Wie eine Mischung aus „Spider-Man” und Wasserballett

Von: Susanne Schramm
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Abgehoben: Take That in der DÀ
Abgehoben: Take That in der Düsseldorfer Arena.

Düsseldorf. Kurz vor Schluss erheben Robbie Williams, Mark Owen, Gary Barlow, Jason Orange und Howard Donald die Gläser. Sie stoßen an, trinken auf ihre Versöhnung und auf eine glorreiche Zukunft. In den Gläsern von Williams und Owen ist Milch, in den Gläsern der drei anderen Rotwein.

Das ist nicht nur ein öffentliches Bekenntnis - sowohl Williams als auch Owen genehmigten sich früher zu oft einen Drink zu viel -, sondern gibt auch ein wunderbares Bild für diesen Abend ab, an dem 45.000 Fans in der Düsseldorfer Arena erleben, wie die Ex-Boy- und jetzt Men-Group Take That ihre Wiedervereinigung feiert.

Denn so gegensätzlich wie Rotwein und Milch ist das Konzert. Man ahnt, dass daraus kein Ganzes wird. Da sind zum einen die Momente, die glückselige Gefühle voller Nostalgie auslösen oder Respekt vor der Selbstironie, mit der Schlammschlachten thematisiert werden, die vor 15 Jahren zur Trennung führten. Und zum anderen der Eindruck, dass hier etwas mit viel zu viel Bombast überinszeniert worden ist.

Mehr als 20 Tänzer, Artisten und Akrobaten tummeln sich beizeiten in vorderster Front oder bespielen die gigantische Leinwand bis unters Dach hinauf, was bisweilen anmutet wie eine Mischung aus „Spider-Man” und Wasserballett made in Hollywood. Die Kostümierungen sind dabei so gewollt „verrückt”, dass man dem Designer empfehlen möchte, öfter Milch zu trinken. Auch die Idee, Williams auf ein Triumphwägelchen zu setzen, das von glitzernden Rollerskaterinnen gezogen wird, deren vorderste eine Fahne mit den Initialen „RW” schwingt, ist fragwürdig.

Bei all dem vergisst man allzu leicht, um wen es hier eigentlich geht. Um fünf Männer nämlich, die heute zwischen 37 und 43 Jahren alt sind und die in den 90er Jahren Mädchenherzen rund um den Globus zum Schmelzen brachten. 1995 verließ Williams die Gruppe, 1996 löste sie sich auf, 2005 rauften sich Barlow, Owen, Donald und Orange wieder zusammen, seit Juli 2010 ist Williams erneut an Bord.

Ob er das tatsächlich ist, daran kann man in Düsseldorf die ersten fünf Stücke lang zweifeln. Denn die gestalten die anderen vier alleine. Der Kreischfaktor, den Stücke wie „Rule The World” oder „Patience” in der Arena erzielen, ist beachtlich, verklingt aber zu einem leisen Echo, als Williams nach 30 Minuten die Parole „Let Me Entertain You” ausgibt. Der Jubel, der da ausbricht, könnte Gehörschäden auslösen. Beim Konzert im Konzert ist Williams unangefochten der bessere Entertainer.

Ein rasender, rüder „Rock DJ”, gesegnet mit Raubtierenergie, der sich sogar Sprüche wie „Alles fit im Schritt?” erlauben darf oder mal eben das Publikum dazu bringt, mit ihm das Deutschlandlied zu singen. Wirklich vereint erlebt man Take That erst nach fast einer Stunde. „The Flood”, die erste Single des im November 2010 erschienenen Reunion-Album „Progress”, läutet einen Mix aus alten und neuen Stücken ein, die durchweg den Beweis erbringen, dass das Quintett weder stimmlich noch tänzerisch abgebaut hat.

Der magischste Moment ist der, wenn Barlow, Donald & Co. zum Akustik-Medley ansetzen, um mit „A Million Love Songs”, „Babe”, „Everything Changes” und „Back For Good” den Geist der Jugend zu beschwören. Da stürzen Tränen aus den Augen von Frauen, die plötzlich wieder Mädchen sind. Dagegen verblasst die 30 Meter hohe blinkende Roboterfrau, die sich bei der Zugabe „Relight My Fire” inmitten eines lodernden Flammenmeers erhebt, zu purer Effekthascherei.
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