Herford - Wenn Künstler einmal zeigen, was sie für Kunst halten

Wenn Künstler einmal zeigen, was sie für Kunst halten

Von: Beate Depping
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Einhorn, Puppen und Bücher: Jonathan Meese steht in Herford im Museum Marta in einem von ihm gestalteten Ausstellungsraum. Foto: dpa

Herford. Und das soll Kunst sein? „Auf jeden Fall“, sagt Jonathan Meese. „Denn alles, was man mit Liebe sammelt, ist ja schon Kunst.“ Es klingt wie das Motto der Ausstellung „Freundliche Übernahme“ im Herforder Museum Marta. Künstler wie Herbert Brandl, Bogomir Ecker, Katharina Grosse und eben Jonathan Meese zeigen bis zum 5. Oktober, was sie gesammelt haben, was sie für Kunst halten.

„Das ist ein ganz wichtiges Buch für mich“, sagt Jonathan Meese und greift nach einem Band mit dem Titel „Sie machten Geschichte“. Das habe er als Kind immer wieder gelesen. Jetzt steht der abgegriffene Band Seite an Seite mit tausenden anderen Büchern – Werke von Arthur Rimbaud neben Comicheften, die Biographie des Bußpredigers Girolamo Savonarola neben Kinderschmökern.

Zusammengetragen wurden sie durch die Sammelleidenschaft des 44-jährigen Künstlers. In den Regalen türmen sich Bücher und Filme ebenso wie Masken, Puppen, Fotos und Plakate. Was nicht in die Fächer passt, liegt verstreut auf dem Boden – darauf steht ein alter Waschzuber aus Holz, ein Einhorn und unzählige weitere Dinge.

Mit Liebe, ohne jede Ideologie oder Strategie – das ist die Richtung, die Meese seit jeher vorgibt als Königsweg zur Kunst. Unter diesem Aspekt betrachtet der außerhalb der Kunstszene vor allem durch einen 2012 öffentlich gezeigten Hitlergruß bekannte Künstler jedes einzelne Stück seiner Sammlung als „Spielzeug“, das er für die Kunst nutzen kann. Wie ein Kind beschreibt er sein Kunstschaffen und nickt zustimmend zu dem Titel „Peter Pan der Kunst“.

Auch Herbert Brandl, Bogomir Ecker, Helmut Federle, Katharina Grosse, Friedrich Kunath und Karin Sander haben alles ins Marta geschafft, was ihnen als Inspirationsquelle dient. Kunath etwa bringt mit Couchgarnitur und Stehlampe Wohnzimmerflair in seinen Saal und präsentiert neben Werken von Ernst Ludwig Kirchner, Martin Kippenberger und Hanne Darboven auch ein Kamel aus Leder. Ecker hat tausende analoge Fotografien an die Wände gehängt – eine Auswahl der Bilderflut, die er zusammengetragen hat, um in ihnen Motive zu finden. Als raumgreifendes Beispiel stellt er eine Installation aus: zehn Kaufhaus-Tiefkühltruhen, in denen Trichter, Antennen und Waffen liegen und im Verlauf der Ausstellung mit einer Schicht von Eiskristallen überzogen werden.

Große Nähe wird spürbar in den Sälen von Katharina Grosse und Karin Sander. Die Künstlerinnen verweisen gegenseitig auf die Werke der anderen. Doch während Katharina Grosse Installationen, Skulpturen, Gemälde und Grafiken zu einer organisch anmutenden Schau zusammengestellt hat, hat Karin Sander alle Werke einfach der Größe nach auf einer Linie an den Wänden angeordnet.

Zu entdecken gibt es im Marta gleich sieben Künstlerpersönlichkeiten. Ein mutiges Unterfangen, das möglich wurde durch ein Kuratorenteam, das bereit war, in die zweite Reihe zu treten. Oder wie Kuratorin Friederike Fast es formuliert: „Wir hinterfragen unsere Aufgabe und sind selber überrascht über das inspirierende Ergebnis.“

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