Dienstag schlägt für Takeda die Stunde der Wahrheit

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Was erst am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung den rund 140 Mitarbeitern der Aachener Takeda-Zentrale offiziell mitgeteilt werden soll, steht mit höchster Wahrscheinlichkeit bereits Dienstag fest.

Der Standort steht danach vor dem Aus - wohl als Folge der Übernahme des Schweizer Konzerns Nycomed. Der Arzneimittelhersteller war, wie berichtet, für rund 9,6 Milliarden Euro von dem japanischen Branchenriesen Takeda geschluckt worden - obwohl Nycomed in Deutschland stärker ist.

„Wir haben aktuell größte Befürchtungen, dass der Standort Aachen geschlossen wird”, bestätigte der Takeda-Betriebsratsvorsitzende Manfred Lock am Montag auf Anfrage unserer Zeitung. Die Anzeichen hätten sich stark verdichtet, bedauerte er. Der Sprecher des Unternehmens, Erik Boßems, erklärte, die Geschäftsleitung wolle Mittwoch die Belegschaft über ihre Entscheidungen in Kenntnis setzen. „Wenn sie mich in der vergangenen Woche nach einem Ergebnis gefragt hätten”, erklärte Boßems Montag, „hätte ich gesagt, dass wir uns noch in der Abwägungsphase befinden.” Das könne er heute nicht mehr sagen.

Der Betriebsratsvorsitzende erinnerte gegenüber unserer Zeitung ausdrücklich an die Philosophie des Takeda-Chefs. Danach gründe die seit 1781 bestehende Firma auf Tugenden wie Integrität, Fairness und Ehrlichkeit. Das fordere die Belegschaft jetzt ein. Die seit 1981 bestehende deutsche Abteilung des Pharmariesen aus dem japanischen Osaka sei schließlich nach wie vor ein gewinnträchtiges Unternehmen, meinte Lock und kündigte bei einer möglichen Schließung des Standorts Aachen Maßnahmen an. Man wolle das nicht so einfach hinnehmen.

Die momentan prekäre Lage der Aachener wie der Konstanzer Niederlassung von Nycomed/Takeda ist Folge des Unternehmensaufkaufs. Die „geschluckte” Firma Nycomed ist mit 2800 Mitarbeitern an vier Standorten (Konstanz, Hamburg, Singen, Oranienburg) ein „komplettes” Unternehmen, das selbst erst vor vier Jahren den deutschen Hersteller Altana für 4,5 Milliarden Euro übernommen hatte.

Der deutschlandweite Firmensprecher von Nycomed/Taceda, Jürgen Schneider, hat laut Berichten des Konstanzer „Südkurier” mehrfach erklärt, Deutschland sei nach der Konzern-Fusion das „Land mit den meisten Überschneidungen und Doppelstrukturen”. In Konstanz stehen rund 700 von 877 Arbeitsplätzen im Bereich Forschung und Vertrieb auf der Kippe. Auch dort gibt es am Mittwoch übrigens eine Betriebsversammlung.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert