – und Arbeitgeber für 28 Angestellte der Delta T Hitzeschutz und Isolation GmbH. Die Dürener Produkte stecken weltweit unter vielen Motorhauben. Sie schützen beispielsweise Elektropumpen vor Hitze.

Je nach Bedarf schlüpft Ingenieur Michael Volker Thomas auch in die Rolle des Chef-Entwicklers, des Controllers und des Handlungsreisenden. Sein eigener Personalchef ist er ohnehin. Als solcher hat der 47-Jährige gleich zu Beginn beschlossen, Menschen mit Handicap ins Unternehmen zu integrieren. Bereits drei der ersten Mitarbeiter hatten das, was der Dürener als „höheren Schulungsbedarf“ bezeichnet. Erst im vergangenen Jahr stellte er eine 58-Jährige ein, die als Kind bei einem Unfall ihr Gehör verloren hatte. Die Einladung zum Bewerbungsgespräch schickte Thomas ganz unkompliziert per SMS.

„Als Unternehmer möchte ich soziale Verantwortung übernehmen“, sagt er. Der vermeintliche Mehraufwand bei Schulungen und in der Betreuung im Arbeitsalltag erweise sich als Gewinn für das Unternehmen. Und damit meint Thomas keinen bilanziellen Gewinn, „sondern einen menschlichen“. Das Betriebsklima profitiere vom inklusiven Ansatz.

Jeder Handgriff muss sitzen

Vereinfacht gesagt entstehen bei Delta T aus verschiedenen Materialien wie glasfaserverstärktem Aluminium, hitzeresistenten Geweben und Kunststoffen Hitzeschutz- und Isolationsprodukte vor allem für die Automobilindustrie. Viele der Tätigkeiten wie das Vernähen und das Setzen von Ösen sind „recht einfache Tätigkeiten“, sagt Thomas, doch jeder Handgriff müsse sitzen. Die Arbeit stelle besondere Herausforderungen an das zum Teil selbst entwickelte Material – und auch an die Fertigkeiten der Mitarbeiter. So müssen die Produkte nicht nur bis zu 20 Jahre halten, sondern auch in extremen Situationen reibungslos funktionieren. „Manche Bauteile in Fahrzeugen müssen vor Temperaturen geschützt werden, die auch mal 600 Grad betragen“, nennt Thomas ein Beispiel. Etwa 50 verschiedene Produkte werden in Düren gefertigt.

Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 1,3 Millionen Euro. Nach oben sei noch deutlich Luft. „Wir rechnen mit 40 Prozent Wachstum in diesem Jahr“, ist Thomas optimistisch. Für den Standort Deutschland wünscht er sich eine „bessere Unterstützung“ der Start-up-Unternehmen abseits der Universitätsstädte – und vor allem „mehr Zuversicht“ bei Banken. Gründer bräuchten einen langen Atem.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert