Aachen - Papst und Parlamentschef: zwei auf einer Wellenlänge

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Papst und Parlamentschef: zwei auf einer Wellenlänge

Von: Bernd Mathieu
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Papst Franziskus. Foto: dpa
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EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Foto: dpa

Aachen. An diesem Freitag begegnen sie sich zum zweiten Mal: Papst Franziskus und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Im März war es vielleicht sogar so etwas wie Sympathie auf den ersten Blick. Da stand Schulz nach der Einführungsmesse des Papstes in der illustren Schar gratulierender Staatsgäste.

Und als Seine Heiligkeit den Politiker aus Würselen begrüßte, sprach der Präsident ihn spontan mit „Heiliger Vater“ an und lud ihn ins Europaparlament ein. So ist Martin Schulz, so ist Papst Franziskus. Zu diesem Besuch wird es voraussichtlich im Frühjahr 2014 kommen. Der Sozialdemokrat setzt sich über die üblichen Querschläger notorischer Bedenkenträger hinweg. Der Papst sei nicht nur ein Religionsführer, sondern auch Staatsoberhaupt. Ende der Durchsage. Ohnehin ist die Zahl der Kritiker gerade bei diesem so außergewöhnlichen Papst auf ein kaum noch bemerkenswertes Maß geschrumpft. Franziskus steht für einen bescheidenen Lebensstil, für eine klare Linie, für gut überlegte und deshalb deutliche Entscheidungen. Längst wissen wir, dass er nicht nur ein Papst sympathischer Äußerlichkeiten ist.

Freitag wird Schulz mit ihm zunächst ein Vier-Augen-Gespräch in der Bibliothek des Vatikans führen, dann wird der Papst die EU-Delegation begrüßen. Es folgt ein Gespräch mit dem noch bis zum 14. Oktober amtierenden Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der, um es zurückhaltend auszudrücken, nicht als Freund des neuen Papstes gilt. Er wird ab dem 15. Oktober vom erfahrenen, moderaten und sehr offenen Erzbischof Pietro Parolin abgelöst. Der 58-jährige Italiener war als versierter Diplomat des Vatikans in vielen schwierigen Ländern aktiv, so im Sudan, in Mexiko und der Türkei, er war Nuntius in Ghana, in Togo, in Ruanda und in Venezuela. Auch er ist ein ganz persönlicher Teil jenes Erdrutsches, den Franziskus im Vatikan ausgelöst hat.

Martin Schulz besucht den Papst in einer sehr bewegten und bewegenden Phase. Die Zeiten des durch die Kurie isolierten Benedikt XVI. sind allenfalls noch Erinnerung. Franziskus mischt sich ein. Der Jesuit war nie ein Teil der Kurie und will es auch nicht sein. Fast wirkt er wie ein Außenstehender, dem diese privilegierte und sich selbst so wichtig nehmende Kurien-Welt völlig fremd ist. Zum ersten Mal seit Johannes Paul II. hat es wieder eine päpstliche Anti-Kriegs-Initiative (Syrien) gegeben, wurden wieder diplomatische Wege vom Vatikan aufgezeigt.

Franziskus wird mit dem EU-Parlamentspräsidenten gewiss über die Rolle der EU als globaler Akteur reden. Er wird – nicht nur in Zusammenhang mit Lampedusa – das Stichwort Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten nennen. Er wird die „Macht der Banken und des Geldes“ kritisieren und die aktuellen Probleme vor allem der jungen Menschen in der EU ansprechen. Nach der Privataudienz trifft Martin Schulz in Sant‘Egidio mit jungen Immigranten zusammen. Am Nachmittag besucht er die Universita Gregoriana, die aus der ersten von Ignatius von Loyola eingerichteten Jesuitenschule hervorging und heute als wichtigste päpstliche Universität der Welt gilt. An der Diskussion nehmen Studenten, Priester, hohe Repräsentanten der Caritas und Diplomaten teil.

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