Der Pianist Martin Stadtfeld beim Saisonstart der Meisterkonzerte

Von: Thomas Beaujean
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An ihm scheiden sich die Geister: Pianist Martin Stadtfeld. Foto: dpa

Aachen. Es fällt schwer, sich für das Klavierspiel von Martin Stadtfeld zu erwärmen. Allzu kühl, allzu kalkuliert und dabei eigenwillig sind Interpretationen und Programmgestaltung. Das wurde wieder einmal offenbar bei dem neuerlichen Auftritt des jungen und smarten Pianisten in der Reihe der Aachener Meisterkonzerte, die damit ihre Saisoneröffnung erlebte.

Wenn die vielen leeren Stühle im Eurogress repräsentativ für den Publikumszuspruch der abgespeckten Serie sein sollten, dann verheißt das nichts Gutes für ihren Fortbestand.

Stadtfeld begann mit Felix Mendelssohn-Bartholdys „Variations sérieuses“ in einer beinahe ruppigen, wenig klangschönen Wiedergabe, die auf extreme Tempokontraste setzte, Mittelstimmen extrem hervorhob zuungunsten der melodischen Hauptstimme. Das klang sehr gewollt und willkürlich. Ausgesprochen schönes und feinsinniges Spiel demonstrierte er bei Sergej Rachmaninoffs pianistisch äußerst reizvoller Bearbeitung für Klavier von drei Sätzen aus der Partita E-Dur für Violine solo von Johann Sebastian Bach.

Sehr unterschiedlich gelangen Robert Schumanns selten im Konzertsaal zu hörende Waldszenen op. 82, die Stadtfeld teilweise sehr poetisch, teilweise aber in den ruhigeren Sätzen sehr zerdehnt präsentierte. Zu einer Demonstration feinster Farbvaleurs geriet „Der Vogel als Prophet“. Hier konnte Stadtfeld demonstrieren, welche Palette an Nuancen ihm zur Verfügung steht.

Der zweite Konzertteil brachte Frédéric Chopins zwölf Etudes op. 10, durchsetzt mit sechs Präludien aus Bachs Wohltemperiertem Klaviers. Das könnte reizvoll sein, wenn Stadtfeld die stilistischen Unterschiede genauer herausarbeiten würde. Mal abgesehen von der Frage, ob die Präludien ohne ihre Fugen-Pendants nicht kastriert sind: Wenn Bach wie Chopin klingt und Chopin wie Bach, dann wird die Sinnhaftigkeit einer solchen Programmgestaltung in Frage gestellt. Stadtfelds Chopin-Spiel ist zweifellos virtuos, aber wenig brillant.

Alles klingt weich und ein wenig konturenlos, vor allem im Diskant. In dieses Interpretationsmuster bezieht er Bachs Präludien mit ein, mit einer Ausnahme: Das Präludium Es-Dur BWV 876 erhält jene klare Struktur, die seinem polyphonen Verlauf angemessen ist.

Klanglich rabiat zeigte sich Stadtfeld bei der ersten Zugabe: Sergej Prokoffieffs Toccata, deren Ostinati er die nötige Härte des Anschlags verlieh. Dagegen war die Klavierfassung von Bachs Air aus der D-Dur-Orchestersuite wieder äußerst geschmäcklerisch. Stadtfelds Kunst steckt voller Widersprüche.

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