Wieder bunte Vielfalt und stilistische Gegensätze

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Auch in der kommenden Spielzeit wird Generalmusikdirektor Kazem Abdullah seine erfolgreiche Programmpolitik der bunten Vielfalt und stilistischen Gegensätze fortsetzen und auf besondere Schwerpunkte verzichten.

Lediglich einige wenige Leitlinien werden von Gedenkanlässen bestimmt. So das Karlsjahr, für das der gebürtige Aachener Anno Schreier („Prinzessin im Eis“) mit einem Orchesterwerk betraut wurde, das sich mit Palatinen Karls des Großen beschäftigt und das im Oktober in direkter Nachbarschaft zu Sergej Rachmaninow (3. Klavierkonzert mit Nikolai Tokarev) und Richard Strauss aus der Taufe gehoben wird. Mit Richard Strauss wird ein weiterer Jubilar (150. Geburtstag) gewürdigt, allerdings mit dessen „Sinfonia Domestica“, einer der schwächsten sinfonischen Dichtungen des Meisters.

Das kann man Jean Sibelius’ Vierter Sinfonie nicht nachsagen, die Abdullah im Mai 2015, und auch noch gekoppelt mit Johannes Brahms schwergewichtigem 2. Klavierkonzert (Solistin: Martina Filjak), vorstellen wird. Es ist das vielleicht bedeutendste, dennoch sehr selten zu hörende Werk des großen Finnen, der im kommenden Jahr 150 Jahre alt geworden wäre.

Highlight mit Geigerin Midori

Beethovens „Eroica“, Bruckners Achte (mit dem gebürtigen Aachener Lothar Königs am Pult) und Mahlers Erste Sinfonie bilden weitere Höhepunkte. Dazu gehört auch die vollständige Fassung von Maurice Ravels Ballett „Daphnis und Chloé“ mit vier Aachener und etlichen internationalen Gastchören im Rahmen der Chor-Biennale 2015. Für ein solistisches Highlight (neben Tokarev) dürfte die Geigerin Midori mit Robert Schumanns freilich nicht sehr beliebtem Violinkonzert in d-Moll sorgen.

Mit der musikalischen Gegenwart geht Abdullah mit Ausnahme des neuen Schreier-Opus und Bouleze_SSRq „Notations“ weiterhin sehr sparsam um. Die „klassische Moderne“ ist immerhin mit Strawinskys „Psalmen-Sinfonie“, Poulencs „Gloria“ und Messiaens „L’Ascension“ hochwertig vertreten. Und auf Debussys komplexe Ballettmusik „Jeux“ darf man besonders gespannt sein.

Die Musik seiner amerikanischen Heimat spielt im Konzertprogramm dagegen auch in der neuen Saison keine Rolle. Dass Abdullah das europäische Repertoire möglichst weiträumig erkunden will, kann man ihm nicht vorwerfen, wenn er die Spielkultur weiterhin so effizient verfeinert wie in den vergangenen Jahren.

Die reichhaltige Serie der Kammer-, Familien- und Sonderkonzerte zwischen Soers und Dom bleibt erhalten. Im Dom wird es im November Bruckners Messe in f-Moll und im Mai (wieder einmal) Mendelssohns „Elias“ geben, im cineastischen „Konzert ohne Frack“ darf man sich auf eine Kostbarkeit mit einer von Richard Strauss autorisierten Filmversion des „Rosenkavaliers“ freuen.

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