Die Elsa-Vergangenheit spielt kaum noch eine Rolle

Von: Christina Merkelbach
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Lancom-Chef Ralf Koenzen mit d
Lancom-Chef Ralf Koenzen mit dem Lancom-Router, dem Erfolgsprodukt seines Unternehmens. Foto: Andreas Herrmann

Würselen. Dass bayerische Gurkenfelder, die Öresundbrücke zwischen Schweden und Dänemark und der Lebensmittelriese Rewe etwas gemeinsam haben, würde wohl niemand ohne weiteres vermuten. Aber: Bei allen läuft der Betrieb über Technologien von Lancom Systems in Würselen.

Dort knallen in diesen Tagen die Sektkorken, um das zehnjährige Bestehen zu feiern. Seit 2002 entwickelt und vertreibt das Unternehmen maßgeschneiderte Kommunikationslösungen. Schwerpunkte sind Standortvernetzung und drahtloser Internetzugang, sogenanntes WLAN. „Darauf werden wir uns auch weiterhin konzentrieren, die Möglichkeiten sind riesig”, sagt Ralf Koenzen, Lancom-Gründer und Geschäftsführer.

Gut 120.000 Produkte verkauft das Unternehmen pro Jahr. Auf dem deutschen Markt verteidigt es schon seit einigen Jahren einen stabilen zweiten Platz, jüngst mit einem Anteil von 15 Prozent. Marktführer ist der US-Konkurrent Ciscon.

„Lancom ist eine Erfolgsgeschichte der Region. Durch die frühzeitige Konzentration auf die drahtlosen Netzwerke hat sich das Unternehmen eine gute Marktposition erarbeitet”, sagt Jürgen Drewes, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen. Basis sei das Know-how der Ingenieure gepaart mit intelligenter, arbeitsteiliger Produktion sowie die strategische Positionierung auf den wichtigsten Märkten in Europa.

Der Rückblick auf das erste Jahrzehnt ist für Lancom auch einer darauf, wie alles begann. Dabei kommt die Sprache zwangsläufig auf die untergegangene Elsa AG, die ihren Sitz in der Aachener Soers hatte. Ende April 2002 meldete die einstige IT-Größe mit 430 Mitarbeitern Insolvenz an. Ralf Koenzen, bis dahin Leiter für den Geschäftsbereich Kommunikationssysteme, übernahm seine Abteilung per Management-Buy-out und ging wenige Tage nach der Elsa-Insolvenz mit Lancom Systems an den Start. Gründungsteam waren 26 Mitarbeiter aus Koenzens Abteilung. Auf ähnlichem Weg entstand auch die Aachener Devolo AG, die die Elsa-Sparte Datenkommunikation für Endverbraucher weiterführt.

„Die Anfänge waren spannend”, sagt Ralf Koenzen. „Einerseits haben wir gehofft, dass es mit Elsa weitergeht. Andererseits haben wir auch schon einen nahtlosen Übergang für unseren Bereich in ein eigenes Unternehmen vorbereitet.” Kontinuität beweisen, Verlässlichkeit zeigen, das sei dringend nötig gewesen. Die Kunden, die man von Elsa übernahm, sollten weiterhin so schnell und zuverlässig wie gewohnt bedient werden. Ihr Vertrauen durfte man auf keinen Fall verspielen.

In den ersten Jahren, sagt Koenzen, sei die Verbindung zu Elsa noch ein großes Thema für Lancom gewesen. Das Unternehmen, Hersteller von Hard- und Software, war international bekannt. Kunden schätzten den guten Ruf der Produkte und musste nicht erst noch davon überzeugt werden. Anders sah das bei den Geldgebern aus. Mehrere Banken hatten Elsa die Kredite gekündigt, was schließlich in die Insolvenz führte.

„Insofern hatte Elsa schon ein wenig verbrannte Erde in der Region hinterlassen.” Weil das Geschäft für Lancom gut anlief, sei das Vertrauen bei den Banken aber recht schnell gewachsen. Die Vergangenheit habe finanziell schon bald keine Rolle mehr gespielt. In der IT-Branche beobachte er, dass der Bekanntheitsgrad von Elsa sinkt. „Die nächste Generation von Managern rückt nach, und der sagt das Unternehmen nichts mehr.”

Auch bei den Lancom-Mitarbeitern ist Elsa kaum noch Thema. „Als ich vor viereinhalb Jahren bei Lancom angefangen habe, wurde schon noch mehr über Elsa geredet als heute”, sagt Pamela Krosta-Hartl, Referentin der Geschäftsführung und Leiterin strategischer Projekte. Vom 26-köpfigen Gründungsteam sind heute noch 23 Personen an Bord, hinzu kommen fünf ehemalige Mitarbeiter aus der Soers, die später dazugestoßen sind. „Im April haben wir erst wieder einen früheren Kollegen eingestellt, der über Umwege zu uns gefunden hat.” Insgesamt hat Lancom 150 Beschäftigte, alleine in diesem Jahr will das Unternehmen noch einmal zehn bis 15 neue Arbeitsplätze schaffen.

Was noch an die Anfänge erinnert sind einige der Räume: Schon für Elsa arbeitete Ralf Koenzens Abteilung in Würselen. Nach dem Neustart blieb das Team direkt dort. Mit mehr Mitarbeitern kamen natürlich auch mehr Büros: Aus den anfänglich 500 Quadratmetern sind innerhalb von zehn Jahren 3500 Quadratmeter geworden.
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