alemannia logo frei Teaser Freisteller

Damit Europa nicht abhängig von Russlands Gas bleibt

Von: ik
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Warmes Wasser muss fließen und aus der Steckdose soll immer Strom kommen – sowohl in privaten Haushalten als auch der Industrie: „Versorgungssicherheit“ steht auf Günther Oettingers Agenda ganz weit oben.

Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident ist in der EU-Kommission für das Thema „Energie“ zuständig. Welche Strategie er dabei verfolgt, skizzierte er bei seinem Vortrag im Karlspreisrahmenprogramm in der Aachener Mercedes-Benz Niederlassung.

Die EU stehe energiepolitisch vor großen Herausforderungen, sagte Oettinger. Besonders kritisch sei die „gefährliche Strompreisentwicklung“, die die Europäer im Geldbeutel zu spüren bekämen: Für die kommenden Jahre rechne er damit, dass die Stromkosten noch einmal um fünf bis sieben Prozent steigen. Besonders betroffene Industrie könnte in günstigere Länder abwandern.

Die Energieabhängigkeit Europas sieht er ebenso problematisch: Besonders markant ist diese bei den Gaslieferungen, die zum Großteil von Gazprom aus Russland stammen. Nicht nur die monopolartige Stellung des Großunternehmens, sondern auch die politisch-bedingte Preisbildung der Russen sei bedenklich. Oettinger verwies auf die Ukraine-Krise: Seit Verschärfung des Konflikts habe der Kreml den Preis für Gas stark angehoben und missbrauche damit diese Energiequelle als „Waffe der Politik“.

Wie aber kann Europa energieunabhängiger werden? Zunächst müsse es sich weitere Handelspartner suchen – im Fall der Gasversorgung könne man sich unter anderem in Richtung Algerien orientieren. Ein anderes Standbein für mehr Autonomie solle der europäische Binnenmarkt werden, forderte Oettinger und machte dies am Beispiel der deutschen Energiewende deutlich. Wind und Sonne seien wetterabhängig und nicht immer abrufbar – vor allem, weil sie bisher nicht speicherbar seien. Wenn aber in Deutschland auf Kohle und Atomkraft verzichtet werde, dann sei guter Rat teuer. Ein starker Binnenmarkt könne Abhilfe schaffen, indem bei Bedarf Notfallstrom aus anderen europäischen Staaten eingespeist würde.

Außerdem sollte die EU nach eigenen Energie-Reserven suchen, statt nur zu importieren, forderte Oettinger und spielte auf „Fracking“ an. Das Gasförderverfahren ist aus Umweltgründen höchst umstritten. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Oettinger in seinem Vortrag lieber von „Schiefergasförderung“ sprach.

Denn einen Mangel an umweltpolitischem Engagement soll der Kommission nicht nachgesagt werden. Im Juni kommt die Neuauflage der „20-20-20“ Ziele, einer gemeinsamen Vereinbarung der europäischen Staaten im Kampf gegen den Klimawandel: CO2 um ein Fünftel senken, 20 Prozent erneuerbare Energien integrieren und die Energieeffizienz um ein Fünftel steigern – das sind die Visionen bis zum Jahr 2020. Diese soll weiterhin verfolgt werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert