Köln - Koks im Friseurstuhl: Kreative Schmuggler-Verstecke

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Koks im Friseurstuhl: Kreative Schmuggler-Verstecke

Von: Alexandra Stahl, dpa
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Köln. Was haben ein abgewetzter Autoreifen, ein alter Friseurstuhl aus Brasilien und ein geschmackloser, weißer Gipshund gemeinsam? Sie alle waren Schmuggelverstecke.

Die Autoreifen waren vollgepackt mit Zigarettenschachteln, der Friseurstuhl und der Hund mit mehreren Kilogramm Kokain gefüllt. „Es gibt nichts, was den Leuten nicht einfällt”, sagt Ulrich Schulze, seit fast 40 Jahren beim Zoll. Im Kölner Zollkriminalamt haben die Beamten die skurrilsten Verstecke und Funde aus den vergangenen zehn Jahren gesammelt.

Bei manchem Versteck muss Schulze immer noch lachen. Denn nicht alle Schmuggler denken ihre Ideen bis zum Ende durch. Etwa die Gruppe, die das Innere eines alten Holzbootes mit Zigaretten gefüllt hatte. Sie flogen auf, weil sie sich mit ihren Paddel-Attrappen verrieten: zwei notdürftig zusammengenagelte Holzbretter.

Überhaupt sollten Zollbeamte nicht unterschätzt werden: „Wer beim Zoll arbeitet, ist von Natur aus misstrauisch”, sagt Schulze (63), der selbst lange als Grenzbeamter und Zollfahnder gearbeitet hat. Die Klassiker hat er dabei alle gesehen: Koffer mit doppelten Böden, präparierte Benzinkanister oder Konservendosen. Manche haben massive Holzbretter ausgehöhlt, um Zigaretten darin zu verstecken. „Das ist schon sehr aufwendig”, meint Schulze.

Tatsächlich scheint der Fantasie im illegalen Handel keine Grenze gesetzt: Eine alte Ledercouch wird mit Schmuggelware genauso gefüllt wie ein Surfbrett, eine alte Videokamera oder ein Billardtisch.

Manche Verstecke sind schon trickreicher: „Das Koks ist hier ganz fein reingezogen worden”, erzählt Schulze und streicht über einen bunten Wandteppich. Dagegen ist die kitschige Plastikpalme schon beinahe einfallslos.

Kuscheltiere sind nicht nur bei Kindern beliebt. Schulze hält einen Plüschbären hoch, der besonders treuherzig guckt. Der Rücken ist aufgeschlitzt, die Füllung quillt heraus, dazwischen steckte auch hier Kokain.

Wem nichts besseres einfällt, der nimmt gleich den eigenen Körper als Versteck. „Das sogenannte Bodypacking gibt es schon seit zehn Jahren, und es hat zugenommen”, erzählt Schulze. Schmuggler schlucken dann Kondome oder Kapseln, die mit Drogen gefüllt sind. „Das ist hochgefährlich”, warnt Schulze. Immer wieder platzen die Drogenpäckchen und der Drogenkurier stirbt an einer Überdosis.

Genauso skurril wie die Verstecke und Funde, die Schulzes Kölner Kollegen aufbewahrt haben, war für den Familienvater ein beinahe ganz normaler Arbeitstag in Essen.

Als er aus dem Fenster blickte, sah er, wie Schmuggler direkt vor dem Zollamt einen Kofferraum beluden - mit Dutzenden gefälschten Schuhen. Leichtes Spiel: Schulze rief die Kollegen an - Zugriff.
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