Zwiegespräche mit dem Raumkunstwerk: „Carte Blanche”

Von: Eva Rother
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Das Glück des Künstlers: Die an der Ausstellung in der Aachener Fronleichnamskirche beteiligten Fotografen vor dem Werk „Artist´s luck” von Barbara und Michael Leisgen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Schwarz-weiß ist das Plakat, das auf die faszinierende Ausstellung zeitgenössischer Fotografie in der Aachener Fronleichnamskirche hinweist. Schwarz-weiß sind viele der Architekturfotos, der Porträts, der Landschaftsaufnahmen; inhaltliche Aussagekraft und künstlerische Form sind dafür umso reichhaltiger.

In der kühlen klaren Strenge der Kirche spricht jedes einzelne der Werke von 14 regionalen und überregionalen Fotokünstlern seine eigene Sprache, artikuliert seinen eigenen Anspruch und tritt in ein besonderes Zwiegespräch mit dem Raumkunstwerk. Der Betrachter erfährt zahllose Möglichkeiten, individuelle Erfahrung mit der Fotowirklichkeit in Beziehung zu setzen.

Hans Lavens schräge Außenseiter, gepierct, tätowiert, kahlköpfig oder mit einem Dreadlock-Puschel, könnten jedem Kirchenbesucher später draußen begegnen. Andreas Magdanz´ kleinformatiges, aber grandios eindrückliches Foto eines Mönchs im Kloster Steinfeld, lädt ein zur kontemplativen Lebensbetrachtung. Mit seiner leicht körnigen Unschärfe besteht das Werk in der lichten Weite des Altarraums und zieht den Betrachter in ein geheimes Zentrum.

Klaus Herzog spürt in einer Fotoserie den Verflechtungen von Natur und Kultur nach: rote Markierungszeichen auf Baumstämmen wirken wie inszeniert oder asiatische Schriftzeichen. Die Berliner Künstlerin Tania Reh präsentiert „Wandgeschichten”: Fotos von abgenutzten, missbrauchten, verfallenen Krankenhaus-, Gefängnis- oder Kasernenwänden. Dank der Seh- und Fotokunst von Reh gewinnen diese geplagten Wände eine neue ästhetische Würde und Gestalt. Der Effekt ist ein geradezu malerischer.

Neben der würfelförmigen weißen Kanzel hängt vor einer schwarzen Steinwand wie selbstverständlich ein Triptychon des Berliner Holocaust-Stelenfeldes. Ob Andreas Herrmann sein Werk überhaupt wieder aus der Kirche abholen kann?

Irmel Kamp-Bandau, berühmt für ihre Fotografien von Architektur der 20er und 30er Jahre, betont mit ebensolchen Exponaten die Klasse des gastgebenden Kirchenbaus. Franz Buchholz, der diesjährige „special guest”, setzt im Mittelgang mit einer Klangskulptur einen angemessenen plastischen Akzent.

Über allem thront unterhalb der Brüstung der Empore das dreiteilige ironische Meisterwerk „Artist´s luck” von Barbara und Michael Leisgen: Dieser in weiß auf schwarz gesetzte Schriftzug wird links eingerahmt von Dirigentenhänden mit Taktstock, rechts haben die Hände den Stock zerbrochen.

Kurator Karl von Monschau hat für seine vierte Auflage von „Carte Blanche”, der Ausstellungsreihe in der Fronleichnamskirche zur Förderung der Kultur im Aachener Ostviertel, außerdem noch Werke von Herbert Bardenheuer, Algirdas Milleris, Bernd Radtke, Dirk Reinartz, Mahmud Telfah und Bernd Wartwig ausgewählt. Es ist wahrhaft ein Gesamtkunstwerk geworden.

Die Ausstellung ist bis zum 17. Mai in der Aachener Fronleichnamskirche, Düppelstr./Ecke Leipziger Str., zu sehen. Sie wird am Sonntag, 18. April, 11.30 Uhr eröffnet. Es spricht Prof. Wolfgang Becker. Öffnungszeiten: montags bis freitags 9 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, samstags 9 bis 11 Uhr.
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