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„Blackouts“? So schnell geht in Deutschland das Licht nicht aus.

Von: Christian Rein
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„Versorgung sichergestellt“: Jochen Homann, Präsident der Netzagentur. Foto: stock/Reiner Zensen

Aachen. Drohen tatsächlich „Blackouts“, also Stromausfälle in großem Ausmaß, wenn die Politik nicht eingreift und Kohle und Gas unterstützt?

RWE-Chef Peter Terium hat das vor kurzem in einem Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ so angedeutet: „Wenn die Politik jetzt kein Strommarktmodell für die Zukunft entwickelt, das auch Kraftwerke unterstützt, weil sie bereitstehen, wenn es weder Sonne noch Wind gibt, gefährdet das den Standort Deutschland. Das gilt dann auch vor allem für Kraftwerke, die mit Steinkohle oder Gas befeuert werden“, bekräftigte er. „So weit darf es nicht kommen. Denn dann geht in Deutschland das Licht aus.“

Der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer bezeichnet die Äußerung als „billigen Erpressungsversuch“: „Seit 30 Jahren drohen Energiekonzerne unablässig mit dem ‚Blackout‘“, sagt der Sprecher für Energiewirtschaft der Grünen-Fraktion. „Dabei ging es nie um Versorgungssicherheit, sondern um den Erhalt des Geschäftsmodells und damit letztlich um die Kassen von RWE & Co.“ Teriums Ziel sei es, so meint Krischer, dass die große Koalition auf Kosten von Steuerzahlern und Stromkunden mit einer Art Vorhalteprämie die Wirtschaftlichkeit von klimaschädlichen Kohlekraftwerken rettet. „Das ist schon deshalb absurd, weil es derzeit massive Überkapazitäten bei der Kraftwerksleistung gibt“, sagt Krischer.

Im Jahr 2012 gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einen Überschuss von 22,8 Terawattstunden (TWh). Das war fast vier Mal soviel wie 2011, obwohl in der Zeit acht Kernkraftwerke abgeschaltet wurden. Demnach importierte Deutschland zwar 43,8 TWh über die europäischen Stromnetze, exportierte selbst aber 66,6 TWh. Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden.

Auch für das laufende Jahr zeichnet sich ein großes Plus ab. Von Januar bis August betrug der Überschuss bereits 18,6 TWh, wie das Statistische Bundesamt auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. Demnach wurden in diesem Zeitraum 27,1 TWh Strom importiert und 45,7 TWh exportiert.

Jochen Homann, der Präsident der Bundesnetzagentur, erwartet nicht, „dass die Lichter in Deutschland im kommenden Winter ausgehen“. „Insgesamt haben wir ausreichende Erzeugungskapazitäten“, sagt er den „Nachrichten“. Lediglich die regionale Verteilung sei ein Problem. „Bis das durch den Ausbau der Netze gelöst ist, haben wir mit der Winterreserve die Möglichkeit, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“

Homann weist grundsätzlich darauf hin, dass Kraftwerke nicht einfach so abgeschaltet werden können. Egal ob zeitlich begrenzt oder dauerhaft, müssen Betreiber das ein Jahr vorher anzeigen, so ist es gesetzlich geregelt. Dann prüfen die Übertragungsnetzbetreiber und die Bundesnetzagentur, ob die Anlagen systemrelevant sind. „Ist das der Fall, ist die Stilllegung untersagt“, erklärt Homann.

Seit Ende 2012 wurden der Bundesnetzagentur Stilllegungsanzeigen für 28 Blöcke in Gas- oder Kohlekraftwerken vorgelegt. Fünf von diesen – alle in Baden-Württemberg – wurden als systemrelevant ausgewiesen. Weitere zwölf Blöcke wurden als nicht systemrelevant eingestuft. Von diesen befinden sich zehn in Nordrhein-Westfalen und zwei in Niedersachsen. Die verbleibenden elf Kraftwerksblöcke werden derzeit noch geprüft.

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