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Antennen der Wissenschaft funken Know-how aufs Land

Von: Berthold Strauch
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Aachen. Der Europagedanke bekommt wieder einmal von der Basis einen kräftigen Schub: International ist ein Projekt angelegt, das unter Federführung der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) eine breite Vielfalt deutscher, belgischer und niederländischer Institutionen aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenführt.

Unter dem etwas sperrig klingenden Kürzel „TeTRRA” geht es um eine gemeinsame Initiative für den Technologietransfer und die Anwerbung von Fachkräften insbesondere im ländlichen Raum („Technology Transfer and Recruiting in Rural Areas”).

Alle Fäden laufen bei Agit-Geschäftsführer Ulrich Schirowski zusammen. Mit Professorin Christiane Vaeßen, der Prorektorin für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer der Fachhochschule (FH) Aachen, die gleichfalls das Projekt vorantreibt, erläuterte er die Zielsetzungen. Das Projektvolumen beträgt 4,2 Millionen Euro, wobei sich neben den nationalen Partnern auch die Europäische Union finanziell engagiert.

Die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktische Produkte laufe im Aachener Talkessel und im näheren Umfeld - etwa dem Technologiepark Herzogenrath (TPH) und dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) - ganz hervorragend, bilanziert Schirowski. Doch je größer die Entfernung vom Oberzentrum werde, lasse die Strahlkraft nach. Auf dem Lande fehle innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen oft der Zugang zum Know-how der Hochschulen.

Deswegen sei mit TeTRRA eine schlagkräftige „Allianz geschmiedet” worden, die das technologische Wissen aus den Forschungslabors an FH, RWTH und FZJ möglichst effizient vermitteln soll. Dies werde auch mit dem Ziel angepackt, möglichst viele zukunftssichere Arbeitsplätze zu schaffen und im Zusammenhang mit dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel den „Abfluss von Wissen”, den „Brain Drain”, durch Wegzug von in der Region ausgebildeten Spezialisten spürbar zu reduzieren, fügte Schirowski an.

Anlaufpunkte der Hochschulen

Die geplanten Aktivitäten haben nach längerer Vorbereitungsphase ein relativ konkretes Stadium erreicht, machte Prof. Vaeßen deutlich. Ein wichtiger Mosaikstein in Sachen Technologietransfer sollen sogenannte „Relaisstationen - Antennen der Wissenschaft” ausmachen. Das sind „Ankerpunkte” oder Anlaufstellen im ländlichen Raum, wo sich Betriebe über den reichhaltigen Fundus der wissenschaftlichen Erkenntnisse etwa an der FH, der Hogeschool Zuyd im niederländischen Heerlen oder der belgischen Universität Hasselt - weitere Projektbeteiligte - informieren können.

Regionale Präsenzbüros sollen etwa im TPH, im Himo (Handwerker-Innovationszentrum Monschau) und in der Technologieagentur Euskirchen eingerichtet werden. Die Mietverträge seien vorbereitet, das benötigte Fachpersonal eingestellt und in der Einarbeitungsphase, so Vaeßen. Diese ortsnahen Anlaufpunkte sollten helfen, eventuelle Hemmschwellen zu überwinden.

Unter dem Begriff „Campus meets Companies” soll es gelingen, das erfolgreiche Instrument der „Nacht der Unternehmen” sozusagen zu verstetigen. Dabei sollen wie bei dem jährlich organisierten Vorbild Studentengruppen regelmäßig zu Expeditionen in regionale Unternehmen aufbrechen, damit die künftigen Akademiker das Arbeitsmarktpotenzial im nahen Umfeld besser kennenlernen können. Auch in umgekehrter Richtung sollen Informationen vermittelt werden.

Hier ist an „Roadshows” von Unternehmen gedacht, die an den Hochschulen für sich werben. Und als „Multiplikatoren” sollen auch die Professoren einen unmittelbaren Kontakt zu den Firmen herstellen und ebenso einen Zugang zu Hochschulabsolventen aufzeigen. Vermittlung von Abschlussarbeiten und Praktika, eine internetbasierte Kooperationsplattform mit Schwerpunkt Forschung und Gemeinschaftsstände auf Rekrutierungsmessen sollen weitere Elemente des Projekts für die Euregio Maas-Rhein werden.

Unterm Strich soll ein möglichst engmaschiges Netzwerk aller am Technologietransfer in der Euregio beteiligten Partner - darunter auch die Kammern und die Wirtschaftsförderungsgesellschaften - sowie den interessierten Betrieben geknüpft werden. Alle Partner würden zudem „mit einer Zunge sprechen”, so Vaeßen. Schirowski und sie rechnen optimistisch mit bis zu 150 Unternehmen, die mit ins Boot genommen werden könnten. Ende September 2013 soll die Abschlussbilanz für TeTRRA gezogen werden.
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