Aachen - Aachener Pilotprojekt: Der Strompreis regelt die Waschmaschine

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Aachener Pilotprojekt: Der Strompreis regelt die Waschmaschine

Von: Carolin Kruff
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Fingerzeug für den Energiemarkt: Für das Aachener Projekt „Smart Watts“ wird Bilanz gezogen. Foto: Andreas Steindl
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Zufriedener Projektteilnehmer: Andreas Duve, Vorstand der Soptim AG. Foto: Andreas Steindl
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„Sehr viel dazugelernt: Dr. Christian Becker, Vorstand der Stawag (Stadtwerke Aachen). Foto: Andreas Steindl

Aachen. Steigende Energiekosten, Erneuerbare Energien und Atomausstieg – kaum etwas wird derzeitig so heftig diskutiert wie das Thema „Energie“. Klar ist, dass sich angesichts begrenzter Ressourcen und sich wandelndem Energiebedarf einiges ändern muss – ein Paradigmenwechsel der Energiewirtschaft steht unmittelbar bevor. Aber wo anfangen?

Das hat das Aachener Pilotprojekt „Smart Watts“, zu Deutsch „intelligente Kilowattstunde“, beschäftigt. In dem aufwändigen Projekt wurden innovative IT- und Kommunikationslösungen für die Energiewirtschaft der Zukunft erarbeitet – denn gerade beim Ausbau der Erneuerbaren Energien wird es zukünftig entscheidend sein, dass sich die Nachfrage nach dem Angebot richtet.

Seit 2008 haben sechs Unternehmen in sechs Teilprojekten im Rahmen von „Smart Watts“ gemeinsam eine neue Lösung für Privathaushalte erarbeitet, die langfristig den Geldbeutel der Verbraucher in puncto Energieverbrauch schonen soll. Jetzt zogen sie bei einer Abschlussveranstaltung mit Podiumsdiskussion Bilanz: Das Forschungsinstitut für Rationalisierung e. V. (FIR), die PSI Energy Markets GmbH, die Soptim AG, die utilicount GmbH & Co. KG als Konsortialführer, die Kellendonk Elektronik GmbH und die Stawag AG, die alle Entwicklungen zusammenführte und Anfang Dezember 2012 einen Feldversuch startete, in dem noch bis zum Jahresende die neuen intelligenten Zählersysteme getestet werden.

Gefördert wurde das Projekt mit einem Projektvolumen von 17 Millionen Euro durch das Bundeswirtschaftsministerium. Damit gehört Aachen zu den sechs Modellregionen im Rahmen des Bundesforschungsprojekts „E-Energy“, die Schlüsseltechnologien und Geschäftsmodelle für ein „Internet der Energie“ entwickeln und erproben.

Der Feldversuch wird zwar noch einige Monate laufen, die Ergebnisse des Projekts wurden jedoch schon präsentiert. Das Fazit aller Beteiligten fiel äußerst positiv aus. „Die größte Herausforderung waren die einzelnen Kommunikationsstrecken bei der neuen Lösung, die auch die wesentlichen Kostentreiber sind. Wir haben aber viel dazugelernt und sind gut für die weiteren Schritte gerüstet“, so Stawag-Vorstand Dr. Christian Becker.

Ziel des Projekts war es, dass Privathaushalte in Zukunft ihren Energieverbrauch weitestgehend selbst steuern und überwachen können. Über eine eigens entwickelte Smart-Watts-App haben Verbraucher so die Möglichkeit, Preisgrenzen für jedes einzelne Haushaltsgerät zu definieren.

Diese müssen vorher mit intelligenten Steckdosen versehen werden, sodass sie über eine EE-Bus-Schnittstelle Daten über den Preis von dem intelligenten Stromzähler, der mit einer Speicher- und Kommunikationseinheit ausgestattet ist, erhalten. Eine Waschmaschine schaltet sich folglich nur dann an, wenn der Strompreis unter dem vom Verbraucher festgelegten Preis liegt. „Über die EE-Bus-Schnittstelle wird eine einheitliche Kommunikationsstruktur geschaffen.

Das hat den enormen Vorteil, dass alles normiert ist und beinahe jeder Haushaltsgerätehersteller an das System angeschlossen werden kann“, erklärt Jan Rüsen von der Kellendonk Elektronik GmbH. Auf diese Weise kann das System die Messdaten erfassen und die Zählerstände über das Stromnetz sowie das Internet an die Stawag übermitteln. In erster Linie geht es bei Smart Watts also darum, dass Strom dann genutzt wird, wenn er unmittelbar zur Verfügung steht. Dann ist er natürlich auch günstiger.

Feldversuch mit 250 Teilnehmern

Das, was in aufwändiger Arbeit entwickelt wurde, sollte natürlich auch in der Praxis getestet werden – zunächst mit fiktiven Preisen. Dazu startete die Stawag AG Ende 2012 einen Feldversuch mit 250 Stawag-Kunden. Mit einer Gesamtbenotung von 2,7 wurde der Testlauf von den Teilnehmern bislang recht positiv beurteilt, 77,3 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass die dynamischen Preise gut zu ihnen passen würden.

Eine relevante Lastenverschiebung konnte vor allem erreicht werden, nachdem zum Juli 2013 mit einem Bonussystem ein monetärer Anreiz geschaffen wurde. Vor allem die Smart-Watts-App wurde viel genutzt, dreiviertel der Teilnehmer griffen mehrmals pro Woche auf diese zu.

„Das zeigt, dass der Bedarf für Informationen und Transparenz auf Kundenseite sehr hoch ist“, so Hauke Hinrichs, zuständiger Projektleiter bei der Stawag AG. Die wichtigsten Ziele wurden erreicht: Das System funktioniert in der Praxis, die Grundlage für weitere Entwicklungen wurde geschaffen, Lastenverschiebungen beim Energieverbrauch wurden nachgewiesen und Erneuerbare Energien konnten in das System integriert werden.

Die innovativste Lösung kann jedoch ohne adäquate rechtliche und politische Rahmenbedingungen nicht umgesetzt werden – darin waren sich alle Projektbeteiligten einig. Und auf dies warten sie nun.

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