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Will.I.Am: „Wir verbinden Pixel miteinander”

Von: Michael Loesl
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Die Black Eyed Peas live: Fulminante Bühnenshows gehören bei Will.I.Am, Fergie, Apl.De.Ap und Taboo (von links) mit dazu. Foto: dapd

Aachen. „Wenn mir jemand begegnete, der die Black Eyed Peas nicht kennen würde, und mich fragte, welche Musik wir machten, würde ich ihm antworten, dass wir Pixel miteinander verbinden”, antwortet Will.I.Am auf die Frage, ob sich seine Band jemals einem Genre zugehörig fühlte.

So wenig er die Musik seiner Truppe auch konkretisieren will, ist sie vor allem eins: enorm populär. Vom vorigen Album „The E.N.D.” konnten die Musiker aus Los Angeles ganze zehn Songs als Singles in den amerikanischen Top Ten platzieren. „Boom Boom Pow”, der Vorbote, belegte nicht nur sofort die Nummer eins in Amerika. Die Elektropop-Hymne hält bis heute auch den Rekord des bestverkauften Song-Downloads innerhalb einer einzigen Woche.

Heiße Diskussion

Der Folge-Hit „I Gotta Feeling” toppte die Sensation dann sogar noch, indem er „Boom Boom Pow” vom Charts-Thron auf den zweiten Platz verwies. Die beiden bestverkauften Singles des Sommers 2009 konnten die Black Eyed Peas damit klar für sich verbuchen. Auf der alljährlich erstellten Forbes-Liste der am besten verdienenden Musiker rangiert der Alternative HipHop-Act neben Coldplay und knapp hinter Madonna auf Platz zehn.

Ob die Black Eyed Peas nach ihrer immens erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem französischen Elektro-Dance-Produzenten David Guetta überhaupt noch als HipHop-Band durchgehen können, wird im Moment in Amerika heiß diskutiert. Will.I.Am sieht die Kontroverse gelassen. „Es gibt kaum jemanden, der HipHop stärker personifiziert als ich”, raunzt er mit ironisch hochgezogener Augenbraue.

Dass er in seinem artikulierten Selbstverständnis aber durchaus ein Stück Wahrheit sieht, unterstreicht er mit der Aussage, dass es für ihn cool sei, bei HipHop-Fans als Genreverräter zu gelten. „HipHop macht sich im Moment selbst klein, weil die gesamte Community auf die Stilhüter hört, die vorgeben, was HipHop zu sein hat. Schlauer wäre es zu zeigen, was HipHop sein kann. Genau an diesem Punkt setzen die Black Eyed Peas an.”

Als Beweis für seine markigen Worte kann auch das neue Album gelten, das Will.I.Am noch während der erst kürzlich zu Ende gegangenen Welttournee produzierte - eine weitere Großtat. „The Beginning”, das seit seiner Veröffentlichung vor sechs Wochen die Erfolgsfährte seines Vorgängers aufnimmt und in den deutschen Charts auf Platz zwei geklettert ist, unterscheidet sich in seiner Rezeptur deutlich von „The E.N.D.”, auch wenn beide Titel einen Zusammenhang vermuten lassen. War „The E.N.D.” vor allem eine Partyplatte mit ekstatischen Beats, so setzt sich „The Beginning” viel stärker mit avantgardistischen Elektropop-Visionen auseinander.

Aus dem „Dirty Dancing”-Heuler „I Had The Time Of My Life” formte Will.I.Am eine Dancefloor-Funk-Nummer der besonders verqueren Art. Mit der Soundästhetik von Kraftwerk und den unvorhersehbaren melodischen Kurven der Seventies-Funk-Band Funkadelic nimmt die Band für die Single „The Time (Dirty Bit”), die jetzt die Spitze der deutschen Charts übernommen hat, ihre selbst geschaffene Rolle als Beat-Lieferanten der Partyhungrigen zwar ernst.

Gleichzeitig konterkariert sie die Steady-Beats aber mit entrücktem Melodienverständnis, das in sich selbst wieder seltsam-abenteuerliche Rhythmen birgt. Für „Fashion Beats” borgte Will.I.Am ein Sample des Chic-Klassikers „My Forbidden Lover”, um den Disco- und Funk-Puls der frühen 80er in eine andere Form zu gießen.

„Wir sammeln musikalische Pixel, die wir neu zusammensetzen. Die Wahrnehmung unserer Welt wird zunehmend pixelig. Ich will herausfinden, ob dabei noch so etwas wie ein Gesamtbild entstehen kann”, sagt Will.I.Am.

Das Resultat ist ein Album, das aktuelle Kunstströmungen aufgreift, mit ihnen spielt und sie gleichzeitig infrage stellt. Möglicherweise offenbaren die High-Tech-Gläubigen Black Eyed Peas damit die Suche nach der menschlichen Note.

Viel wahrscheinlicher aber huldigen sie einmal mehr vier Typen aus Düsseldorf, die Will.I.Am immer noch als „die Chefs” bezeichnet. „Wir, alle in der Band, sind die größten Kraftwerk-Fans unter der Sonne”, entzückt er sich. „Was diese Jungs aus Düsseldorf bereits in den 70er Jahren leisteten, war der Zeit so weit voraus, dass sie vermutlich aus einer fernen Galaxie in einem Raumschiff hierhergeglitten sind. Ich suche immer deren Ufo, wenn ich am Rhein zu tun habe.”
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