„Schulnoten sind alternativlos“: Lehrerverband gegen Abschaffung

Von: Stefan Vetter
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Schule Symbol Lehrer Unterricht Klasse Schwamm Tafel Kreide Symbolfoto: Ralf Hirschberger/dpa
Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Philologenverbandes, hält nichts von einer Abschaffung der Noten in allen Schultypen.

Berlin. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), macht sich für eine Abschaffung der Noten in allen Schultypen stark. Der Chef des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hält davon nichts. Warum, erklärte der 62-jährige Gymnasiallehrer aus Bayern im Gespräch mit unserem Korrespondenten Stefan Vetter.

Herr Meidinger, in den meisten Bundesländern, auch in Bayern, gibt es für Schulanfänger keine Noten. Sollte dieses Beispiel für alle Klassenstufen Schule machen?
 
Meidinger: Eindeutig Nein. Ich habe großes Verständnis dafür, dass man in den ersten Jahrgangsstufen  auf Noten verzichtet und sich mit Leistungseinschätzungen behilft. Da geht es  um Grundkenntnisse, die man auch mit einer schriftlichen Bewertung im Grundsatz erfassen kann. Spätestens ab der dritten Klasse werden Noten aber wichtig, nicht  zuletzt deshalb, weil sie eine Orientierung für den Übertritt in weiterführende Schulen darstellen.
 
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Und schriftliche Leistungsbewertungen geben keine Orientierung?
 
Meidinger: Nein, denn aus diesen Einschätzungen ist oft nicht erkennbar, ob ein Kind im oberen Leistungsdrittel, in der Mitte oder eher darunter steht. Da wird vieles sprachlich geglättet. Außerdem nehmen Eltern solche Einschätzungen sehr selektiv wahr. Das heißt, sie sehen eher das Positive und nicht die leicht angedeuteten Schwächen. Wenn da zum Beispiel steht, mit Hilfen könne das Kind eine Aufgabe ohne Probleme lösen, dann sehen Eltern über solche Einschränkungen häufig hinweg.
 
Aber Noten sind doch auch nicht objektiv, oder?
 
Meidinger: Sicher. Es gibt keine absolut vergleichbaren Noten. Bundesweit schon gar nicht. Derselbe Deutsch-Aufsatz wird nicht immer die gleiche Note erhalten, wenn man ihn verschiedenen Lehrern vorlegt...
 
Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass die Benotung von der Laune der Lehrer abhängen kann.
 
Meidinger: Das will ich nicht ganz ausschließen, auch wenn es hoffentlich die Ausnahme ist. Aber in der Summe gleicht sich das aus. Wir haben ja die Durchschnittsnote. Sie hat nach wie vor die höchste Prognose-Kraft, ob man gut durch Abitur oder Studium kommt. In der Summe jedenfalls ist das Notensystem erheblich gerechter, als viele behaupten. Alles, was ich an Alternativen kenne, von der schriftlichen Beurteilung bis hin zum Eltern-Lehrer-Gespräch erfüllt nicht die Funktion von Noten, nämlich eine klare Rückmeldung zu geben, wo der Schüler in Bezug auf seine Leistungen steht.
 
Was würde ein Schulsystem ohne Noten bedeuten?
 
Meidinger: Notenzeugnisse sind Grundlage für eine Lehrstellenbewerbung oder einen Studienplatz. Die Firma oder Universität will ich sehen, die sich in einer Welt ohne Noten durch schriftliche Einschätzungen kämpft und danach wesentlich schlauer ist, was der Einzelne kann oder nicht. Eine Zwei in Deutsch hat nun mal eine bestimmte Aussagekraft. Genauso wie eine Fünf in diesem Fach. Übrigens: In den meisten anderen Industriestaaten sind Noten unumstritten. Da stellt sich die Frage der internationalen Vergleichbarkeit, würde  
Deutschland darauf verzichten.
 
Zumindest die Schüler könnten ohne Noten aber ganz gut leben.
 
Meidinger: Das bezweifle ich, viele sind ja auf ihre Notenzeugnisse stolz. 80 Prozent der Noten an deutschen Schulen sind sehr gute, gute oder befriedigende Noten. Nur 20 Prozent sind schlechter. Die positive Rückmeldung ist also deutlich stärker als die negative. In Bayern haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass Schüler, die zum ersten Mal benotet werden, danach regelrecht gieren. In den anderen Bundesländern dürfte das ähnlich sein.
 
 
 

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