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Zwischen Sein und Schein: „Felix Krull” in der Kammer

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:
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Solo in der Kammer: Heino Cohrs gibt Thomas Manns Romanfigur Felix Krull Gestalt und Stimme. Foto: Carl Brunn

Aachen. Es ist ein geläuterter Felix Krull, der da in der Kammer des Theaters Aachen zu besichtigen ist. Nachdenklich, ironisch und witzig, aber nie albern lässt Heino Cohrs den Betrüger aus Thomas Manns unvollendetem Roman „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull” auf ein aufregendes Leben zurückblicken.

Cohrs, 86, brilliert in dieser Rolle, die ihm Chefdramaturgin Ann-Marie Arioli, die auch für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, auf den Leib geschrieben hat.

Das älteste Mitglied des Ensembles nimmt sein Publikum mit auf die Reise durch das Leben eines Menschen, der schon früh lernt, den schmalen Grat zwischen Schein und Sein auszuloten und meisterhaft für sich zu nutzen.

Augenzwinkernde Hommage

Als sein Krull auf eine Operette zu sprechen kommt, die dieser als junger Mann besucht hat, summt Cohrs kurz „Da geh ich ins Maxim”, Auftrittslied des Grafen Danilo aus Lehárs „Die lustige Witwe” - die Paraderolle von Johannes Heesters, der mit 106 Jahren immer noch der Schauspielerei nachgeht.

Eine augenzwinkernde Hommage an alle, die noch im hohen Alter auf der Bühne stehen. Und vielleicht auch eine Andeutung, dass Cohrs dem Aachener Publikum weiter erhalten bleibt.

Die Bühne hat Mascha Deneke zweigeteilt: Links der Salon eines feinen Restaurants oder Hotels, mit hübsch gedeckten Tischen, Kronleuchtern und großen Fenstern. Die rechte Seite zeigt den Ausblick auf einen vornehmen Garten. Davor steht eine weiße Bank, die auch mal als Bett im Hotelzimmer genutzt wird. Cohrs bespielt beide Seiten, manchmal nimmt er auch an dem kleinen Tisch Platz, der genau am Übergang zwischen beiden steht.

Ein Bühnenbild, das wirkt, ohne vom Eigentlichen abzulenken. Anders als im Roman erfolgt Felix Krulls Entwicklung im Stück Schlag auf Schlag. Eine weniger präzise ausgearbeitete Dramaturgie hätte dem Publikum das Gefühl geben können, ohne Halt durch die Handlung gejagt zu werden. Diese Gefahr besteht hier nie.

Ariolis Textversion ist äußerst pointiert; man hat nie das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Der Dialog zwischen dem simulierenden Krull und dem ruppigen preußischen Militärarzt kommt bei Cohrs derart lebendig und mitreißend über die Rampe, dass keine zwei Schauspieler es besser hätten machen können.

Der Schlusspunkt, ein tiefsinniger Monolog über die menschliche Existenz in Raum und Zeit, ist treffsicher gesetzt. Der Zuschauer verlässt die Kammerspiele mit dem Gefühl, dass er Heino Cohrs noch stundenlang hätte zuschauen und zuhören können. Langanhaltender, kräftiger Applaus.

„Felix Krull” ist noch am 26. und 30. Januar, 6., 12. und 24. Februar, 5., 13. und 24. März, 13., 24. und 30. April, 15. und 29. Mai, 18. Juni sowie 14. Juli in der Aachener Kammer zu sehen.

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