Ex-Torjäger zielt auf den lieben Gott
Von Achim Kaiser
Vier Jahre hat der 67-Jährige Zitate und Aufsätze zum Thema «Gott» gesammelt, Gespräche mit Bekannten, Freunden und Priestern geführt, hunderte Bücher gelesen, bis er sich, wie er sagt, «befreien» musste. Aus dem «Akt der Befreiung» ist ein 812-seitiges Buch hervorgegangen, Titel: «Gott im Fokus der Menschheit». Der Untertitel verrät, in welche Richtung Ferdinand geht: «Bekenntnisse und Fußnoten, die den Glauben erschüttern.»
Typisch «Yogi-Bär», wie der Ex-Stürmer Ende der sechziger Jahre liebevoll von den Alemannia-Fans genannt wurde: Denn er nahm nie ein Blatt vor den Mund, blieb stets ein Mann der offenen Worte. Schon als Obersekundaner stellte der erfahrene Messdiener seinem Religionslehrer kritische Fragen zur katholischen Glaubenslehre: «Als ich dann auch noch den Unfehlbarkeitsanspruch des Papstes in Glaubensfragen kritisierte, beachtete mich mein Religionslehrer nicht mehr», erinnert sich der bekennende Atheist. Das hatte böse Folgen: In seinem Reifezeugnis aus dem Jahr 1961 prangt unter dem Fach Religion ein dickes «Mangelhaft». Ferdinands Glaube an Gott und seinen «intoleranten, verbitterten» Diener auf Erden, sprich Priester und Religionslehrer, geriet frühzeitig arg ins Wanken. «Ich bin kein Missionar» Seine naiven Kindheitsbilder vom lieben Gott verblassten immer mehr: «Mit dem Erwachsenwerden habe ich der Kirche mehr oder weniger den Rücken gekehrt» - jedoch vorerst nicht nur aus Glaubensgründen. «Als Fußballprofi habe ich mir eine längere religiöse Auszeit gegönnt», sagt der Ex-Stürmer, der am Tivoli im Jahr 1967 mit Alemannias Aufstieg in die Bundesliga seinen größten sportlichen Erfolg feierte. «Der eine oder andere wird vielleicht denken: Früher ist er mit dem Ball über den Rasen gehüpft und hat den Clown gemacht, jetzt ist er ein Gotteslästerer. Das bin ich nicht», betont der frühere Tivolikicker: «Ich bin kein Fanatiker und auch kein Missionar. Jeder wird sich nach der Lektüre des Buches seine Meinung bilden.» Die eigentliche Initialzündung für diese enorme Fleißarbeit in Form einer lexikonähnlichen Zitatensammlung lieferte im Jahr 2006 sein Enkel Luca: «Dieses aufgeweckte neunjährige Kerlchen hat mich nach dem Kommunionunterricht mal gefragt: `Opa, glaubst Du auch an den lieben Gott und ein Leben nach dem Tod?´ Ich habe ihm ausweichend geantwortet, dass ich noch Zweifel hätte, habe ihm aber eine baldige Antwort versprochen.» Die ist in diesen Tagen sogar veröffentlicht worden - mit vierjähriger «Verspätung». Und was sagt Luca dazu? «Wir waren vor kurzem noch zusammen in Paris und haben viele Gespräche geführt», erzählt der Buchautor Ferdinand: «Ich habe ihm immer gesagt, Luca, du musst deinen eigenen Weg finden. Aber mittlerweile denkt er genauso wie ich.»
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