Aachen - Die größte Herausforderung des Handwerks bleibt der Nachwuchs

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Die größte Herausforderung des Handwerks bleibt der Nachwuchs

Von: Ines Kubat
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Aachen. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp holt sich gern die Handwerker ins Haus: In den kommenden Wochen schuften Lehrlinge und Meister im Akkord, um den Krönungssaal für die Karlspreis-Verleihung und dann für die Ausstellungen zum Karlsjahr herzurichten.

Doch am Mittwochmorgen erschienen die regionalen Handwerksvertreter im Rathaus im feinen Zwirn – statt mit Säge oder Hammer ausgestattet. Denn die Handwerkskammer Aachen hatte zur Frühjahrsvollversammlung geladen – um Bilanz zu ziehen und die Zukunft in der Region in den Blick zu nehmen.

Die Situation: Dieter Philipp, Präsident der Handwerkskammer, bestätigte den deutschlandweiten Trend: „Es läuft so rund wie lange nicht“. Das zeigen auch die Zahlen der Frühjahrs-Umfrage: 87 Prozent aller regionalen Handwerksbetriebe geben eine gute bis befriedigende Geschäftslage an. Der Höhenflug – so Philipp – begründe sich vor allem im milden Winter. Der habe besonders den „Bau- und Ausbaugewerben in die Karten gespielt“. Allerdings bräuchten Handwerksbetriebe weiterhin „starke Kommunen“, die den Betrieben mit Steuersätzen, Gebühren und guten Standortbedingungen entgegenkommen. Deutlich mahnte er, dass die kommunalen Verwaltungen keine Tätigkeiten selbst ausführen sollten, mit denen sie auch Privatunternehmen beauftragen könnten. Das schade der regionalen Wirtschaft.

Die Probleme: So rosig die derzeitige Wirtschaftslage aussieht, täusche sie doch nicht über bestehende Probleme hinweg, gesteht Philipp. Das drängendste Problem sei noch immer der Fachkräftemangel: Denn obwohl derzeit rund 370 freie Lehrstellen in der Region ausgeschrieben seien, hätten einige Betriebe die Suche mittlerweile aufgegeben. Der Grund: ein Mangel an Bewerbern – an geeigneten Bewerbern. In diesem Zusammenhang blicke die Handwerkskammer mit Sorge auf mögliche Reformen, wie das Renteneinstiegsalter mit 63 oder den Mindestlohn: Sie fürchten, frühzeitig qualifizierte Kräfte zu verlieren beziehungsweise keine Azubis zu gewinnen.

Die Herausforderung: Fortschrittlich und offen – das waren Worte, die Philipp wiederholt betonte, und sie den Handwerksbetrieben als feste Attribute ans Herz legte. Denn man müsse in Zukunft das „klischeebehaftete Bild“ des Handwerks ändern. Das sei weder verstaubt noch zu sehr in der Tradition verwurzelt. Doch: Qualität in der Arbeit allein reiche nicht aus, um zukunftsfähig zu werden. Die größte Herausforderung bleibe die Suche nach Nachwuchs. Dazu müsse man werben, informieren, und präsent sein – aber auch den Arbeitsplatz attraktiver machen. Zum Beispiel durch das Angebot von Auslandsaufenthalten und Weiterbildungen aber auch durch bessere Möglichkeiten, Familie und Beruf zu vereinen.

Die Perspektive: Sich verändern und fortschrittlich sein – das wolle das Handwerk. Aber wie? Dazu referierte Professor Frank Thomas Piller, der sich an der RWTH Aachen mit Innovationsmanagement beschäftigt. Innovativ denken und gleichzeitig wirtschaftlich agieren, das sei im betrieblichen Alltag aber schwer zu vereinen. Allerdings stellte Piller neue Trends im Innovationsprozess vor, die sich relativ leicht auch in der Handwerkskammer implementieren lassen könnten: Viele große Firmen nutzen bereits Internetplattformen, um Bürger am Entwicklungsprozess neuer Ideen zu beteiligen und von deren Know-how zu profitieren. „Ein interessanter Input“, fand auch Hans Peter Wollseifer, neuer Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Nun müssten die Handwerksbetriebe „kreativ und offen sein“, um dem Trend mit eigenen Ansätzen zu begegnen.

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