Beim Aachener Friedenspreis gibt's „Lebenslaute statt Bombengetöse“

Von: Wolfgang Schumacher
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Träger des Aachener Friedenspreises 2014: Unter dem Namen „Lebenslaute“ engagieren sich Musiker als Protestorchester und demonstrieren so etwa vor dem Bundesinnenministerium gegen die Flüchtlingspolitik. Foto: Lebenslaute
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Träger des Aachener Friedenspreises 2014: „Code Pink“ kämpft in den USA für Frieden und soziale Gerechtigkeit, zum Beispiel vor dem Kapitol in Washington. Foto: Code Pink

Aachen. Mit der „Kampfbratsche“ gegen Krieg und für den Frieden: Die etwa 300 Musiker umfassende „offene Musik und Aktionsgruppe“ mit dem Namen „Lebenslaute“ und die US-amerikanische Bewegung „Codepink“ von Frauen gegen den Krieg erhalten am Antikriegstag, 1. September, den Aachener Friedenspreis des Jahres 2014.

Traditionell am 8. Mai, dem Tag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Jahr 1945, verkündet der Friedenspreis seine Preisträger. Sprecher Dieter Spoo und der Vorsitzende Ralf Woelk waren einigermaßen stolz, vor etwa 14 Tagen aus einer Liste von rund 30 „sehr hoch klassigen Vorschlägen“ letztendlich zur allgemeinen Zufriedenheit, wie Woelk betonte, diese beiden Preisträger ausgewählt zu haben. „Sie passen sehr gut zusammen und ergänzen sich“, meinten Vorstandsmitglied Tina Terschmitten und die Sprecherin des Arbeitskreises Antimilitarismus, Anni Pott, übereinstimmend.

Terschmitten erläuterte, dass die 2002 begründete Antikriegsbewegung „Codepink“ sich inzwischen mit ihren Mahnwachen vor dem Weißen Haus in Washington einen Namen gemacht hätten. Die Aktivistinnen in ihrem komplett rosaroten Outfit hätten seit 2002 als weltweit auftretende, weibliche „Friedensstifterinnen“ mit Aktionen, Kundgebungen und Märschen „ihren unermüdlichem Protest gegen die amerikanischen Kriegstreiber“, so Terschmitten heute in der Aachener City-Kirche, verkündet.

Den rosaroten Ladies gehe es inzwischen vor allem um den Kampf gegen die anonymen Todesdrohnen, die in den USA gelenkt und technologisch durch Einrichtungen auf der bundesdeutschen Militärbasis Ramstein geführt würden. „Vor allem die Vernichtung ziviler Opfer“, berichtete Terschmitten über die Motivation der Preisträgerinnen, ist für die Aktivistinnen ein Verbrechen, weil hier Menschen, auch wenn es oftmals mutmaßliche Terroristen seine, ohne ein gerichtliches Urteil hingerichtet würden. So protestierten sie vor einem Jahr bei einer Senatsanhörung des designierten CIA-Chefs John Brennan. Die Auszeichnung ist laut Friedenspreis ein „wichtiges Zeichen gegen die weltweite Kriegspolitik der westlichen Industriestaaten“.

Die Formation „Lebenslaute“ existiert laut Anni Pott seit den Protesten 1986 in Mutlangen gegen den Nato-Doppelbeschluss und die Pershing-II-Stationierungen. Damals sammelten sich die klassischen Musiker, um die Manöver rund um die Raketen-Stationierungen zu stören. Dabei reise der gesamte Klangkörper von rund 100 Musikern und Musikerinnen „in Frack und Abendgarderobe“ an, sagte Anni Pott. Sie selber habe das vor zwei Jahren bei einer Antikriegsdemonstration in Leipzig gesehen und sie sei völlig beeindruckt gewesen.

Die Gruppe tritt oft unter verschiedenen Mottos auf, so etwa 1995 bei Aktionstage in Brandenburg mit dem Titel „Lebenslaute statt Bombengetöse“. Kurz vor der Aachener Verleihung protestiert das Antikriegs-Orchester, das ihre Instrumente nicht schont und deswegen selbstironisch bei den Streichern „Kampfbratschen“ einsetzt, mit Aktionen in Eisenhüttenstadt, wo man gegen die Abschiebepraxis bei Asylbewerbern demonstrieren wolle, erklärte Pott.

In Aachen wird es dann am 1. September wieder einen Demonstrationsmarsch hin zur Aula Carolina geben, in der abends die Verleihung stattfindet. Sicher überlege der Friedenspreis, so Woelk heute, wie man den Preisträger „Lebenslaute“ adäquat in das Programm einbinden könne.

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