Aachen/Stolberg - Doppelter Abi-Jahrgang schuld an Ausbildungsdebakel?

Doppelter Abi-Jahrgang schuld an Ausbildungsdebakel?

Von: Laura Beemelmanns
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Aachen/Stolberg. Die Ergebnisse für das Ausbildungsjahr 2012/2013 in der Region sind „ernüchternd“. Jürgen Koch, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, findet klare Worte für die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Ausbildungsangebot und Bewerbernachfrage.

Gemeinsam mit Vertretern der Handwerkskammer Aachen (HWK) und der Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK) gab er am Mittwoch die offiziellen Zahlen zur Bilanz des Ausbildungsjahres 2012/2013 in der Saint-Gobain Glasschule in Stolberg bekannt.

Demnach ist die Zahl der gemeldeten Bewerber stark angestiegen –bei den Jugendlichen mit Abitur sogar um 49,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert. Zurückzuführen ist das auf den doppelten Abiturjahrgang. Derweil liegt die Anzahl gemeldeter Ausbildungsstellen in etwa auf Vorjahresniveau. Im Zeitraum vom 1. Oktober 2012 bis zum 30. September 2013 wurden mit 6018 Ausbildungsstellen 13 mehr registriert als im Vorjahr. Da waren es 6005. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist folglich in etwa konstant. Hingegen meldeten sich mit 8821 Bewerbern 1329 mehr Jugendliche bei der Agentur für Arbeit für eine betriebliche Ausbildungsstelle als noch im Jahr 2012 mit 7492 Bewerbern. Das ist ein Anstieg von 17,7 Prozent. So steigt auch die Zahl der Jugendlichen ohne Lehrstelle. Waren es bis zum 30. September 2012 noch 236, waren es bis zum 30. September dieses Jahres 379. Somit blieben 4,3 Prozent der gemeldeten Bewerber in der Region unversorgt.

Das ist kein spezifisches Problem in der Region, sondern ein landesweites. Auch in ganz NRW hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt deutlich verschärft. Insgesamt 6300 Jugendliche blieben nach Angaben der Arbeitsagentur in diesem Jahr ohne Ausbildungsplatz. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das eine Steigerung von 45 Prozent, berichtete der Geschäftsführer der NRW-Regionaldirektion, Peter Jäger, am Mittwoch in Düsseldorf. Zwei Ursachen waren Jäger zufolge für die enttäuschende Bilanz verantwortlich: Zum einen der doppelte Abiturjahrgang und zum anderen das sinkende beziehungsweise stagnierende Angebot an Ausbildungsplätzen.

Fokus auf Studienabbrecher

Jürgen Koch befürchtet einen gravierenden Wandel auf dem Ausbildungsmarkt: Die Unternehmen suchen, finden aber nicht den passenden Bewerber. Die Folge: Fachkräftemangel. Denn vor allem Abiturienten streben ein Studium an oder gehen zunächst für einige Zeit ins Ausland. Das spürt vor allem das Handwerk. „Die jungen Leute haben das Handwerk nicht im Sinn“, sagt Georg Stoffels, Geschäftsführer der Handwerkskammer Aachen. Auch er muss seit fünf Jahren erstmals ein Minus von 5,3 Prozent bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen vermelden. Daher legt die Handwerkskammer nun den Fokus auf Studienabbrecher. „Wir haben einen speziellen Berater für Studienabbrecher. Das Projekt läuft seit rund einem Jahr. Wir haben 39 Coachings durchgeführt und konnten 19 Abbrecher vermitteln“, sagt er. Auch Saint-Gobain habe noch Ausbildungsplätze zu vergeben, betont Bodo Vodnik, Leiter der Personalentwicklung Saint-Gobain und Saint-Gobain Glass.

Koch sieht „kein betriebswirtschaftliches, sondern ein gesellschaftspolitisches Problem. „Die Ernsthaftigkeit bei den Suchenden lässt nach.“ Hinzu kommt die G8/G9-Problematik. „Der doppelte Abiturjahrgang hat dem Ausbildungsmarkt gar nichts gebracht“, sagt Koch.

Lediglich Heinz Gehlen, Geschäftsführer der IHK Aachen sieht die Situation positiver. „An uns ist der doppelte Abiturjahrgang vorübergegangen. Der Trend geht so oder so dahin, dass insgesamt mehr Schüler das Abitur machen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden etwa 1,5 Prozent weniger Verträge unterschrieben. Das ist kein schlechtes Ergebnis.“

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