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Kommentiert: Auf einem guten Weg

Ein Kommentar von Madeleine Gullert

Schulpolitik ist undankbar und der Posten des Schulministers erst recht. Doch der neuen NRW-Schulministerin gelingt es bislang, das hoch emotionale Thema G9 völlig unaufgeregt anzugehen.

Das ist umso erstaunlicher, als dass Yvonne Gebauer vor der Landtagswahl im Mai wahrlich nicht damit hatte rechnen können, einen Ministerposten zu bekommen. Die Chancen der FDP, Regierungsverantwortung zu übernehmen, galten schließlich als ziemlich gering.

Jetzt schließt sich ein Kreis: Die Schulzeitverkürzung, die Schwarz-Gelb 2005 beschloss, kann Schwarz-Gelb nun wieder abschaffen. Ob das als „Turbo-Abitur“ kritisierte G8 schlecht war oder nur schlecht umgesetzt wurde, ist eine Diskussion, die es sich nicht mehr zu führen lohnt. G8 ist bald Geschichte, weil G9 nicht nur formal der Regelfall wird, sondern sich mit Sicherheit die meisten Schulen auch praktisch für das Abitur nach neun Jahren entscheiden werden.

Gebauer weiß die Eltern auf ihrer Seite. Die Mehrheit befürwortete das neunjährige Abitur. Und indem Gebauer etliche Forderungen der Gewerkschaften und Verbände offenbar annehmen wird, vermeidet sie ebenfalls Konflikte mit den Lehrern. Das ist nicht nur taktisch, sondern auch inhaltlich klug. Es ist beispielsweise richtig, die Durchlässigkeit der Schulformen künftig stärker zu gewährleisten. Daran haperte es im G8-System. Außerdem ist es wichtig, dass Gymnasiasten nach der zehnten Klasse wieder einen Abschluss haben sollen.

Was das Schulministerium plant, klingt zumindest in der Theorie gut durchdacht. Perfekt ist er allerdings nicht. Schon allein, weil Fragen nach den Kosten, nach der Höhe der Pauschalen für die Kommunen und danach, wo die Lehrer herkommen sollen, (noch) nicht beantwortet werden. Vielleicht ist das nach 140 Tagen im Amt auch zu viel verlangt. Bald aber muss das Schulministerium auch diese unangenehmen Fragen beantworten.

Schullandschaft wird sich ändern

Ja, NRW scheint auf einem guten Weg zu sein. Noch klüger wäre es von Gebauer allerdings gewesen, eine von den Verbänden und Gewerkschaften geforderte generelle Entscheidung für G9 zu treffen. Gerade die zerklüftete Schullandschaft in NRW mit Formen wie der Sekundar- oder der Gemeinschaftsschule steht in der Kritik. Nun erfolgt noch die Unterscheidung zwischen dem G9- und dem G8-Gymnasium. Das hätte nicht sein müssen; zumal ohnehin nur wenige Schulen von der Möglichkeit zu G8 Gebrauch machen werden.

Die Schullandschaft wird sich außerdem verändern, weil der Ansturm auf die Gesamtschulen der vergangenen Jahre abebben wird. Sie konnten oftmals damit punkten, dass Schüler dort das Abi weiterhin nach neun Jahren absolvieren konnten. Das Alleinstellungsmerkmal fehlt nun. Fraglich also, ob die in vielen Kommunen geplanten Gesamtschulen überhaupt noch benötigt werden.

Und dann dürfen die jetzigen Gymnasiasten nicht vergessen werden. Es gibt schließlich noch neun Jahrgänge, die das „Turbo-Abitur“ machen müssen. Sie benötigen die gleiche Aufmerksamkeit wie künftige G9-Schüler.

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