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Auf der Überholspur, auch in der Luftfahrt

Von: Thorsten Karbach
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Präzisionsarbeit: Cerobear-Gründer Jens Wemhöner. Foto: Michael Jaspers
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Titeljagd mit Technik aus Herzogenrath: Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel. Foto: Sport/HochZwei/

Herzogenrath. In der Formel 1 führt seit vielen Jahren kein Weg an Cerobear vorbei. Doch auf der Überholspur ist das Unternehmen mit Sitz in Herzogenrath-Kohlscheid nun in der Luftfahrttechnik angekommen. Der Hersteller von Keramikwälzlagern wird mit an Bord sein, wenn die Triebwerke der Zukunft Fahrt aufnehmen.

Wenn an diesem Wochenende die Formel 1 in Spa-Francochamps, also gerade einmal 70 Kilometer vom Schreibtisch von Cerobear-Gründer und -President Jens Wemhöner entfernt, ihre Runden dreht, dann sind „weitgehend alle Teams“ mit Cerobear-Lagern unterwegs. „Auch der Weltmeister“, sagt Wemhöner.

Umsatz soll verdoppelt werden

Die Erfolge im Motorsport – seit 1999 fuhren auch alle Le-Mans-Sieger, egal ob Audi oder Bentley, mit den Präzisionsprodukten – sorgten mit dafür, dass Cerobear weltweit Spitze ist. Doch langsam aber sicher werden die Rennwagen in Kohlscheid abgehängt – von Hubschraubern und neuen Flugzeugen. „In diesem Bereich sind die Umsätze gestiegen“, erklärt Wemhöner. Die Folge: Das Formel-1-Geschäft trägt, ohne rückläufig zu sein, nur noch etwa 20 Prozent zum Cerobear-Umsatz bei – zwischen 1999 und 2008 waren es noch 50 Prozent.

Der Umsatz liegt bei 15 Millionen Euro. Noch. „Unser Ziel ist es, ihn in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln“, sagt Wemhöner. Cerobear will mit dem Airbus 320neo und der Boing 737 MAX abheben. „Hier eröffnen sich uns große Möglichkeiten, die Luftfahrt ist ein starker Wachstumsmarkt“, erklärt Wemhöner.

Die große Frage, die alle Hersteller umtreibt: Wie lässt sich Treibstoff sparen? Bei Cerobear wird eine Antwort hergestellt: Keramik-Lager für die Triebwerke – leichter, langlebiger und zuverlässiger als Stahl. „Wir verdrängen konventionelle Stahlprodukte bei höherer Zuverlässigkeit“, sagt Wemhöner. So war es auch in der Formel 1. Keramik ist ein Werkstoff mit herausragenden Fähigkeiten, aber deswegen auch extrem diffizil zu verarbeiten. Das kann nicht jeder.

Die Triebwerke der neuen Boing- und Airbus-Maschinen von General Industries beziehungsweise Pratt & Whitney versprechen, mit 15 Prozent weniger Treibstoff auszukommen. In 20 bis 25 Jahren soll der Verbrauch um 50 Prozent reduziert werden. Daran arbeitet Cerobear mit. Tausende der beiden Typen sind bei Airbus und Boing bereits vorgestellt, ohne dass auch nur eine gebaut wurde. Rückenwind erfährt Cerobear darüber hinaus auf dem „Geschäftsfeld Hubschrauber“. Denn auch hier wachsen die Ansprüche der Hersteller. „Der Hubschrauber der Zukunft ist halb so schwer, verbraucht halb so viel Sprit und hat eine doppelt so große Reichweite“, erklärt Wemhöner. Und das beschert seinem Unternehmen, vor 20 Jahren als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie der RWTH Aachen gegründet, (doppelt) gute Aussichten. „Wir haben sehr viel aus der Formel 1 gelernt. Unsere Entwicklungen für Hubschrauber kommen aus der Formel-1-Getriebetechnik.“

Herzogenrath-Kohlscheid ist und bleibt der maßgebliche Standort von Cerobear – aktuell mit 110 Mitarbeitern. „Die Nähe zu den Hochschulen ist sinnvoll. Wir haben hier keinen Ingenieurmangel, finden die Leute, die wir suchen“, erklärt er. Viele der Mitarbeiter in Vertrieb und Fertigung haben in Aachen studiert. Und viele sind seit Jahren im Geschäft. „Wir sind stolz, was wir hier als Team vollbracht haben“, betont Wemhöner. Auch ein kleines Tal haben sie Ende 2008 in Kohlscheid durchschritten – und seitdem führt der Weg stetig aufwärts.

Konkret: Fast jede (Foto-)Speicherkarte der Welt wird mit Cerobear-Lagern hergestellt. In der Chemieindustrie und in der Vakuumtechnik ist die Cerobear GmbH gefragt. Lager werden in Maschinen zur Fensterbeschichtung verwendet, das Resultat – Scheiben, durch die keine Infrarotstrahlung gehen – wird auch im eigenen Neubau montiert. Im Mai 2000 hob ein Space Shuttle ab – in den Haupttriebwerken saßen Cerobear-Keramiklager und hielten allen Belastungen stand. 40 Satelliten (Globalstar) richten ihre Sonnensegel mit Cerobear aus. Die Raumsonde Bepi Colombo wird sich 2014 mit Cerobear-Lagern auf den Weg zum Merkur machen. „Wir haben Flugerfahrung im höchst kritischen Bereich“, erläutert Wemhöner. Und genau darauf bauen die Hersteller von Flugzeugen und Hubschraubern. Turbinen müssen sich schneller drehen, müssen heißer laufen. Und dennoch zuverlässig arbeiten. Heiß diskutiert wird auch das Thema Kabinenluft, wo vermieden werden soll, dass Öl in die Kabinenluft kommt. In den Ventilen sorgt Cerobear buchstäblich für frischen Wind.

Überall, ob in der Formel 1 oder in neuen Flugzeugen, geht es für Cerobear darum, bestehende Werkstoffe zu verdrängen und mit der eigenen Keramik zu ersetzen. „Wir brauchen keine wachsenden Märkte, wir verdrängen Stahl“, sagt Wemhöner. Dieser Werkstoff wird so zum alten Eisen.

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