Aachen - Wim Wenders stellt in Aachen seinen Film über Franziskus vor

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Wim Wenders stellt in Aachen seinen Film über Franziskus vor

Von: Hermann-Josef Delonge
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Viel Beifall: Wim Wenders gestern in Aachen bei der Präsentation seines Films „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Ich bin leider allein hier.“ Sagt Wim Wenders, während hinter ihm auf der großen Leinwand des Aachener Cineplex-Kinos ein Foto mit Papst Franziskus und ihm zu sehen ist. Man darf davon ausgehen, dass der Regisseur diesen Scherz auf seiner Tour durch die deutschen Kinos, mit der er seinen Dokumentarfilm „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ vorstellt, nicht zum ersten Mal macht.

Ist aber auch egal, die Menschen im Kinosaal lachen dankbar und warten ansonsten auf den Film. Der sie dann sozusagen entschädigt, denn der Papst kommt ihnen während der gut 95 Minuten ganz nah. Mit den Worten des Regisseurs: „Ich verspreche, dass er auch Ihnen in die Augen schaut.“

Der Film ist kein klassisches Porträt, sondern eine von bisweilen arg pathetischer Musik ummantelte, den Kitsch nicht scheuende Annäherung an den Papst und die Maximen, die sein Leben, seine Philosophie, seinen Umgang mit den Menschen und dem Amt bestimmen. Wenders hat dafür vier lange Gespräche mit dem Papst geführt; er hat ihm Fragen gestellt (genau 55, wie er nach der Filmvorführung verrät), die aber nicht zu hören sind. Die Kamera ist ausschließlich auf den Papst gerichtet, und der spricht direkt hinein, schaut also den Zuschauern von der Leinwand in die Augen. Der Zuschauer bekommt das Gefühl, er säße in einer Privataudienz.

Ansteckend humorvoll

Zu sehen ist ein überaus sorgenvoller, aber gleichzeitig ansteckend humorvoller Papst. Dazu stellt Wenders Archivmaterial: Franziskus bei den Flüchtlingen auf Lampedusa und auf Lesbos, bei den Abgehängten in den Favelas von Rio, vor dem US-amerikanischen Kongress, bei ausgehungerten Kindern in einem afrikanischen Krankenhaus. Und – der schwächste, weil unnötige Bestandteil des Films – er zeigt Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus, in kargen, schwarz-weißen Bildern und wie mit der Handkamera gedreht.

Der Film demonstriert: Dieser Papst aus Argentinien steht auf der Seite der Armen und Geknechteten; er erkennt den Zusammenhang von sozialer Ungerechtigkeit und Zerstörung der Grundlagen unseres Lebens glasklar und prangert ihn konsequent an. Genau diese Einstellung hat Wenders schwer beeindruckt – und tut es noch immer. Das wird beim Gespräch mit dem Publikum und später mit Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel deutlich.

Wenders erzählt, wie er sich auf den Film vorbereitet hat, wie das Setting bei den Interviews war, wie der Papst ihn selbst beeinflusst hat („Ich habe gelernt, auch mal den Fuß vom Gaspedal zu nehmen“). Das Publikum im Saal lernt: Der Papst ist eigentlich überhaupt kein Filmfreund, strahlt eine ansteckende positive Energie aus und lebt so, wie er spricht. Wenders nennt ihn einen „moralischen Kompass“ in einer verrückten Zeit und lobt ihn dafür, dass er die „elementaren Dinge“ ausspreche: dass nämlich alle Menschen gleich sind. „Das sagt kein politischer Führer, sondern nur dieser Papst!“ Nicht nur deshalb sei er „einer der mutigsten und ehrlichsten Menschen, die ich je getroffen habe“.

Übrigens: 2,5 Millionen Euro hat Wenders für seinen Film eingesammelt. Eine Million hat er ausgegeben. Der Rest liegt auf einem Konto, über das der Papst verfügen kann. Das Einspielergebnis will Wenders nach Abzug der Kosten für „wohltätige Zwecke“ zur Verfügung stellen. Franziskus wird das wohl sehr freuen.

„Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ ist seit gestern in Aachen (Cinekarree, Eden und Apollo), Alsdorf (Kinopark), Düren (Lumen), Erkelenz (Gloria), Eschweiler (Primus) und in Heinsberg (Roxy) zu sehen.

 

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