Zerbrechliche Klänge vom grollenden Donner gestört

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Heimbach. Dass der Donnergott lautstark mindestens einmal die meist zarteren Klänge der „Spannungen” im Jugendstilkraftwerk Heimbach begleitet, gehört auch im 12. Jahr zur Tradition des verdienstvollen Festivals.

Dass es diesmal ausgerechnet die besonders zerbrechlichen Klänge des Streichsextetts „Returning” von Marc-Anthony Turnage traf, dem diesjährigen „Composer in Residence”, bewog die Musiker zu einer Heimbach-würdigen Lösung. Man wiederholte das zehnminütige Stück am nächsten Abend einfach unter besseren klimatischen Bedingungen.

Am Samstag wurde auch die diesjährige, wie immer von der Gesellschaft für Wirtschaftsforschung GIF gesponserte Auftragskomposition aus der Taufe gehoben: „Five Processionals” für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier. Ein Werk, das teilweise sehr eng mit den Heimbacher Künstlern verbunden ist.

Enge Beziehungen zwischen dem Komponisten und dem Geiger Christian Tetzlaff spielen hier eine Rolle. Und dem künstlerischen Leiter der „Spannungen”, Lars Vogt, ist ein eigener, mit einem seltsam sparsam ausgestatteten Klavierpart versehener Satz gewidmet.

Überhaupt handelt es sich um klanglich filigran gearbeitete Widmungs- und Charakterstücke mit sehr persönlichem Profil.

Neben zentralen Repertoire-Säulen wie Béla Bartóks 1. Violinsonate (mit Isabelle van Keulen und Lars Vogt) oder Arnold Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht” durfte man sich diesmal auch über die Begegnung mit Max Regers selten zu hörendem Klari-nettenquintett freuen.

Eine abgeklärte, klanglich abgespeckte Elegie des schwerkranken, zusätzlich vom 1. Weltkrieg gezeichneten Komponisten, mit deutlichen Reminiszenzen an Regers Hausgötter Brahms und Mozart, die die Klari-nettistin Sharon Kam mit großem Einfühlungsvermögen zum Klingen brachte.

Und das mit so viel wacher Energie, dass die Musik nicht zu einem tönenden Nachruf erstarrte. Mit von der Partie waren hier Christian Tetzlaff und Elisabeth Kufferath (Violine), Tatjana Masurenko (Viola) und Gustav Rivinius (Violoncello).

Einen exotischen Akzent setzte man zuvor mit argentinischen Klängen von Astor Piazzolla. Brillant, mit welcher inneren Dynamik die Cellistin Quirine Viersen und der Pianist Steven Osborne Piazzollas „Grand Tango” zum Glühen brachten.

Nicht minder eindrucksvoll Per Arne Glorvigen auf dem Bandoneon, der sich anschließend zusammen mit einem Streichquintett den „Tristezas de un doble A” widmete.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert