Aachen - „Europäische Horizonte“ an der RWTH: EU muss offensiver werden

„Europäische Horizonte“ an der RWTH: EU muss offensiver werden

Von: ik/pep
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Aachen. Die Aussagen, die Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn, präsentiert, klingen für viele Deutsche wahrscheinlich etwas befremdlich.

Ihr Staat sei wegen seiner ökonomischen Leistungsfähigkeit, „seines geschätzten Gesellschaftsmodells“ und nicht zuletzt aufgrund seiner Energiepolitik neben den USA und China „das potenziell einflussreichste Land der Welt“. Für seine epochale Energiewende müsse es weltweit massiv werben – aber: „Deutschland spielt unter seinen Möglichkeiten.“ Das alles sind Einschätzungen international höchst renommierter Wissenschaftler, die Messner ganz bewusst und betont herausstellte bei seinem Vortrag in der Reihe „Europäische Horizonte“ an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

Die Horizonte, die der langjährige Berater mehrerer Bundesregierungen eröffnete, haben es in sich. Zwar ist Europa im Welthandel neben dem asiatischen Raum noch die Nummer eins, aber ökonomisch werde die EU in den nächsten Jahrzehnten deutlich zurückfallen.

„In den 60er Jahren lag der Anteil der USA und Westeuropas an der Weltwirtschaft noch bei fast 70 Prozent. Beide werden Macht und Einfluss verlieren“, sagt Messner. Europa werde vom Zentrum der Welt an den Rand geraten, und Russland spiele ökonomisch heute wie morgen keine Rolle. Andererseits sei die EU wegen ihrer Sozialstruktur, ihrer Nachhaltigkeitspolitik und ihrer funktionierenden Institutionen nach wie vor stabil und attraktiv.

Dennoch müssen sich Deutschland und die EU nach Messners Überzeugung wesentlich konsequenter auf diese einschneidende Entwicklung einstellen und sich in einer polyzentrischen Welt besser vernetzen. „Sie sind noch zu stark auf sich selbst und die USA fixiert.“ Deutschland komme durchaus eine Führungsrolle in Europa zu. „Die wird eingefordert. Sie darf aber nie hegemonial ausgefüllt werden“, sondern müsse Rücksicht nehmen auf die kleineren Länder.

Nach Messners Analyse befindet sich die Welt derzeit in einem enormen Wandel, der ähnliche Auswirkungen habe wie die Erfindung der Landwirtschaft und die Industrielle Revolution. Dieser Wandel betreffe alle Gebiete: Wirtschaft, Sozialsystem, Klima und Politik. „Post-westlich“ nennt er die neue globale Ordnung, denn die transatlantische Orientierung der Welt sei am Ende. Neue starke Länder – allen voran China – holten auf und würden die alten Industrienationen bald überholen. China verfüge längst über die weltweit größten Geldreserven. Dort und in Staaten wie Indien oder Brasilien stiegen die Einkommen stark.

Eine der größten Herausforderungen sieht Messner darin, dass „die Grenzen des Erdsystems erreicht sind“. So sei zum Beispiel das Amazonasgebiet durch die Erwärmung der Erde in seiner Existenz bedroht – mit erheblichen Folgen für die gesamte Welt. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts verfüge der Mensch über die stärkste Kraft zur Veränderung des Erdsystems.

Die EU stelle sich dem noch nicht entschlossen genug. Sie müsse zum Beispiel starken Tendenzen in den USA entgegentreten, die Erderwärmung durch hochtechnologische industrielle Klima-Manipulationen zu bekämpfen.

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