Aachener Haarmann-Group steht vor dem Verkauf

Von: Stephan Mohne
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Aachen/Aldenhoven. Offiziell ist eigentlich noch nichts. Eigentlich. Weil aber Insolvenzverwalter Thomas Georg eine Gläubigerversammlung beantragt hat und dies in den öffentlichen Insolvenzbekanntmachungen vorschriftsmäßig auftaucht, ist eben doch bereits einiges ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.

Demnach steht die im Januar ins Insolvenzverfahren gerutschte Aachener Haarmann-Group offenbar kurz vor dem Verkauf. Die Unternehmensgruppe ist auf die Produktion von Presswerkzeugen und Härtetechnik insbesondere in Sachen Aluminium spezialisiert und zählt hier zu den europäischen Marktführern.

In den Insolvenzberkanntmachungen heißt es, dass die Gläubiger bei der Versammlung am Freitag, 13. September (Amtsgerichts Aachen, Adalbertsteinweg 92, 1. Etage, Sitzungssaal D 1.409), über die „von dem Verwalter beabsichtigte Geschäftsveräußerung im Ganzen“ entscheiden sollen. Dabei geht es gleich um eine ganze Reihe von Firmen, die zur Holding der Haarmann Group mit Sitz in Aachen gehören.

Thomas Georg bestätigt, dass „Vertragsverhandlungen laufen“. Den potenziellen Investor nennt er noch nicht. Man habe Vertraulichkeit vereinbart. Öffentlich machen will Georg die Details, wenn die Gläubiger dem Verkaufsansinnen zugestimmt haben. Allerdings sagt der Rechtsanwalt zumindest so viel: Die Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Und das sind nicht wenige. In der Aachener Zentrale arbeiteten zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung 22 Beschäftigte, in den Tochtergesellschaften in Aldenhoven waren es knapp 120. Hinzu kommen rund 170 Mitarbeiter bei Ablegern im bayrischen Weißenburg. Neun Töchter im Ausland waren, weil wirtschaftlich eigenständig, nicht vom Insolvenzverfahren betroffen.

Während über Kaufpreise sonst ebenfalls der Mantel der Verschwiegenheit gehüllt wird, kann man diese in Sachen Haarmann in den Insolvenzbekanntmachungen ebenfalls nachlesen. Zum Beispiel: Für die Holding-Zentrale in Aachen sollen rund 1,7 Millionen Euro fließen, wobei es allerdings in erster Linie um Grundstücke in der Aldenhovener Industriestraße geht. Hinzu kommen 100 000 Euro für eine Firmenbeteiligung in Rumänien. Die Haarmann Presswerkzeuge GmbH in Aldenhoven soll ebenfalls rund 1,7 Millionen Euro kosten, die Härtha Aldenhoven GmbH rund 950 000 Euro. Die Tochter Halex Aluminium Extruder Dies GmbH in Weißenburg schlägt mit rund 6,8 Millionen Euro zu Buche, die Härtha Weißenburg/Cadolzburg GmbH mit rund 2,2 Millionen. Die Gruppe machte 2011 einen Gesamtumsatz von 70 Millionen Euro.

Friedhelm Haarmann gründete das Unternehmen 1990 in Aldenhoven. 2001 übernahmen Stefanie und Christian Haarmann das Familienunternehmen. Sie waren zum Zeitpunkt der Insolvenz – je nach Gesellschaft zusammen mit anderen Geschäftsführern – noch am Ruder. Thomas Georg hatte zu Beginn des Verfahrens bekundet, gute Aussichten für eine Sanierung zu sehen, da die Gruppe im Kern wirtschaftlich gut aufgestellt sei.

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