Aachen - Zwischen Genie und Wahnsinn

Zwischen Genie und Wahnsinn

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Auf den Spuren Robert Schmanns und seiner „verhängnisvollen Affäre”: Schauspielerin Martina Gedeck und Pianist Sebastian Knauer im Alten Kurhaus

Aachen. Der Titel ist ebenso plakativ wie verheißungsvoll: Mit ihrem Programm „Eine verhängnisvolle Affäre” verbeugte sich Martina Gedeck jetzt im Alten Kurhaus Aachen vor dem Komponisten Robert Schumann. Das Programm stieß auf großes Interesse beim Publikum.

Im vollbesetzten Ballsaal lud die attraktive 48-jährige Schauspielerin mit schlicht zurückgestecktem Haar in die Musikwelt des 19. Jahrhunderts ein. Die Collage aus Musik und verschiedenen Texten, die feinfühlig zwischen Jugend und den letzten Lebensjahren des großen Komponisten wechselten, überraschte auch mit dem Pianisten Sebastian Knauer, der nicht nur am Flügel überzeugte, sondern auch als (stumm bleibender) Schumann zum Gegenpart für die Schauspielerin wurde. Die wunderbar vielseitige Gedeck schlüpft gleich in zwei Rollen: Im raffinierten schwarzen langen Kleid ist sie die Schriftstellerin Gisela von Arnim, die lebhafte Tochter der berühmten Bettina, mit einem rasch übergezogenen weißen Kittel mutiert sie zur Oberaufseherin der Heilanstalt in Bonn-Endenich, in der Schumann 1856 nach längerem Aufenthalt verstarb.

Die fiktiven „Gespräche” zwischen der Wärterin und dem offenbar psychiatrisch Erkrankten, zu einer Art Augenzeugenbericht zusammengestellt von der Schriftstellerin Gisela von Arnim, sind von großer Faszination, weil sie vieles vom Lebensweg des Komponisten, seiner wilden, alkoholseligen Jugend, von seinem Genie wie seinen Depressionen und dem leidvollen Ende offenbaren.

Clara und Johannes Brahms

Ausgehend von der These, dass Schumann sich als junger Mann bei einer „Dienerin der Liebe” mit Syphilis angesteckt hat, ist die Vermutung, dass er später an einer fortschreitenden Paralyse (Gehirnerweichung) litt, nicht von der Hand zu weisen. Und so führt die „Verhängnisvolle Affäre” von Schumanns unsterblicher „Träumerei”, seinen bezaubernden „Kinderszenen” und „Fantasiestücke” bis hin zum machtvoll intonierten „Impromptu”. Oder mit musikalischen Abstechern zum Weggefährten des Paares Robert und Clara Schumann, Johannes Brahms, ebenso wie zum von Schumann bewunderten Franz Schubert. Vom ebenfalls geradezu „angebeteten” Heine und seinem „Buch der Lieder” ist auch die Rede.

Mit dem Part der mitfühlenden Gisela von Arnim, die auch schon mal bösen Klatsch zitiert (war der junge Brahms, der die Schumann-Witwe Clara lange unterstützte und zu ihr zog, auch Claras Geliebter?), begeistert die großartige Gedeck das Publikum. Zu ganz großer Form läuft sie aber als kühle, und doch sensible „Wärterin” auf. Man fühlt sich geradezu in die Heilanstalt in Endenich versetzt, die im 19. Jahrhundert übrigens durchaus „moderne” psychiatrische Methoden wie Empathie und Wohlwollen einführte. Doch Schumann war damit wohl nicht zu helfen - ein bitteres Ende.

Riesenapplaus für die beiden Künstler und das überaus gelungene Programm.
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