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Chancengleichheit: Wenn Mama zurück in den Beruf möchte

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:
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Infos über Wiedereinstieg, zum Beispiel nach der Familienphase: Seit kurzem bietet das Familienministerium Nordrhein-Westfalen dazu ein umfassendes Internetportal an. Foto: Stock/Imagebroker

Aachen. Wenn die Zweifel kommen, zitiert Andrea Hilger gerne einen Sir. „Bescheidenheit ist die ungesündeste Form der Selbstbewertung”, sagt sie und verwendet damit die Worte des Schauspielers Sir Peter Ustinov.

In ihren Veranstaltungen für Berufsrückkehrerinnen begegnet die Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit Aachen öfters mal Zweiflerinnen. Kann ich das schaffen? Gibt es die Stelle, die ich mir vorstelle?

Ein großer Teil der Frauen, die nach der Familienphase wieder in den Beruf einsteigen wollen, möchte nämlich auch weiterhin Zeit für seine Kinder haben und deshalb keine volle Stelle mehr besetzen. „Leider übersteigt der Bedarf an Teilzeitstellen den der Angebote”, sagt Hilger. Im November 2008 waren bei der Agentur für Arbeit Aachen 4830 Frauen gemeldet, die eine Teilzeitbeschäftigung suchen. Darunter waren 784 Frauen, die nach einer Familienphase in den Beruf zurückkehren möchten.

Davon dürfe man sich aber nicht beirren lassen, sagt Andrea Hilger. „In meiner Veranstaltung stelle ich Möglichkeiten vor, an die die Besucherinnen im ersten Moment oft gar nicht gedacht haben.” Wichtig sei, sich ausreichend zu informieren.

Das sieht das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration genau so. Deshalb hat es eine Internetplattform eingerichtet, auf der alle Fragen rund um den beruflichen Wiedereinstieg beantwortet werden (Adresse siehe unten). Seit kurzem ist es freigeschaltet. Andrea Hilger gehört zu dem Team, das online Fragen der Berufsrückkehrerinnen schnell und unkompliziert beantwortet. Sie weiß nicht nur, welche Hilfen und Möglichkeiten die Agentur für Arbeit denen anbietet, die nach einer Familienphase zurück ins Berufsleben wollen. Selbst hat sie eine zehnjährige Tochter. „Auch wenn meine Elternzeit nicht so lange gedauert hat, kann ich mich gut in die Mütter reinversetzen, die nach mehreren Jahren wieder ins Berufsleben einsteigen wollen”, sagt sie.

Das spüren die Teilnehmerinnen des Workshops „Wiedereinstieg nach der Familienphase” und fühlen sich bei Andrea Hilger entsprechend gut aufgehoben. Beate Strösser etwa, 40 Jahre alt und vierfache Mutter. Nach acht Jahren möchte sie mit einer Teilzeitstelle wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen. „Mir hat der Workshop eine Menge Mut gemacht”, sagt sie. Vom ersten Moment an habe sich Andrea Hilgers Elan auf sie übertragen. Ein Elan, der nicht nur dem Thema, sondern jeder einzelnen Teilnehmerin gegolten habe.

„Wir waren eine sehr gemischte Gruppe, das Spektrum reichte von der Hartz-IV-Empfängerin bis zur Frau, die finanziell unabhängig und deshalb auf der Suche nach einer ehrenamtlichen Beschäftigung war”, sagt die 40-jährige Wirtschaftsgeographin. Durch die gute Beratung und die vielen Anregungen hat sie eine Stelle gefunden, die perfekt für sie wäre - die Bewerbung läuft gerade. „Ganz wichtig ist bei der Suche, den unterschiedlichsten Personen zu erzählen, das man auf der Suche nach einer Stelle ist”, sagt sie. Wie wichtig es ist, Augen und Ohren offen zu halten, macht Andrea Hilger den Wiedereinsteigerinnen im Workshop klar. „Ein enormer Teil der Chancen ergibt sich über Beziehungen.”

Häufig trifft Andrea Hilger Teilnehmerinnen, die kleinlaut fragen, was sie denn schon in der Familienphase gemacht hätten, das für einen Arbeitgeber interessant sein könnte. „Diese Frage taucht auch ganz unabhängig vom Grad der Ausbildung auf.” Neulich erst sei sie das von einer Ärztin gefragt worden, die aus der Elternzeit zurückgekehrt ist. Es sind Themen wie diese, die Andrea Hilger nur noch mehr anspornen. Denn auch das gehört zu den Inhalten ihres Workshops: Müttern erklären, wie sehr sie durch ihre Familienaufgabe sogenannte „soft skills” erwerben. Organisieren, strukturieren, koordinieren und vor allem, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. „Jede Frau, die den Familienalltag managt, ist ein Gewinn für ein Unternehmen”, sagt Hilger. Deshalb unterstützt sie zusammen mit dem Arbeitgeberservice der Agentur auch gerne Unternehmen, eine familienfreundlichere Pesonalpolitik umzusetzen.

Termine für 2009

Für 2009 sind 20 Veranstaltungen zum Wiedereinstieg in den Beruf nach der Familienphase geplant. Die nächsten beiden finden an folgenden Terminen statt: Mittwoch, 4.Februar, in Aachen und am Dienstag, 17. Februar, in Erkelenz, jeweils von 9 bis 12 Uhr.

Um Anmeldung bei Andrea Hilger wird gebeten per E-Mail: Aachen.BCA@arbeitsagentur.de oder telefonisch im BIZ 0241/897-1104. Wer teilnehmen möchte, muss bei der Agentur für Arbeit Aachen arbeitssuchend gemeldet sein. Nach einem Gespräch mit der zuständigen Vermittlungsfachkraft gibt es eine Einladung. Zur Vorbereitung händigt die Vermittlungsfachkraft außerdem regionale und überregionale Informationen aus.
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