Kommentiert: Die große Langeweile

6232683.jpg

Kommentiert: Die große Langeweile

Ein Kommentar von Marco Rose

Diese Bayern! Irgendwie sympathisch, dass sich das lebensfrohe Völkchen durch nichts und niemanden – nicht einmal durch Korruptionsskandale oder Verwandtenaffären – davon abbringen lässt, CSU zu wählen. Im weiß-blauen Biedermeier lebt die Volkspartei noch; und das gibt scheinbar Halt und Orientierung in einer rastlosen Welt.

Doch Bayern ist nicht Deutschland. Wem das noch nicht klar war, der weiß es seit Sonntag, denn seither sagt es einem jeder, dem sich ein Mikrofon bietet. Zum Glück nicht, möchte man aus Sicht des Rheinländers entgegnen. Doch sind derlei Animositäten am Ende egal, wie eigentlich alles egal ist, was dieser Tage vor der Bundestagswahl von offizieller Seite noch zu sagen wäre.

Inhalte interessierten im Wahlkampf ohnehin nur selten. Inzwischen geht es nur noch um das „Wer mit wem“, um Stilfragen und Petitessen. Eine Lethargie und Gleichgültigkeit hat die Menschen erfasst, die diesem Land nicht guttun kann.

Rhetorisch aufgeplustert

Dieses müde, freudlose Geplänkel vor der Wahl hat seine humoristischen Höhepunkte. Immerhin. Wie sich FDP-Chef Philipp Rösler nach der Bayern-Wahl rhetorisch aufplustert bis hin zur Schnappatmung, um seinen SPD-Kontrahenten Sigmar Gabriel zum mutmaßlich mächtigsten Mann Deutschlands zu erklären, entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Und dann erst die folgenden TV-Auftritte seines Generalsekretärs Patrick Döring! Mit unterwürfigem „Habt-mich-doch-bitte-lieb“-Hamsterblick tourt der Liberale durchs Fernsehen, fabuliert von einer „Stimme der Freiheit“, die Deutschland fehlen würde, sollte es die FDP nicht mehr in den Bundestag schaffen.

Würde sie wirklich fehlen? Die Meinungen darüber gehen auseinander, freundlich formuliert. Die bundespolitische Bilanz der Liberalen fällt mager aus. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat als Justizministerin einen guten Job gemacht. Mehr gibt es zur FDP eigentlich nicht zu sagen.

Und Schwarz-Grün?

Auch egal, könnte man einwenden. Die Bundeskanzlerin würde sich genauso gut mit einer grünen Justizministerin herumschlagen, wenn es ihrer Sache dienlich wäre. Und Merkels Sache ist schließlich der Machterhalt. Da verwundert es schon, wie ruhig es derzeit um Schwarz-Grün geworden ist. Verdächtig ruhig!  

Dafür gibt es Gründe: Der konservativen wie alternativen Klientel ist ein solches Bündnis nach wie vor schwer zu verkaufen. Deshalb wird die Alternative lieber totgeschwiegen. Gleichwohl könnte Merkel gut mit den Grünen, sollte es für Schwarz-Gelb nicht reichen; zumindest besser als mit einer renitenten SPD, die nach den Erfahrungen der jüngsten großen Koalition wohl nicht mehr den pflegeleichten Juniorpartner geben würde. Einzig die Frage, wie sich der erstarkte Seehofer in eine solche Koalition fügen würde, dürfte den Beteiligten Kopfzerbrechen bereiten.

Taktik, nichts als Taktik! Die sollte uns Wählern derzeit tatsächlich gleichgültig sein. Dass Koalitionsdebatten am Ende interessanter sind als der eigentliche Inhalt von Politik, liegt jedoch vornehmlich an den Politikern selbst. Die einen wollen gar keine Inhalte vermitteln, die anderen schaffen es nicht. Egal ist das nur in den seltensten Fällen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert