Aachen - Der „e.Go Mover“ soll bald vollautomatisch in Aachen unterwegs sein

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Der „e.Go Mover“ soll bald vollautomatisch in Aachen unterwegs sein

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Forscht an der Weiterentwicklung der Automobilindustrie: Professor Günther Schuh. Foto: MCD/Jaspers
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Der „e.Go Mover“ soll bald vollautomatisch und ohne Fahrer in Aachen unterwegs sein. Besonders im Fokus steht die Sicherheit. Foto: Jaspers

Aachen. Das noch junge Unternehmen der in Aachen ansässigen e.GO Mobile AG hat es sich zum Ziel gemacht, den öffentlichen Stadtverkehr zu revolutionieren. Das praktische Konzept hinter diesem Ziel lautet „e.GO Mover“, „ein Kleinbus mit der Grundfläche eines Pkw“, sagt Professor Günther Schuh, Vorstandsvorsitzender der e.GO Mobile AG.

Der CEO und ebenfalls Mitgründer der „StreetScooter GmbH“ sieht sich als verantwortlicher Forscher für die Weiterentwicklung der Automobilindustrie. Schuh beschreibt das Projekt des Mover als neue Innovation, welche nur dann möglich sei, wenn man sich traue, eine Art „Pace-Maker“ in seinem Segment zu sein.

Die e.GO Mobile AG will nicht mit dem klassischen Segment des öffentlichen Nahverkehrs und deren Linienbussen konkurrieren, sondern einen neuen Bereich in dieser Branche bedienen. Über allen Chancen, die dieses Projekt mit sich bringt, steht der Aspekt der Sicherheit. Das vollautonome Fahren sei, so Schuh, nur dann wirklich zu unterstützen, wenn diese Fahrzeuge viel sicherer auf den Straßen unterwegs seien, als ein sehr guter Autofahrer es jemals sein könne. Das könne eine Reduktion um 90 Prozent aller Verkehrstoten jährlich in Deutschland mit sich bringen, sagt Schuh.

Der „e.GO Mover“ setzt dieses Sicherheitskonzept mit fünf Sensoren um. Unter anderem erfasst er seine Umgebung mit einer Kamera, einem Radar und einem Laser, Parksensor und GPS-Signal. „Dieses Multisensoring wird dann zusammengerechnet zu einem Bild“, erklärt Schuh. Während beim Menschen die Sinne in manchen Situationen an ihre Grenzen stießen, reagierten beim Mover zum Beispiel bei schlechter Sicht trotzdem noch alle weiteren Sensoren. „Damit wird ein Bild geschaffen, welches bei jeder Wetterlage ein absolut sicheres Erkennungsbild erzeugt“, sagt Günther Schuh. Dieser gesamte Prozess lasse den Mover im Vergleich zum Menschen kein einziges Risiko eingehen.

Das Idealkonzept für den autonomen innerstädtischen Verkehrsbetrieb sei das der U-Bahnen, sagt Schuh. Ein „Point-to-Point-Angebot“, wie es im Taxiverkehr üblich ist, wäre aus finanzieller Sicht undenkbar. Der Kleinbus fährt wie ein Shuttleservice Sammelstellen an, an denen die Personen zu- und aussteigen können. Zudem unterstützt eine App den Fahrgast bei der Planung der Anschlussroute.

Schnell und gebündelt

Die App kann ebenfalls den Fitness-Zustand der einzelnen Fahrgäste einstufen, um so ideal optimierte Vorschläge für den nächsten Einstiegspunkt zu liefern. „Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht nur eine schnelle Transportmöglichkeit schaffen, sondern Verkehrssysteme bündeln“, sagt der CEO.

In manchen Distrikten können jedoch größere Kapazitäten nötig sein, als eine bestimmte Anzahl an Kleinbussen bewältigen könnte. Hier stehe jedoch weiterhin die Handlichkeit des Mover im Vordergrund. Lösen wolle man dieses Problem mit dem sogenannten „Platooning“. „Das Leitfahrzeug gibt den Kurs vor und ein zweiter oder sogar dritter Bus hängt im ganz kurzen Abstand elektronisch gekoppelt hinten dran“, beschreibt Günther Schuh den Lösungsansatz.

Der in Düren lebende Fahrlehrer Michael Jankowski hat eine etwas kritischere Einstellung zu diesem Thema. „Grundsätzlich ist das autonome Fahren sehr zielführend, dazu muss man sich natürlich die Frage stellen, wie das Ganze rechtlich zu beleuchten ist“, sagt Michael Jankowski. Teilautonomes Fahren mit Hilfe von Assistenzsystemen ist in Deutschland bereits weit verbreitet. Man solle jedoch weiterhin den Schwerpunkt auf unterstützende und nicht selbst agierende Assistenzsysteme legen. Vollautonomes Fahren sei auch von anderen Faktoren abhängig als nur von der Technisierung des Fahrzeugs, beispielsweise einer korrekten Ampelfunktionalität, erläutert Jankowski seinen Standpunkt.

Als Beispiel für ein gut funktionierendes und mittlerweile auch gesetzlich vorgeschriebenes Assistenzsystem nennt er das Notbremssystem für Lastwagen. „Leute sind durch langes, monotones Fahren abgelenkt und bekommen dadurch das Stauende nicht mit“, so der Fahrlehrer.

Jedoch sind auch die Grenzen der Assistenzsysteme klar erkennbar. Im Hinblick auf die Weiterentwicklung des sowohl voll- als auch teilautonomen Fahrens sind für schwierige moralische Fragen rechtliche Grundlagen zu schaffen. „Auf der einen Seite geht eine alte Dame über die Straße, der Assistent weicht aus und auf der rechten Seite kommt ein Kind. Das ist natürlich eine moralische Frage, inwieweit das Assistenzsystem eingreifen oder steuern kann. Diese Frage ist abschließend nicht geklärt“, so Jankowski. Der Mensch solle auch weiterhin in puncto Pkw in letzter Instanz die Hoheit über Computer und so weiter behalten, ergänzt Jankowski.

Drittes Werk soll schnell kommen

Das Unternehmen der e.GO Mobile AG wächst mit großer Geschwindigkeit. So soll neben den anderen Produkten auch der „e.GO Mover“ in Aachen produziert werden. Günther Schuh sagt, er hoffe auf eine Baugenehmigung in „chinesischer Geschwindigkeit“, um das dritte Werk ebenso so schnell errichten zu können, wie es bei den beiden vorherigen der Fall war.

Eine klare Chance bietet sich dabei für Aachen im Hinblick auf die erste Pilotstadt mit einem solchen Konzept des neuen öffentlichen Nahverkehrs. „Um in Deutschland einen Durchbruch zu erzielen, brauchen wir fast für jeden Bürger in seiner Nähe eine Stadt, die das ausprobiert“, so Günther Schuh. Die Bewerberliste sei lang, und man werde in 20 Städten solche Versuchsbetriebe aufbauen, unter anderem auch in Friedrichshafen, beschreibt Günther Schuh die Zukunft des Unternehmens.

 

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