Grünstadt - „Wir haben allen Grund, ihm zu danken”

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„Wir haben allen Grund, ihm zu danken”

Von: Roland Happersberger
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Gemütliches Beisammensein mit der Aachener Künstler-Legende: (von links) Karl Otto Götz mit seiner Frau Rissa und dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck in Grünstadt, zwischen Kaiserslautern und Ludwigshafen gelegen. Beck ist Schirmherr der bis 1. Juni dauernden Schau im „Kunstkabinett im Turm”. Foto: Wolfgang Schmitt

Grünstadt. Ein kleines pfälzisches Städtchen interessiert sich für einen großen, wenn auch nicht mehr im Brennpunkt des Interesses stehenden Künstler, dessen Wiege in Aachen schaukelte.

In Grünstadt, am Rande der Rheinebene zwischen Ludwigshafen und Kaiserslautern gelegen, eröffnete der im 96. Lebensjahr stehende, von 1959 bis 1979 an der Kunstakademie Düsseldorf lehrende und heute im Westerwald lebende Karl Otto Götz, der zweifellos wichtigste Vertreter des Informel in Deutschland, eine kleine, feine Ausstellung.

Die Vernissage zeigte, dass Götz bis heute vital und schaffenskräftig geblieben ist und noch immer Aufmerksamkeit zu erwecken vermag. Über 200 Kunstfreunde waren zum Teil von weither angereist. Und der Landesvater selbst, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), gab Götz die Ehre, würdigende Worte zu sprechen.

Arbeiten von 1962 bis 2001

Grünstadt ist eine 15000-Seelen-Stadt am Rande der Rhein-Neckar-Region. Hier wächst leckerer Wein, und in seinem Weingut hat Winzer Karl Heinz Gaul aus Sandsteinblöcken einen pittoresken Turm mit zwei Kammern gebaut, in den sich vor einigen Jahren Wolfgang Thomeczek verliebt hat. Der war lange Jahre Vorsitzender und rühriger Motor des Kunstvereins im westpfälzischen Zweibrücken, bevor es ihn näher an den Rhein zog.

In besagtem Turm verwirklichte er seine Idee eines eigenen „Museums auf Zeit”, des „Kunstkabinetts im Turm”, das er Altmeistern der Klassischen Moderne gewidmet hat. Nun ist Karl Otto Götz mit einer ausgesuchten Auswahl von Arbeiten aus den Jahren 1962 bis 2001 hier eingezogen.

„Wir haben allen Grund, Herrn Professor Götz zu danken für die künstlerischen Anstöße, die er gab, und die Erinnerung wachzuhalten an das, was er in dunkler Zeit erleben musste”, würdigte Ministerpräsident Beck den Künstler und spielte damit auf das Malverbot an, das der Nationalsozialismus Götz auferlegt hatte.

Erst die Demokratie, fuhr Beck fort, habe es auch in der Kunst wieder möglich gemacht, Neues zu erleben, auch Anstößiges zu ertragen. „Freiheit von Kunst und Kultur und Demokratie bedingen sich gegenseitig.”

Und Kunst sei heute besonders wichtig. „Denn die Gefahr ist nicht übersehbar, dass wir allzu vieles, ja fast alles nur noch materiell sehen und andere Dimensionen vergessen werden.”

Dann war es an der Kunsthistorikerin Sabine Schütz aus Köln, Götz´ Werk in seinen kunstgeschichtlichen Kontext zu stellen: Der Maler wollte nach dem Krieg alle schon gebahnten Wege in der Malerei verlassen, Neues finden ohne Bindung an darzustellende Gegenstände oder formal determinierte Abstraktionsregeln.

Und so legte er 1952 gekleisterte Bildträger auf den Boden, tupfte mit dem Pinsel spontane Linien und Zeichen auf Leinwand, verwischte sie mit dem Rakel - einem Gummischieber - ganz rasch und überarbeitete die gefundenen Formen nochmals mit dem Pinsel.

Was im „Informel” von der Malerei bleibt, sind also Farbe und Form - und der Reiz ihrer jeder weiteren Bedeutung baren ästhetischen Gestaltung. Nicht allein wegen der Konkurrenz mehrerer nach der künstlerischen Isolation Deutschlands während der Diktatur nachzuholender internationaler Kunststile blieb diese „Informelle Malerei” in Deutschland eher Episode.

Dass aber die nach der von Götz seither gepflegten Methode entstehenden Bilder nach wie vor Kraft, Harmonie und Schönheit haben, ohne dass sich Götz´ Bilderfindung erschöpft hätte, das konnte jeder sehen, der die zwischen 1962 und 2001 entstandenen Bilder, die in jüngerer Zeit auch reizvoll leuchtende Farbspiele hervorbringen, mit Muße betrachtete.

Es ist ein gediegener Katalog erschienen.
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