Aachen - Auf dem „Auto-Olymp” in Aachen angekommen

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Auf dem „Auto-Olymp” in Aachen angekommen

Von: Berthold Strauch
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Setzt weltweit Trends: Profess
Setzt weltweit Trends: Professor Lutz Eckstein, hier auf einer Testanlage seines Instituts, die Erschütterungen bei Messprozessen verhindert. Foto: Berthold Strauch

Aachen. Schon bevor er sein Amt startete, musste Professor Lutz Eckstein Vollgas geben. Der Wechsel von Vorgänger Stefan Gies als Leiter der Pkw-Fahrwerksentwicklung bei Volkswagen kam überraschend - wie die Berufung Ecksteins an das Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH. Das IKA ist der „Olymp” der Automobilbranche, „weltweit führend” in Sachen Kraftfahrzeuge, weiß er.

Im Institut sind 300 Mitarbeiter tätig, darunter 100 Wissenschaftler. Am Samstag übernimmt Eckstein mit einem „Antrittskolloquium” offiziell die IKA-Leitung.

Die Hochachtung für die Arbeit seiner Vorgänger spürte Eckstein jüngst, als er Bundesforschungsministerin Annette Schavan nach China begleitete. „Ich bin überall mit offenen Armen und mit viel Ehrfurcht empfangen worden”, dankt er insbesondere seinem Aachener Vor-Vorgänger Henning Wallentowitz.

Eckstein war in China unterwegs, um mit anderen deutschen Technischen Hochschulen eine Kooperation in Sachen Elektromobilität auszuloten, wobei von der RWTH neben dem IKA weitere Institute beteiligt werden. „Stromer”, hierzulande mit öffentlichen Fördermitteln gepusht, seien auch in China „ein Riesenthema”.

Dort seien bereits 120 Millionen Elektroräder unterwegs. Somit sei die Sorge um einseitigen Technologietransfer von Deutschland nach China vermessen. „Die Chinesen sind sehr strategisch aufgestellt, investieren viel Geld in Forschung und Entwicklung. In der Batterietechnik und bei Brennstoffzellen forschen sie auf Augenhöhe.”

„Wir müssen die Chance nutzen, gemeinsam weiterzukommen”, bekräftigt der IKA-Chef - seine Philosophie, die er auch auf sein Institut bezieht. Die Herausforderungen „sind viel zu komplex, als dass sie von einem Institut allein bewältigt werden könnten: Hier müssen wir ganz, ganz dicke Bretter bohren!”

Stichwort interdisziplinär: Dafür gebe es in Aachen „sehr gute Ansätze, nennt Eckstein das im Bau befindliche „Zentrum für mobile Antriebe” (CMP), wo mehrere Institute gemeinsam forschen wollen. Und das Elektroauto „Street Scooter”: Auch hier sei die institutsübergreifende Forschungs- und Entwicklungs-Plattform entscheidender Aspekt für den Erfolg.

Dies gelte ebenfalls für das Automobil-Testzentrum in Aldenhoven, das mit finanzieller Unterstützung von Aachener Instituten aufgebaut und genutzt werde. Hier liegt der Fokus auf Anwendungslösungen für das neue satellitengestützte europäische Navigationssystem Galileo.

Aldenhoven spielt für Eckstein eine wichtige Rolle. Hier sollen Assistenzsysteme fürs Auto entwickelt werden, die Fortschritte in Sachen Verkehrssicherheit bringen sollen. Dabei geht es etwa um das Vermeiden von Auffahrunfällen am Stauende und Zusammenstöße im Gegenverkehr, wegen Unachtsamkeit eines Fahrers.

Es sei nicht das Ziel, „das Auto von außen zu bremsen”, sondern den Fahrer mit Informationen zu versorgen, um besser auf brenzlige Situationen zu reagieren. „Die Wiener Konvention soll weiter gültig bleiben, wonach nur der Fahrer ultimativ die Verantwortung tragen muss”, verweist er auf anderenfalls aufzuwerfende Garantie- und Haftungsfragen, wenn die Technik eingreifen sollte.

Apropos Elektromobilität: Lutz Eckstein nennt die Vorgabe von Bundeskanzlerin Angela Merkel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen, „ehrgeizig und ambitioniert. Es ist gut, dass es dieses Ziel gibt, weil es vor Augen führt, wie strategisch andere Länder an dieses Thema herangehen. Elektromobilität ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit”, unterstreicht er.

Denn wenn die deutsche Autoindustrie, die mehr als 1,4 Millionen Arbeitsplätze biete, „in 20 bis 30 Jahren noch eine Rolle spielen will, muss sie an dieses Thema ran, muss diese Technologie beherrschen können”. Laut Eckstein spielen bei der Elektrifizierung des Verkehrs auch „Plug-in-Hybride” eine wichtige Rolle: E-Mobile, die an normalen Steckdosen geladen und kürzere Strecken von etwa 50 Kilometer - im Stadtverkehr - rein mit Strom fahren können, für größere Entfernungen einen Verbrennungsmotor zuschalten können. Solche Systeme müssten klassenübergreifend verfügbar werden, „damit Elektromobilität keinen Schmerz bereitet” - etwa Nutzern teurer Modelle: „Auch er will ,grün’ bis in die City fahren, statt sein Auto am Stadtrand stehenlassen zu müssen”, sagt Eckstein.

Der IKA-Chef sieht auch für Verbrennungsmotoren noch lange eine wichtige Zukunft. Beim Spritverbrauch gebe es viel Luft nach unten. Wenn die konzipierten Sicherheitssysteme greifen, brauchten Autos nicht mehr eine Tonne zu wiegen, sondern nur noch 200 bis 300 Kilogramm. Damit sei der Benzindurst auf bis auf einen Liter pro 100 Kilometer zu senken.

Zudem könne die Zahl der Verkehrstoten deutlich reduziert werden. Deutschland zählte voriges Jahr 4160 Opfer im Straßenverkehr - zwar 7,2 Prozent weniger als 2008. Doch weltweit gab es im Vorjahr eine Million Verkehrstote - mit steigender Tendenz.
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