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Damit Leichtbau mehr Gewicht gewinnt

Von: Thorsten Karbach
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Dieses Thema lässt ihn nicht mehr los: Der Würselener Rudolf Kleinholz ist im Vorstand der Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe und hält die Zukunft in Händen. Carbonfaserverstärkte Kunststoffe sind auf dem Vormarsch, nicht nur bei seinem Wanderstock.

Aachen. Dieser Mann gibt dem Leichtbau mehr Gewicht. Während in Düsseldorf die Kunststoffmesse „K 2013“ läuft, betont Rudolf Kleinholz aus Würselen, dass insbesondere carbonfaserverstärkte (kohlstofffaserverstärkte) Kunststoffe (CFK) zunehmend für alle Welt interessant sein werden, auch wenn sie 2013 mit 74.000 Tonnen nur einen Bruchteil am Kunststoffmarkt ausmachten. Weltweit wurden 280 Millionen Tonnen produziert.

Doch als Vorstand der Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe (AVK) weiß er, was die Zukunft verlangt. Und dass die Nachfrage steigt: 2012 wurden nur 65.000 Tonnen gezählt.

Die CFK-Eigenschaften sind eindeutig: stabiler als glasfaserverstärkte Kunststoffe, deutlich leichter als Stahl. Der Kubikzentimeter wiegt 1,85 Gramm, bei Stahl sind es 7,85 Gramm. Deswegen kommen diese Kunststoffe vor allem in der Luft- und Raumfahrt, in der Windkraft, aber auch in Sport und Freizeit, beispielsweise bei Tennisschlägern, zum Einsatz.

CFK steht für Leichtbau, und der nicht nur für Rudolf Kleinholz, der 1971 am Institut für Kunststoffverarbeitung an der RWTH promovierte, für die Zukunft. Das hat Kleinholz‘ Verband jüngst dokumentiert, und bei der AVK-Tagung in Stuttgart Innovationspreise verliehen.

Kleiner Roboter

Die ausgezeichneten Bewerber dokumentieren sehr gut, wie die Zukunft in der Kunststoffverarbeitung aussieht. Der erste Preis in der Kategorie „Innovative Produkte beziehungsweise Anwendungen“ ging an Volkswagen. VW hat eine CFK-Dachglocke für die Großserie entwickelt und erfolgreich beim Golf 7 getestet.

Das Gewicht von Dachglocken für ein Auto kann so um 73 Prozent reduziert werden, was viel Energie spart. Und statt einer großen Maschine kann ein deutlich kleinerer Roboter eingesetzt werden. In der Kategorie „Innovative Prozesse beziehungsweise Verfahren“ wurde BMW ausgezeichnet – für den großflächigen Einsatz von CFK in der Serienfertigung des BMW i3, insbesondere bei der Fahrgastzelle. „Das ist so bislang einmalig in der Fahrzeugindustrie“, freut sich Kleinholz.

Unter den ausgezeichneten Bewerbern – immerhin 59 Einreichungen gab es – ist auch das Institut für Kunststoffverarbeitung der RWTH. Für ein sogenanntes Organoblech, einem Produkt, das bei Erwärmung wie ein normales Blech geformt werden kann, gab es Platz 2 hinter dem Lehrstuhl für Kunststofftechnik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

„Wir wollen das Image der verstärkten Kunststoffe noch weiter ausbauen. Noch denken zu viele Leute in Stahl“, sagt Kleinholz, der die Entwicklung des Kunststoffs in führenden Funktionen bei Vetrotex Saint Gobain in Herzogenrath und bei Johnson Controls in Burscheid verfolgte. Seit 2005 ist er in Ruhestand. „Das Thema lässt mich aber nicht mehr los“, sagt der AVK-Mann, der auch Organisator der jährlichen Tagung (dem Verband sind 220 Unternehmen angeschlossen) ist und zur Jury des Innovationspreises zählt.

Und buchstäblich lässt er das Thema nicht so schnell los: Sein Wanderstock ist aus carbonfaserverstärktem Kunststoff.

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