Düsseldorf - Autohäuser in NRW stehen vor schwierigem Jahr

Autohäuser in NRW stehen vor schwierigem Jahr

Von: Michael Bosse, ddp
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Düsseldorf. In der nordrhein-westfälischen Automobilbranche herrscht derzeit Katerstimmung.

Hinter vorgehaltener Hand sprechen die Verantwortlichen von einer „Katastrophe”, viele Autohäuser wollen sich auf Anfrage zu der aktuellen Wirtschaftsentwicklung gar nicht erst äußern. Grund für die schlechte Entwicklung sind das Auslaufen der Abwrackprämie und der lange Winter in diesem Jahr.

„Wir stehen vor einem sehr schwierigen Jahr. Wir erwarten einen Verdrängungswettbewerb in der Branche”, sagt der Solinger Automobilunternehmer und Präsident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes NRW, Ernst-Robert Nouvertné. Unternehmen, die nur über eine dünne oder gar keine Eigenkapitaldecke verfügten, seien von der Pleite bedroht. A

ufgrund der Abwrackprämie, die offiziell Umweltprämie hieß, seien im vergangenen Jahr bundesweit rund 1,4 Millionen neue Fahrzeuge in den Markt gelangt. „Darunter waren 400.000 bis 500.000 Fahrzeug, deren Kauf wegen der Abwrackprämie vorgezogen wurde”, erläutert Nouvertné, der in seinen beiden Autohäusern 125 Menschen beschäftigt. Deshalb gibt es derzeit auch kaum Privatkunden. Die Branche hofft nun darauf, dass aufgrund der auslaufenden Wirtschaftskrise wieder mehr Firmenfahrzeuge geleast werden. Beim Verkauf an Privatkunden sei allerdings ein „Tal der Tränen” zu erwarten, sagt Nouvertné.

Das belegen auch die aktuellen Zahlen der Branche: Im Januar 2010 wurde bei den Pkw-Neuzulassungen ein Rückgang von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnet. Bei den Besitzumschreibungen gab es ein Minus von 14 Prozent. Die Werkstattauslastung lag bei 78 Prozent - das waren zwei Punkte weniger als im Januar 2009.

„Im Januar ist das Geschäft allerdings traditionell ruhig”, sagt der Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, Ulrich Köster, in Bonn. Mit dem Frühjahr hoffe man auf „eine Belebung” des Markts. Derzeit gibt es in Deutschland rund 39.000 Autohäuser und freie Werkstätten. In NRW sind es 7000 Betriebe.

Auch der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht auf die Branche schwere Zeiten zukommen. Vor allem die Lage der Autohäuser sei „verheerend”. Von den bundesweit rund 16.000 Autohäusern dürfte ein Viertel dieses Jahr wirtschaftlich nicht überleben, vielen Betrieben drohe die Pleite oder/und die Übernahme durch ein anderes Unternehmen. Zudem würden finanzschwachen Unternehmen aufgrund der zu geringen Eigenkapitaldecke keine Kredite zur Verfügung gestellt. „Nach dem Ende der Abwrackprämie laufen jetzt viele Unternehmen blank. Jetzt beginnt die Marktauslese”, betont der Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen.

Allerdings warnt Branchenvertreter Nouvertné davor, das Jahr 2010 isoliert zum Vorjahr zu betrachten. „2009 war ein Ausnahmejahr wegen der Abwrackprämie. Für eine angemessene Betrachtung muss man dieses Jahr und 2009 zusammen nehmen und dann teilen. Dann ergibt sich ein vernünftiger Mittelwert”, sagt er.

Fakt sei allerdings auch, dass in Deutschland immer weniger Kraftfahrzeuge zugelassen würden. So gab es vor zehn Jahren rund vier Millionen Neufahrzeuge, in diesem Jahr rechnet die Branche mit etwa 2,7 Millionen. Angesichts dieser Entwicklung gebe es derzeit einfach zu viele Vertragshändler in Deutschland.
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