Stuttgart - „Was geht” seit 1989: Fanta 4 feiern Jubiläum

„Was geht” seit 1989: Fanta 4 feiern Jubiläum

Von: Johannes Wagemann, dpa
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Die „Fantastischen Vier”: Andy Ypsilon, Smudo, Thomas D und Michael Beck machen schon seit 20 Jahren Hip-Hop auf Deutsch. Foto: dpa

Stuttgart. Die vier können es selbst kaum glauben. 20 Jahre soll das schon her sein? „Das ist echt Wahnsinn”, sagt Smudo von den Fantastischen Vier.

Kaum eine andere Musikgruppe hat die deutschsprachige Musik und deren Texte in den vergangenen Dekaden so stark geprägt wie die vierköpfige Hip-Hop-Truppe aus Schwaben. „Vier gewinnt” hieß ihr Durchbruch-Album - trotz einiger Auf und Abs kann ihre Karriere bis dato so zusammengefasst werden. „Was geht?”, wie ein anderer Titel heißt, also seit damals?

Am 7. Juli 1989 traten sie erstmals als „Die Fantastischen Vier” auf - bei einer kleinen Party in Stuttgart. „In einem Kindergarten, auf Bier-Paletten, im Rahmen einer Batman-Party”, erinnert sich Smudo, mit bürgerlichem Namen Michael B. Schmidt. Die Filmfigur wurde von den Vieren natürlich erst einmal „gedisst”, wie es sich für Sprechgesang (bei ihnen sollte es nicht Rap heißen) gehört.

Den jungenhaften Humor haben sie bis heute behalten - auch wenn sie mittlerweile alle die 40 überschritten haben. „Das ist so lange her. Die Hälfte von denen, die da waren, ist, glaube ich, tot”, meint Smudo und lacht. „Die andere Hälfte hat Alzheimer”, ergänzt Thomas D. (Thomas Dürr). Klar, das Haar ist bei Smudo ein bisschen lichter geworden und auch die zwei weiteren Bandmitglieder Michael „Michi” Beck und And.Ypsilon (Andreas Rieke) haben sich verändert. Doch die mittlerweile über ganz Deutschland verstreuten Musiker können sich noch lebhaft erinnern, wie sie etwa anfangs über einem Musikladen mit Pappkarton-Möbeln hausten.

Von dort ging es mit rasantem Tempo weiter - „Die da!?!” war der erste große Hit (1992). Passend zum wiedervereinigten Deutschland stellte der Regisseur einen Trabi ins Video - dazwischen hüpften und gestikulierten die vier im bunten Schlabberlook. „Sie ist weg” vom 1995er „Lauschgift”-Album war ein weiterer Titel, der im Gedächtnis blieb. Sprachwissenschaftler lobten immer wieder den kreativen Umgang der Band mit Stilmitteln und Reimen.

Sie wurden „die” Referenzgröße für den Hip-Hop in Deutschland, dabei waren die Einflüsse der amerikanischen Ursprünge in Versatzstücken oft zu erkennen. Doch die „Fanta 4” entwickelten auch ihren eigenen Klang, der neben Samples auch auf eingespielte Instrumente setzte. 1996 stellten sie auf der damals noch großen und in diesem Jahr abgesagten Branchenmesse Popkomm ihr eigenes Label „Four Music” vor. Vom Freundeskreis bis Clueso reichten dessen Künstler im Laufe der Jahre. Da war aber auch das „Rödelheim Hartreim Projekt” aus Frankfurt, das die „Fanta 4” als viel zu liebe „Jungs” aus Stuttgart kritisierte.

Von den Hessen ist nicht mehr viel zu hören - die Schwaben hingegen kommen zum Jubiläum auf großem Fuß zurück in die Heimat. Nicht weniger als 50.000 Fans erwarten sie auf dem Cannstatter Wasen, dem Stuttgarter Volksfest-Gelände, am 25. Juli zum „Heimspiel”.

Zwischenzeitlich haben auch sie sich immer wieder zerstreut und sind mittlerweile als Solokünstler (Thomas D und Michi Beck) oder auch Hobby-Rennfahrer (Smudo) unterwegs. Aber dann komme „meistens der Bär (der Manager der Band) und fragt uns wie siehts jetzt aus, machen wir ne neue Platte?”, erzählt Thomas D. Und dann kommen die „Fantas” halt und machen eine neue. Sie soll im Frühjahr rauskommen.

Deutscher Hip-Hop? Was viele für unmöglich hielten, haben Die Fantastischen Vier seit den 1990er Jahren quasi salonfähig gemacht. Deutsch-Sein und Auf-Deutsch-Singen, das heißt für die gebürtigen Schwaben, sich „haftbar” zu machen. „Wenn man sich hinstellt und sich hinter einem I am lonely and I was hurt versteckt, dann ist das was anderes, als wenn man "Ich bin einsam und ich wurde von ihr verletzt" singt”, sagte Smudo. Sei der Text deutsch, dann nähmen das die Fans gleich viel ernster.

Aber zu ernst soll es ja auch nicht sein, sagen die vier und freuen sich auf ihr Konzert: „Es wird auf jeden Fall ein einmaliger Abend, auch wenn alles schiefgeht. Dann erst recht.” Mal sehen, was an dem Sommerabend geht.

Am 12. September tritt die Gruppe auch in der Region auf: ab 20 Uhr im Schlosspark Lich. Tickets sind schon für 39,80 Euro im Vorverkauf in unserem Ticketshop zu bekommen.
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