Aachen - Zwei gegen den Rest der Welt: „Clyde und Bonnie” im Mörgens

AN App

Zwei gegen den Rest der Welt: „Clyde und Bonnie” im Mörgens

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
clydebild
Ganz schön cool: „Clyde und Bonnie” (Philipp Manuel Rothkopf und Emilia Rosa de Fries) im Aachener Mörgens. Foto: Wil van Iersel

Aachen. Als Werner auf Bonnie trifft, blickt er auf eine wilde Kindheit zurück. Eine früh verstorbene Mutter und rausgeschlagene Milchzähne, Chinaböller in Ameisenhaufen und Besuche beim Kinderpsychologen: Eine Laufbahn, die so beginnt, kann schon mal im Knast enden. Oder aber sie strandet in der Videothek um die Ecke.

So trifft Werner (Philipp Manuel Rothkopf) zwischen DVD- und VHS-Hüllen auf Bonnie (Emilia Rosa de Fries). Auch mit ihr hat das Schicksal es nicht gut gemeint, sie kleidet sich genau so wenig geschmacksicher wie er (Kostüme: Esther van de Pas) und hat einen ähnlich schlechten Filmgeschmack (Lieblingsfiguren: John Rambo und Michael Knight). Und weil sie obendrein tatsächlich Bonnie heißt, liegt es nahe, dass Werner sich fortan Clyde nennt - beide wollen so leben wie das zu Helden der Popkultur verklärte Gangsterpärchen aus den USA der Dreißigerjahre.

„Clyde und Bonnie” heißt die neue Produktion im Aachener Mörgens, der Untertitel lautet nicht von ungefähr „ein B-Movie von Holger Schober”. Tatsächlich hat Schober eher der Gattung des Billigfilms eine liebevolle Hommage gewidmet als den echten Bonnie und Clyde - denn mit denen haben die beiden Hauptfiguren eher wenig gemein. Neben dem Ramschregal der Filmverleiher hat auch Oliver Stones umstrittene Gewaltgroteske „Natural Born Killers” Schobers Gefallen gefunden: Zwei Verlierer leben ihre Liebe jenseits von Recht und Gesetz aus. Wenn auch die Inszenierung von Nora Mansmann vor allem auf Situationskomik statt auf Gewalt setzt.

Der Idee, es zu zweit mit dem Rest der Welt aufzunehmen, lassen Schobers frisch verliebte Antihelden nach dem Verlassen der Videothek (Raum: Ric Schachtebeck) zunächst nur in ihrer Fantasie freien Lauf. Die ist nicht nur beflügelt von allerhand Hormonen, sondern auch von den Vorbildern der großen Leindwand. „Wie viele Bullen sind es?” „Zu viele. Plus noch mal 50.” „Nimm du die 150 links, ich nehm´ die 150 rechts. Und die in der Mitte überlassen wir dem lieben Gott.”

Beim realen Einsteig in die Kriminellenkarriere reicht es immerhin für einen Überfall auf die benachbarte Bank, durchgeführt zu Fuß und mit einer Pistole, die „mit so Plastikkugeln” schießen kann.

Dass das Geschehen im anschließenden Endspurt vielleicht ein wenig krumm gerät, verzieh das Premierenpublikum dem Autor und seinem wortkargen, aber überaus sympathischen Gossenpärchen nur zu gern. Man hatte sich ja nicht umsonst für einen B-Film entschieden.

„Clyde und Bonnie” ist noch am 21. und 29. Januar sowie am 4., 11. und 19. Februar jeweils um 20 Uhr im Mörgens an der Mörgensstraße zu sehen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert