Zeichnen mit der Flex und der Kettensäge

Von: Christoph Hahn
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Die Seele der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster: Maria Engels, hier mit Figuren von Clemens Pasch. Foto: Christoph Hahn

Kornelimünster. Immer wieder schafft es die Leiterin der Sammlung „Kunst aus Nordrhein-Westfalen” in der einstigen Reichsabtei Kornelimünster, Maria Engels, Ausstellungen zu organisieren, die auf spannende Art und Weise eine (zumindest weitgehend) traditionelle Bild- und Formensprache einer modernen gegenüberstellen.

Das trifft auch auf die aktuellen Ausgaben im historischen Rokoko-Gemäuer am Abteigarten wieder zu: Die bei allen Auflösungstendenzen stark an Figur und Gegenstand gebundenen Welten der zwischen 1969 und 1985 gestorbenen Düsseldorfer Künstler Curt Beckmann, Hans Schröers, Max Zander und Clemens Pasch treffen auf die eigentümlich erweiterten Zeichnungen des 1950 in der Landeshauptstadt geborenen Andreas Rosenthal. Sämtliche präsentierten Künstler sind im Übrigen der Sammlung über Ankäufe von Werken verbunden.

Umsichtig und ideenreich

Mit der Art und Weise, wie sie die vier verstorbenen Düsseldorfer dem Publikum vorstellt, bezeugt Hausherrin Maria Engels nicht nur den Rang und das Existenzrecht des von ihr umsichtig und ideenreich geleiteten Hauses, sondern zugleich ihren Respekt vor Malern und Bildhauern, die zu Zeiten eines raschen Strömungswechsels in der Kunst sich diesen allzu zeitgeistigen Trend verweigert und auf ihrer überlieferten Position beharrt haben.

Diese Ausstellung, die im Obergeschoss des Seitenflügels zu sehen ist, fordert den Respekt vor traditionellen oder konservativen Haltungen ein. So widmete sich Clemens Pasch einer Figürlichkeit, die - gepaart mit leisen, humorvollen Akzenten - durchaus auch heute noch den Betrachter entweder erheitert oder gar beglückt.

Gleiches gilt für die impressionistischen Landschaften und Architekturen von Hans Schröers und die gerundeten, weiblich und körperlich wirkenden Skulpturen Curt Beckmanns. Bei Max Zander liegen die Dinge schon anders: Radikaler noch als Beckmann treibt dieser späte Impressionist seine Bildsprache der Abstraktion entgegen, ohne allerdings jemals dort wirklich anzukommen.

Andreas Rosenthal, der einzig noch lebende unter den nun in Kornelimünster eingekehrten Gästen, wurde von der Skulptur einer allegorischen Gestalt, der der Bonitas (Güte) am 1910 eingeweihten Dresdener Rathaus, inspiriert. Die Figur, die den Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg nahezu ungeschunden überstanden hat, löst der studierte Grafiker Rosenthal zwar auf, lässt sie aber immer wieder in erkennbarer Gestalt auftauchen.

Interessant an den der Raum für Raum genau auf ihr Umfeld hin ausgerichteten Werken ist nun nicht nur die Art und Weise, wie der Düsseldorfer mit der auch als „Engel von Dresden” bekannten Figur und ihrem Ort umgeht. Noch fesselnder wirkt die Art und Weise, wie Rosenthal zeichnet - zum Beispiel, indem er Multiplex-Platten mit der Flex, der Kettensäge oder anderen technischen Werkzeugen zu Leibe rückt.

Nicht minder eindrucksvoll wirken die transparenten Zeichnungen, die der Künstler mit Tusche auf 200-Gramm-Papier setzt. Seine Transparenz (und Transzendenz) erreicht das Papier aber erst durch einen weiteren Arbeitsgang - indem es gewachst wird. Und so trifft der Besucher ein ums andere Mal auf Zeichnungen, deren Verfertiger es wahrlich nicht an Originalität mangelt.

Eröffnungen der beiden Ausstelllungen: Samstag um 15 und um 16 Uhr. Dauer: bis 26. April. Geöffnet: Di./Mi. 10-13 und 15-17 Uhr, Sa. 15-18, So. 12-18 Uhr sowie nach Vereinbarung, 02408)/6492.

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