Herzogenrath - Aixtron: Führungswechsel in turbulenten Zeiten

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Aixtron: Führungswechsel in turbulenten Zeiten

Von: Berthold Strauch und Hermann-Josef Delonge
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Er tritt Ende des Monats ab: Paul Hyland, seit 2002 Vorstandsvorsitzender bei Aixtron.
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Er tritt Anfang März an: Ex-Osram-Manager Martin Goetzeler. Foto: Archiv/Imago/Sven Simon

Herzogenrath. Es sind höchst turbulente Zeiten beim Herzogenrather Anlagenbauer Aixtron: Ende Januar erst gingen zwei langjährige Aufsichtsratsmitglieder von Bord, kurz zuvor hatte das Unternehmen harte Einschnitte ankündigen müssen. Und nun diese Nachricht: Vorstandschef Paul Hyland verlässt das Unternehmen zum 28. Februar.

Und zwar „aus persönlichen Gründen und in gegenseitigem Einvernehmen“, wie das im TecDax notierte Unternehmen am Montag mitteilte. Die Märkte reagierten prompt: Die Aixtron-Aktie schloss mit einem Minus von 2,43 Prozent bei 9,35 Euro.

Der Rückzug von Hyland, der seit 2002 an der Spitze von Aixtron steht, erfolge nicht in Zusammenhang mit der aktuellen Situation des Unternehmens, versicherte Unternehmenssprecher Guido Pickert am Montag gegenüber unserer Zeitung. Die ist nicht komfortabel: Die Wirtschaftskrise hat den für die LED-Industrie produzierenden Chipanlagenbauer fest im Griff. Die für die zweite Jahreshälfte 2012 erwartete Belebung der Nachfrage war ausgeblieben. Nach Abschreibungen auf Vorräte in Höhe von 51,5 Millionen Euro musste der Vorstand seine Jahresziele kassieren. Nun erwartet der Vorstand für 2012 statt eines operativen Gewinns einen Verlust von 125 Millionen Euro und einen Umsatzeinbruch um fast zwei Drittel auf 220 Millionen Euro. Die konkreten Zahlen der Jahresbilanz werden am 28. Februar präsentiert.

Pickert betonte, Hyland, der in diesem Jahr 60 Jahre alt wird, habe bereits frühzeitig erklärt, seinen 2015 auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Dass er jetzt so kurzfristig abtrete, habe nur damit zu tun, dass ein geeigneter Nachfolger bereitstehe: Martin Goetzeler (50), zuletzt Vorstand der Siemens-Tochter Osram. Er wird sein neues Amt in Herzogenrath bereits am 1. März antreten und damit den dreiköpfigen Vorstand mit Finanzvorstand Wolfgang Breme und Bernd Schulte komplettieren. Goetzeler gilt als Experte im LED- und Lichtgeschäft.

Hyland soll die Übergabe der Geschäfte aktiv begleiten. Kim Schindelhauer, der Vorsitzende des Aixtron-Aufsichtsrats, würdigte seine Arbeit so: „Paul Hyland hat das Unternehmen in seiner Amtszeit erfolgreich durch viele Höhen und Tiefen der Halbleiterindustrie geführt. Dafür gilt ihm unser außerordentlicher Dank.“

Ist die Bekanntgabe des Wechsels an der Unternehmensspitze ausgerechnet jetzt, wo der Konzern in massiven Absatzschwierigkeiten steckt, also nur purer Zufall? Beobachter der Szene zweifeln daran. Am 25. Januar, als die drohenden Personaleinschnitte offiziell angekündigt wurden, war Hyland gar nicht an Bord. Die schlechten Nachrichten mussten seine Vorstandskollegen Breme und Schulte vor der Belegschaftsversammlung verkünden. Just zu diesem Zeitpunkt war Hyland in Asien unterwegs, um bei Kunden zum Beispiel in Südkorea um neue Bestellungen von Halbleiter-Produktionsmaschinen zu werben. Nicht einmal vier Wochen später macht Hyland nun Platz für seinen Nachfolger.

„Wir konnten ihn ja schlecht für die Betriebsversammlung eigens einfliegen. Bei deren Terminierung waren wir an bestimmte rechtliche Verpflichtungen gebunden. Wir mussten den Prozess der Anpassung im Unternehmen zu diesem Zeitpunkt anstoßen“, erklärte Pickert gegenüber unserer Zeitung.

Zum aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat wollte er keine Stellungnahme abgeben. Man sei im Gespräch. Ein Ergebnis sei aber keinesfalls „eine Sache von Wochen“; vielmehr könne erst in einigen Monaten mit einem Ergebnis gerechnet werden.

Nicht kommentieren wollte Pickert Hinweise unserer Zeitung, nach denen die Aixtron-Belegschaft von aktuell 550 Mitarbeitern auf 400 Beschäftigte zusammenschmelzen soll. Dieser Wert, so hieß es, entspreche dem Stand des Jahres 2009, den man wieder erreichen wolle.

Auf mögliche Einschnitte muss sich im Übrigen auch der unmittelbare Nachbar der Produktionsstätte von Aixtron an der Kaiserstraße in Kohlscheid einstellen: der Technologiepark Herzogenrath (TPH). In diesem Gebäudekomplex, der als „Brutkasten“ für junge, aufstrebende Gründerfirmen gedacht ist, belegt Aixtron eine Fläche von insgesamt 1200 Quadratmetern. Bei einer verfügbaren Gesamtfläche von 25.000 Quadratmetern macht der Aixtron-Anteil immerhin knapp fünf Prozent aus, bestätigte TPH-Geschäftsführer Axel Friese auf Nachfrage. Das Unternehmen habe bei seinem Einzug im Jahre 2008 klar gesagt, dass die Räumlichkeiten lediglich auf Zeit genutzt würden. Inzwischen habe Aixtron in den eigenen Gebäuden an der Kaiserstraße und im nicht weit entfernten Gewerbegebiet Dornkaul- straße, wo die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sitzt, genügend Kapazitäten frei, so dass eigentlich kein Bedarf mehr für Mietflächen vorhanden sei.

Laut Friese will Aixtron allerdings trotzdem im TPH bleiben. Schließlich seien die dort angemieteten Räumlichkeiten mit besonders hohem Aufwand mit dem gewünschten Standard aufgewertet worden. Einige diese Flächen wolle man behalten. Wie es heißt, residiert dort auch der Aixtron-Vorstand. Die Mehrkosten bei der Ausstattung gegenüber dem normalen TPH-Standard habe Aixtron selbst bezahlt, versicherte Friese. „Die haben da richtig investiert!“

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