Köln - Wenn Schnauben große Kunst wird;: Al Jarreau in Köln

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Wenn Schnauben große Kunst wird;: Al Jarreau in Köln

Von: Susanne Schramm
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Phänomenaler Stimmakrobat: Al Jarreau (70) in der Kölner Philharmonie vor 1800 begeisterten Fans. Foto: Thomas Brill

Köln. Im ersten Moment hat man Mitleid. Wenn sich der erschreckend magere alte Mann mit tastendem Gang und verkrümmten Schultern die Treppen von der Garderobe zur Bühne hochkämpft.

Doch sobald er ins Sichtfeld der 1800 Fans in der Kölner Philharmonie gerät, wird Al Jar- reau zum charmanten Entertainer. Während er winkend und mit strahlendem Lächeln sein Publikum begrüßt, schlägt eine Welle der Sympathie über dem 70-Jährigen zusammen.

Der Jubel des Publikums in der Kölner Philharmonie ist unglaublich. Schon in den ersten Minuten zeichnet sich so ab, was die nächsten knapp zwei Stunden bieten werden: ein stürmisches Wechselbad der Gefühle.

Bei ihrem einzigen Konzert in NRW streifen Jarreau und seine fünf Musiker durch 35 Jahre seiner Karriere. Zwischen Jazz, Pop und Rhythm ´n´ Blues, der hohen Schule des Scattens, dem vertraulichen Zwiegespräch mit dem Publikum und grandiosen Instrumental-Soli - ist alles drin.

Was man Ella Fitzgerald nachgesagt hat, nämlich, dass sie auch das Telefonbuch singen könne, gilt ebenso uneingeschränkt für Jarreau. Wenn er heult, quietscht und bellt, die Töne in Knurren, Grunzen und Schnauben verwandelt, Silben zum Flüstern verhaucht, sie guttural zerhackt und in Trillern wieder zusammenfügt, den Brustkorb in einen Klangkörper fürs Schlagwerk der Fäuste umfunktioniert und dabei Bewegungen macht, die an Tai-Chi, den großen Marcel Marceau oder das Spielen imaginärer Instrumente erinnern, dann ist das weiterhin Weltklasse.

Auch wenn er, das muss man ehrlicherweise sagen, die ganz hohen Lagen nicht mehr so spielend leicht bewältigt wie früher.
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