14.630 Kinder bekommen keinen Platz
Von Marlon Gego
Aachen. Die Gesamtschulen Nordrhein-Westfalens haben für das kommende Schuljahr mehr als 14.600 Kinder ablehnen müssen. An den 13 Gesamtschulen in den Kreisen Düren und Heinsberg und in Stadt und Kreis Aachen haben nur 1988 Kinder von 2996 angemeldeten Kindern einen Platz bekommen, also 66,4 Prozent.
Maike Arz vom gerade gegründeten Gesamtschule-Interessennetzwerk Aachen-Düren-Heinsberg «Insgesamt» vermutet, die Landesregierung mache den Gesamtschulen die Existenz absichtlich schwer und sähe diese Schulform am liebsten wieder abgeschafft.
Im Schulministerium sieht man das anders: «Wir prüfen grundsätzlich jeden Antrag zur Neugründung von Gesamtschulen», sagt Thomas Breuer, Sprecher von NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU). Dass es allerdings nicht mehr Gesamtschulen gebe, obwohl es ja offensichtlich Bedarf gibt, scheitere oft an der praktischen Umsetzung, die nicht das Ministerium zu verantworten habe: «Wenn´s konkret wird, scheitern Neugründungen oft an Anmeldezahlen.» Sommers Amtsvorgängerin Ute Schäfer (SPD) hält das für «eine abenteuerliche Argumentation», die Politik der Landesregierung könne man «nur als gesamtschulfeindlich bezeichnen», sagte sie gegenüber unserer Zeitung. Obschon die Weihen der integrativen Gesamtschule vielfach belegt und erwiesen seien, halte die Landesregierung an einem Schulsystem fest, das seine Ursprünge im Ständeschulsystem der Kaiserzeit habe. Dem widerspricht nun wieder Ministeriumssprecher Breuer, der sagt, es gebe keine ideologische Diskussion. Es sei überdies durch nichts belegbar, «dass das Gesamtschulsystem grundsätzlich besser ist als unser viergliedriges Schulsystem» mit Haupt-, Real-, Gesamtschule und Gymnasium, allen Pisa-Erfolgen der Gesamtschulländer Finnland, Kanada oder Japan zum Trotz. Die Ministerin selbst, Barbara Sommer, sagte am Freitag: «Wenn die Kriterien erfüllt sind, werden auch neue Gesamtschulen genehmigt.» Dazu müssen aber zunächst Schulträger, in der Regel also die Kommunen, die entsprechenden Anträge stellen. Vielleicht ist in diesem Zusammenhang in der Tat eine andere Zahl interessant, die verdeutlicht, dass die Diskussionen um mehr Gesamtschulplätze zunächst eher mit den Kommunen als mit der Landesregierung geführt werden müssten: Aus neun Städten in Nordrhein-Westfalen gibt es zurzeit Anträge auf die Neugründung einer Gesamtschule. Bei 396 Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen entspricht das einem Anteil von gerade einmal 2,27 Prozent. «Das ist wahrhaftig keine Massenbewegung», stellte am Freitag CDU-Schulpolitiker Klaus Kaiser fest. Netzwerk für Aachen, Düren und Heinsberg Das Interessennetzwerk von Schulpflegschaften der Gesamtschulen in Aachen, Düren und Heinsberg namens «Insgesamt» wurde am 2. Februar gegründet. Der Zweck des Netzwerkes besteht darin, als Vertreter der Eltern von etwa 15.000 Schülern die Arbeit der Gesamtschulen zu stärken und zu unterstützen. Das Netzwerk versteht sich als überparteiische Interessensgemeinschaft, die den Stellenwert der Gesamtschule verdeutlichen und sich für ein realistisches Bild dieser Schulform einsetzen will.
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